25.03.2018
Predigt

Palmsonntag: Einzug in Jerusalem (Sacharja 9,9–10)

Die Gottesdienste an Palmsonntag erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem. Er saß auf einem Esel, erzählen die Evangelisten, und die Menge jubelte ihm zu. Eine friedliche Szene, ohne Gewalt. In der christlichen Kirche wurde die Botschaft Jesu von der Gewaltlosigkeit aber schon bald verdunkelt. Evangelische Morgenfeier von Pfarrer Werner Küstenmacher, Gröbenzell.
Einzug Jesu in Jerusalem
Einzug Jesu in Jerusalem, Kapitell an der Kathedrale Saint-Maurice in Vienne

Predigt über die Gewalt

Über die Gewalt möchte ich heute sprechen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ausgerechnet heute, am letzten Sonntag vor dem Osterfest. Morgen beginnt die stille Woche, die letzten Tage der Fastenzeit. Heute erinnern wir uns in den Gottesdiensten traditionell daran, wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Er saß auf einem Esel, erzählen die Evangelisten, und die Menge jubelte ihm zu. Eine friedliche Szene, ohne Gewalt. Die Menschen ebneten seinen Weg, so wird weiter berichtet, indem sie Palmwedel und ihre Kleider vor ihm auf der Erde ausbreiteten. Von diesen Wedeln hat der heutige Sonntag seinen Namen: Palmsonntag.

Der Wanderprediger Jesus aus dem Dorf Nazareth war bisher vor allem in den ländlichen Gegenden Palästinas unterwegs gewesen. Jetzt ist er in der Hauptstadt angekommen. Den Berichten der Evangelien nach wird er dort noch fünfmal übernachten. Am Nachmittag seines sechsten Tages in Jerusalem wird er – nach einer quälend langen Folter – sterben.

Die Staatsgewalt wird ihn im Schnellverfahren zum Tod verurteilen, als Feind der herrschenden Vorstellung von Gott und damit als Staatsfeind. Zu Recht? Politisch gesehen, nein.

Jesus lebte in einer brisanten gesellschaftlichen Situation. Das Land stand unter römischer Besatzung. Mit ziemlicher Sicherheit hat es auch im Kreis seiner Jünger Männer gegeben, die gegen die Besatzer kämpfen wollten. Solche jüdischen Aufständler lasen ihre Heiligen Schriften mit anderen Augen. In den alten Prophetenbüchern fanden sie Weissagungen über einen Befreier, den Messias, den Gesalbten Gottes. Auf Griechisch: Christos. Dieser Befreier sollte einst das große Reich des Friedens bringen, das Reich Gottes. Aber wie? Durch einen Aufstand, einen heiligen Krieg, einen mächtigen Sturm Gottes gegen die Feinde?

Jesus, der friedliche Messias

Jesus hat viel von diesem Reich Gottes gesprochen, aber niemals von einem Krieg, schon gar nicht von einem heiligen. Jesus wusste: Wenn der Befreiungskrieg gegen Rom losbricht, wird hier kein Stein auf dem anderen bleiben. Das Volk wird in sein Verderben stürzen, und genauso ist es ein paar Jahrzehnte später gekommen. Jerusalem wurde von den Römern dem Erdboden gleichgemacht. Sogar den Namen Jerusalem löschten sie aus. Vom gewaltigen Tempel blieb gerade einmal die westliche Mauer des Fundaments stehen, bis auf den heutigen Tag.

Nein, tut es nicht mit Gewalt, predigte Jesus. Gott selbst wird sein Reich errichten, sagte er, und es ist anders, als ihr meint. Es ist schon mitten unter euch. Wann immer er gefragt wurde, ob er dieser Messias sei, antwortete er ausweichend. Wo immer er konnte, hat Jesus Gesten vermieden, die missverstanden werden konnten als Aufruf zu politischer Gewalt.

Am vielleicht prägnantesten ist das zu sehen an seinem Einzug in die Hauptstadt Jerusalem. Der Evangelist Matthäus stellt dieses Event als bewusste Inszenierung dar. Jesus zieht nicht ein als politischer Befreier. Er kommt nicht mit dem Anspruch, der neue König David zu sein, auf einem Pferd, mit Krone und Königsmantel. Nein, Jesus bezieht sich auf eine Weissagung, die den jüdischen Befreiungskriegern nicht besonders geschmeckt haben dürfte. Denn neben den großen Erwartungen auf eine Wiederkehr des kampferprobten Gottes Jahwe gibt es auch andere Töne in der jüdischen Tradition. Hier ist es eine Vision des Propheten Sacharja:

Freue dich, du Stadt Zions! Jubelt laut, ihr Bewohner Jerusalems! Seht, euer König kommt zu euch! Er bringt Gerechtigkeit, Gott steht ihm zur Seite. Demütig ist er vor seinem Gott. Er reitet auf einem Esel, auf einem starken Eselshengst. Er schafft die Pferde und Streitwagen ab, in Jerusalem und in ganz Israel. Pfeile und Bogen der Krieger werden zerbrochen. Er stiftet Frieden unter den Völkern. Von Meer zu Meer reicht seine Herrschaft, vom Euphrat bis zu den Enden der Erde. (Sacharja 9,9–10)

Jesus Christ, Superstar

1971 war ich 18 Jahre alt und spielte mit dem Gedanken, Pfarrer zu werden. Es war die Zeit der Hippies. Ich erinnere mich noch, wie sich sogar einige meiner Lehrer die Haare wachsen ließen und breite Koteletten trugen, dazu Blümchenhemden und weite Hosen. Die Musik war heiter, und gleichsam als Nachhut der Hippie-Bewegung kamen aus den USA die Jesus People nach Europa. Andrew Lloyd Webber, ein damals noch unbekannter britischer Komponist, erkannte das Potential dieses Trends und brachte im Herbst 1971 in London das Passions-Musical „Jesus Christ Superstar“ auf die Bühne. Es machte ihn schlagartig berühmt, und bis heute zählt es zum festen Repertoire aller Musicaltheater.

„Jesus Christ Superstar“ war damals furchtbar umstritten, vor allem wegen des Titels. Jesus wollte kein Superstar sein, hieß es. Aber ich habe dieses Musical sofort geliebt. Denn für mich war Jesus unbestritten der Star in meinem Leben. Ich mochte ihn, und ich mochte die Stimme von Ian Gillan, dem Frontsänger der Rockgruppe Deep Purple. In der ersten Schallplattenversion sang er den Jesus.

Der Einzug in Jerusalem wird im Musical vermischt mit dem Auftritt Jesu vor dem Hohepriester Kaiphas, der sich über die Begeisterung des Volkes mokiert. In der Erzählung von Lukas sind es die Pharisäer, die Jesus auffordern, die Menge zum Schweigen zu bringen. Er antwortet mit dem berühmten Satz: „Wenn diese Menschen schweigen, werden die Steine schreien.“

Das Christentum ist wie ein unbekannter Kontinent – das Zentrum in seiner Mitte ist noch nicht entdeckt. Diese schwerwiegende Behauptung stammt von dem katholischen Theologen Eugen Biser. Vor ein paar Wochen wäre er 100 Jahre alt geworden. Ich habe ihn als Student erlebt und war von ihm fasziniert. Vor allem von seinem Gedanken, dass die Mitte unseres christlichen Glaubens versteckt sei in der Finsternis.

Gewalt vergiftet alles

Denn leider geschah schon sehr früh in der jungen Kirche etwas, das die revolutionär neue Botschaft Jesu verdunkelt hat. Den von Jesus radikal abgelehnten Weg der Gewalt haben die Christen für sich gewählt. Die Führer der Kirche glaubten, durch geistige Unterdrückung und physische Gewalt Menschen kontrollieren zu müssen.

Gewalt kann alles Gute, was davor geschah, zunichtemachen. Was richtig war, wird falsch. Das erleben wir seit einigen Monaten in der Filmindustrie und darüber hinaus. Unter der Überschrift „Me too“, auf Deutsch „Ich auch“, berichten Frauen, wie sie Opfer männlicher sexueller Gewalt geworden sind. Sie wagen sich an die Öffentlichkeit, nachdem sie sich lange geschämt haben über das Geschehene. Zum Teil hatten sie sich auf einen schmutzigen Handel eingelassen: Ich schweige, und du bringst mich dafür groß raus. Aber dieser Bann ist jetzt, nach vielen Jahren, gebrochen.

Die Beschuldigten sind Produzenten, Regisseure und andere mächtige Männer der Unterhaltungsbranche. Wie immer häufiger heutzutage, kochte die Stimmung in den sozialen Medien schnell über. Es wurde ziemlich hysterisch. Dürfen wir noch Filme ansehen, die von Harvey Weinstein produziert wurden? Werden Besucher in Zukunft die Gemälde von Pablo Picasso mit anderen Augen sehen? Schauspieler, die auf der Liste der Beschuldigten auftauchten, wurden aus bereits gedrehten Filmen herausgeschnitten.

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Berühmte Schauspielerinnen meldeten sich zu Wort und meinten, man müsse unterscheiden zwischen ungeschickter Anmache und wirklichen Gewalttaten. Doch eins ist klar: So wie vorher wird diese Branche nicht mehr sein. Auch wenn viele klagen über das Klima des Misstrauens und der manchmal übervorsichtigen Rücksichtnahme – unterm Strich ist diese Entwicklung ein gesellschaftlicher Fortschritt.

Denn Gewalt und Macht sind eine teuflische Mischung. Gewalt und Macht haben auch den Charakter unseres Glaubens verbogen. Sie haben den neuen Blick auf Gott eingetrübt, den Jesus eigentlich der jüdischen Gesetzesreligion gegenübergestellt hatte.

Jüdische Glauben: Mystik statt Moral

Der jüdische Glaube ist zutiefst moralisch. Er beruht auf dem von Gott offenbarten Gesetz. Dieses Gesetz gibt Halt. Es lenkt die Menschen auf den richtigen Weg, durch Verbote und Gebote, durch Strafe und Aussicht auf Belohnung. Aber dieses Gesetz hat eine furchtbare Nebenwirkung. Der Ex-Jude Paulus hat sie ausführlich in seinem Brief an die Römer beschrieben: Hätte ich das Gesetz nicht gekannt, schreibt er, wäre ich nicht in Versuchung geraten, es zu übertreten. Die Gebote, die eigentlich das Leben bringen sollten, brachten mir den Tod. Denn wo immer es Gesetze gibt, passiert Trennung: zwischen Bösen und Guten, Sündern und Gerechten, Versagern und Erfolgreichen.

Es muss doch einen besseren Weg geben als das moralische Gesetz. Könnte man nicht dem Menschen ein Prinzip einpflanzen, das ihn unfähig macht, das Böse zu denken und zu tun? Ja, dieses Prinzip gibt es. Jesus erzählte davon in vielen Predigten und Geschichten. Es ist das Prinzip Liebe. Diese Liebe ist diese immer wieder verdunkelte Mitte des christlichen Glaubens. Und diese Liebe ist viel mehr als eine Idee oder ein Prinzip. Diese Liebe hat ein Gesicht, diese Liebe ist eine Person. In Jesus Christus hat sich Gott uns zum Geschenk gemacht. Diese Liebe ist menschlich. Sie ist uns Menschen eingepflanzt, jeder kann sie in sich entdecken.

Jesus erzählt von einem Gott, der nicht kontrollieren will, sondern lieben. Ein Gott, der nicht auf der Einhaltung seiner Gesetze beharrt, sondern der wie ein hoffnungslos Verliebter unermüdlich den Verlorenen hinterhergeht und sie an sein Herz ziehen möchte. Liebe strebt nicht nach der Einhaltung von Regeln. Solche Gesetzestreue nennt man in einer Religion Moral. Liebe strebt nach der Vereinigung mit dem Geliebten. Das nennt man in einer Religion Mystik.

Oft ist Liebe in der Versuchung, gewalttätig zu werden, um den Geliebten zu zwingen. Aber dann wäre die Liebe zu Ende. Liebe weiß, dass sie dem Geliebten Freiheit lassen muss, weil sie sonst stirbt. Liebe ist das Gegenteil von Gewalt. Das ist das Tragische an der Liebe: Sie erscheint vor der Gewalt machtlos.

Die ganz andere Macht der Liebe

Im Musical „Jesus Christ Superstar“ hat der Texter Tim Rice diese Wahrheit in einfache Worte gepackt. Er lässt Jesus beim Blick auf die Stadt Jerusalem singen: „Weder du, Simon, noch ihr Römer und Juden, noch Judas, noch ihr zwölf Jünger, noch ihr Priester und Schriftgelehrten, noch du, armes Jerusalem, habt etwas verstanden. Ihr habt keine Ahnung, was Macht und Herrlichkeit sind. Um den Tod zu besiegen, musst du einfach nur sterben.“

Liebe erscheint vor der Gewalt machtlos. Aber ihre Macht ist von ganz anderer Art. Liebe kann die Gewalt überwinden, indem sie die Gewalt erträgt. Liebe kann den Tod überwinden, indem sie den Tod auf sich nimmt.

Der Predigttext für den heutigen Palmsonntag beschreibt diese andere Macht angesichts der Gewalt. Es ist ein Stück aus dem Buch des Propheten Jesaja, das Jesus mit Sicherheit gekannt hat.


Gott, der Herr, hat mir eine Zunge gegeben, wie Jünger sie haben. Er zeigt mir, was ich sagen soll, um die Müden zu ermutigen. Er weckt mich alle Morgen. Er weckt mir selbst das Ohr, damit ich höre, wie Jünger hören. Ich habe mich nicht gesträubt. Ich habe meinen Rücken hingehalten, wenn sie mich schlugen. Ich habe mich von ihnen beschimpfen lassen und mein Gesicht nicht bedeckt, als sie mich anspuckten. Aber der mächtige Gott steht auf meiner Seite. Deshalb habe ich mein Gesicht hart wie einen Kieselstein gemacht und halte alles aus. Ich weiß, dass ich nicht unterliegen werde. Alle, die mich beschuldigen, werden zerfallen wie ein Kleid, das zerfressen ist von Motten. (Jesaja 50, 4–9)

Wie Christen die Liebe verdunkelt haben

Das ist die Stärke der Liebe: Sie gibt nicht auf. Sie gibt sich hin. Auf lange Sicht ist das effektiver als Zwang, erfolgreicher als Kreuzzüge, besser als Unterdrückung, klüger als Gewalt. Warum aber lässt sich Religion trotzdem immer wieder auf die Gewalt ein? Warum wird aus der Botschaft der Liebe immer wieder der Ruf nach dem Gesetz? Warum wird die mystische Religion der Vereinigung immer wieder verdrängt von der moralischen Religion der Trennung?

Ich habe darauf eine Antwort gefunden. Aber sie ist erschreckend. Schon lange knabbere ich daran herum. Wieder war es der Theologe Eugen Biser, der mich ermutigt hat, sie auszusprechen. In einem langen Fernsehinterview, das er mit 89 Jahren gab, kam er auf das Thema zu sprechen:

Der Grund, dass die Mitte unseres Glaubens verdunkelt wird, ist ein falscher Umgang mit der Bibel. Immer wieder glauben Christen, die Bibel sei das Wort Gottes, von ihm selbst, indem er es Menschen Wort für Wort diktiert oder eingegeben hat, damit sie es aufschreiben. Damit aber wird aus einem Buch von der Liebe ein Gesetzbuch. Aus aufgeschriebenen Begegnungen mit Gott werden Verordnungen, aus mystischen Erfahrungen werden moralische Aufforderungen. Versteht man die Bibel als eine übernatürliche Botschaft, über die nicht diskutiert werden darf, können aus normalen menschlichen Sätzen unmenschliche Gesetze werden.

Immer wieder waren Menschen überzeugt, sie müssten wortwörtlich das tun, was sie in der Bibel gelesen haben. Mit kriegerischer Gewalt wurden Menschen zu Christen gemacht. Mit seelischer Gewalt wurde in ihr Leben eingegriffen. Es gibt eine lange Geschichte der Gewalt mit der Bibel in der Hand.

Ich erinnere mich an eine entsetzliche Auseinandersetzung vor vielen Jahren in bibeltreuen Kreisen. Eltern hatten ihre Kinder geschlagen, weil sie im Hebräerbrief gelesen hatten: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er. Er schlägt mit der Rute jeden Sohn, den er gern hat.“ Es war so klar, dass sie damit ihren Kindern unmenschliches Unrecht antaten. Das erkannten sogar einige der Täter, aber zugleich waren sie zutiefst überzeugt, den in der Bibel schwarz auf weiß offenbarten Willen Gottes zu erfüllen.

Letztes Jahr ist die Gemeinschaft der evangelischen Freikirchen fast zerbrochen an der Frage, ob bei ihnen Homosexuelle mitarbeiten dürfen. Denn in der Bibel steht, so betonten die Meinungsführer, dass gleichgeschlechtliche Liebe eine Sünde ist. Die Auseinandersetzung ist noch nicht vorbei, denn man traut sich nicht heran an den eigentlichen Grund: Die Bibel endlich aus diesem fürchterlichen Denkgefängnis zu befreien. Ein Gefängnis, in dem übrigens auch die Moslems stecken. Für sie ist der Koran eine wortwörtliche Offenbarung Allahs. Es kommt mir so vor, als hätte dieses islamische Verständnis in letzter Zeit noch einmal abgefärbt auf die Meinung über uns Christen. Ich erlebe, dass auch kirchenferne Menschen häufig überzeugt sind, alle Christen würden die Bibel für einen von Gott direkt diktierten Text halten.

Nein, sage ich dann, die Bibel ist von Menschen geschrieben. Von Menschen, die über ihre Erfahrungen mit Gott berichten. Die Bibel ist ein besonderes Buch, weil es besondere Erfahrungen von besonderen Menschen sind. Aber die Bibel ist ein menschliches Buch. Wir glauben an Jesus Christus, nicht an ein Buch.

Die Idee, dass die Bibel direkt von Gott zu uns gekommen ist und deshalb nicht über sie diskutiert werden darf, stammt von sonst woher, aber nicht aus der Bibel. Nirgends behauptet sie, Gottes Wort zu sein. Im Gegenteil: Bei der Zusammenstellung der Texte für das Neue Testament hat man bewusst vier verschiedene Berichte über das Leben Jesu aufgenommen und sie nicht auf einen einzigen zusammengestrichen. Damit deutlich wird: Lest das als von Menschen aufgeschriebene Erfahrungen. Da passt nicht immer alles zusammen. Dreht nicht jeden Buchstaben um, sondern erfasst den Geist, der hinter den Buchstaben steht. Lasst euch davon anrühren, nicht einengen.

Ich bin selbst in bibelgläubigen Kreisen groß geworden. Und ich erinnere mich noch gut an das befreiende Gefühl, als mein Religionslehrer und später die Dozenten an der Universität so ganz anders mit der Bibel umgegangen sind. Wir sollen unseren Verstand gebrauchen, wenn wir sie lesen. So wie Martin Luther vor dem Kaiser auf dem Reichstag in Worms deutlich gesagt hat: „Ich werde meine Thesen nicht widerrufen, wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde.“ Bibel und Vernunft, dieses wunderbare Paar macht den Weg frei für die Liebe, die Mitte unseres Glaubens, das verdunkelte Zentrum des Christentums.

Wie wäre es, Sie stehen auf und suchen bei sich nach einem Neuen Testament? Ein schöner Anfang, die Bibel auf menschliche, vernünftige Art zu lesen, wäre die Schlussmusik von „Jesus Christ Superstar“. Dieses Instrumentalstück nach dem letzten Atemzug Jesu am Kreuz trägt den geheimnisvollen Titel „Johannes 19, 41“. Gemeint ist das Evangelium des Johannes, Kapitel 19, Vers 41. Wenn Sie neugierig geworden sind, was da steht, ist das ein gutes Zeichen. Denn Neugier ist eine Leistung menschlicher Vernunft. Und bitte lesen Sie nicht nur diesen einen Vers, sondern lesen Sie weiter. Sie finden nach Johannes 19, 41 einige der anrührendsten Geschichten der Bibel.

Evangelische Morgenfeier vom 25.03.2018 (Palmsonntag) mit Pfarrer Werner Küstenmacher, Gröbenzell, Thema: Gewalt

Das PDF mit dem vollständigen Text kann beim BR heruntergeladen werden unter diesem Link.

 

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema: