Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern trauert um Altlandesbischof Johannes Friedrich. Er ist am Mittwoch in Nürnberg im Kreis seiner Familie verstorben, wie die Landeskirche in einer Mitteilung bekannt gibt. Friedrich wurde 77 Jahre alt.
Landesbischof Christian Kopp würdigt das Lebenswerk des früheren Kirchenleiters:
"Johannes Friedrich hat vorgelebt, wie der christliche Glaube die Freiheit schenkt, das Leben gut zu gestalten. Für ihn war seine persönliche Beziehung zu Gott Antriebskraft für seine Arbeit. Ich habe stets bewundert, wie liebevoll, zugewandt und zielorientiert er wirkte. Er war ein ökumenischer Brückenbauer, der für eine Kirche mitten in der Welt eintrat."
Die Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel erinnert sich:
"Während meiner Zeit im Präsidium der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) war Dr. Johannes Friedrich leitender Bischof. Besonders eindrücklich ist mir unsere Zusammenarbeit am Verbindungsmodell. Mit beharrlicher Energie hat er sich dafür eingesetzt, dass das Miteinander der evangelischen Landeskirchen in Deutschland wächst. Durch ihn habe ich ein tiefes Verständnis für das lutherische Profil unserer Kirche bekommen und an ihm erlebt, wie wir kooperieren können und uns zugleich unsere unterschiedlichen Sichtweisen zubilligen."
Auch nicht bayerische Kirchenvertreter:innen äußerten sich.
"Johannes Friedrich war ein warmherziger und weitsichtiger Lutheraner, der zugleich den einzelnen Menschen und das Ganze der Theologie im Blick behielt", sagte der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), über einen seiner Amtsvorgänger, von dem er 2011 in sein Amt als Landesbischof der Landeskirche Hannovers eingeführt wurde, laut einer gemeinsamen Mitteilung von EKD und VELKD. "Wir trauern um einen beeindruckenden Geistlichen, der für die weltweite Ökumene stritt und in seinen Predigten die stärkende Kraft des Evangeliums betonte."
Bischöfin Kirsten Fehrs, die Ratsvorsitzende der EKD, sagte: "Johannes Friedrich schöpfte seine Kraft aus einem unverbrüchlichen Glauben und wirkte segensreich in vielen kirchlichen Bereichen: im Verkündigungsdienst als Pfarrer, Propst und Bischof, als Seelsorger und als großer Brückenbauer in der Ökumene und im interreligiösen Dialog. Ich habe ihn als theologisch klar und menschlich zugewandt erlebt."
Weitere Reaktionen: Söder, Regionalbischöfin, Diakonie, Frauenwerk
Ministerpräsident Markus Söder (CSU), selbst evangelisch und früheres Mitglied der Synode, teilte am Mittwoch mit, dass ihn die Nachricht von Friedrichs Tod sehr bewegt habe. Er sei ein wahrer Freund des Lebens und der Menschen gewesen. "Friedrich führte zusammen. Er lebte den christlichen Glauben jeden Tag aufs Neue als Vorbild und Mutmacher." Mit Empathie, Toleranz und viel Herz habe er die Werte der Gemeinschaft und Gesellschaft vermittelt. Dabei sei er nicht nur entschlossen für die evangelisch-lutherische Kirche eingetreten, sondern habe immer das Verbindende der Weltkirchen gesucht - insbesondere für die Ökumene und die Aussöhnung zwischen Judentum und Christentum, sagte Söder weiter.
"Er war zuverlässig und zugewandt, auf sein Wort war Verlass", schrieb die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern in einem Beitrag bei Facebook. Friedrich sei ein Mensch mit ökumenischer Weite gewesen, "der gerne evangelisch war".
Auch die Präsidentin der Diakonie in Bayern, Sabine Weingärtner, würdigte den Altbischof. Die Diakonie verliere "einen verlässlichen Partner im Miteinander von Kirche und Diakonie". Die Arbeit und die Themen der Diakonie seien Friedrich stets ein großes Anliegen. Unter Landesbischof Friedrich habe sich die Landeskirche nicht nur klar zur gesellschaftlichen Bedeutung der Familie geäußert, sondern darin auch die Vielfalt familiärer Lebensformen anerkannt. "Aus heutiger Sicht war das geradezu wegweisend", sagte Weingärtner.
Dorothea Deneke-Stoll, Kuratoriumsvorsitzende des FrauenWerk Stein e.V., betonte, Frauengleichstellung sei Alt-Landesbischof Johannes Friedrich immer sehr wichtig; er habe sich für die Frauenordination in der Evangelischen Kirche stark gemacht: "Das FrauenWerk Stein hat mit Johannes Friedrich ein langjähriges Mitglied und einen treuen Freund und Unterstützer seiner Arbeit verloren. Unserem Alt-Landesbischof lagen die Ziele und Aufgaben des FrauenWerk Stein e.V. immer sehr am Herzen. Noch bis vor kurzem war er als Mitglied des Vereins aktiv", sagte Deneke-Stoll.
Einsatz gegen Antisemitismus
Friedrich habe sich besonders für den interreligiösen Dialog und trat gegen Extremismus und Antisemitismus eingesetzt, heißt es in der Mitteilung der bayerischen Landeskirche. Er gehörte zu den Gründern des Bündnisses für Toleranz Bayern und habe sich für das christlich-jüdische Gespräch sowie den Austausch mit Muslim:innen eingesetzt. Außerdem war er lange in der deutschen und bayerischen Bibelgesellschaft aktiv.
Geboren am 20. Juni 1948 in Bielefeld, begann Friedrich seine kirchliche Laufbahn als Studierendenpfarrer in Nürnberg (1979–1985) und wirkte anschließend als Pfarrer und Probst an der Erlöserkirche in Jerusalem. Von 1991 bis 1999 leitete er als Dekan den Dekanatsbezirk Nürnberg.
12 Jahre bayerischer Landesbischof
1999 wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gewählt und hatte dieses Amt zwölf Jahre inne. In dieser Zeit war er unter anderem Catholica-Beauftragter und von 2005 bis 2011 leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sowie Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Nach dem Ende seiner Amtszeit übernahm Friedrich 2011 noch einmal ein Pfarramt in Bertholdsdorf, bevor er 2013 in den Ruhestand ging. Für sein Wirken erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande und den Bayerischen Verdienstorden.
Friedrich hinterlässt seine Frau Dorothea sowie zwei Töchter mit Familien.