18.07.2017
Spiritualität

Pfarrer Andreas Ebert - Spiritualität an der Lukaskirche München

Nach über 13 Jahren als Leiter des Spirituellen Zentrums St. Martin in München geht Pfarrer Andreas Ebert (65) Ende Juli in den Ruhestand.
»In der Kirche darf es kein drinnen und draußen geben, das ist kein exklusiver Kreis«: Der Münchner Pfarrer Andreas Ebert.

 

München ist so etwas wie die Hauptstadt der Esoterik in Deutschland, mit Esoterikmessen, speziellen Buchhandlungen und vielfältigen Meditationsangeboten. Man wollte dieser Szene nicht das Wasser abgraben, als vor 13 Jahren das Spirituelle Zentrum St. Martin am Münchner Glockenbach entstand. »Das Spirituelle Zentrum wurde damals gegründet, weil das Haus Altenburg im Mangfalltal schließen musste«, erinnert sich Andreas Ebert.

Der damalige Pfarrer an der Münchner Lukaskirche träumte davon, in der Filialkapelle an der Arndtstraße einen Treffpunkt für spirituell interessierte Menschen zu machen. Er entwickelte ein Konzept »Meditation in der Stadt« und gab es weiter an Freunde, abseits des kirchlichen Dienstwegs, und weckte damit Begeisterung. Von Beginn an ging es darum, geistliche Übungen aus der christlichen Praxis wiederzuentdecken, die verschüttet waren, zum Beispiel die kontemplative Praxis der Wüstenmönche, die in der Kirche an den Rand gedrängt waren, oder das Herzensgebet der Ostkirche.

Das Spirituelle Zentrum war zu Beginn ein Versuchsballon der Landeskirche, nach 13 Jahren Betrieb und dem Segen der Landessynode ist es eine Institution mit einer festen Planstelle. »Viele Suchende haben hier neuen Halt gefunden«, erzählt Ebert. »Ich sehe vor mir die Gesichter vieler Menschen, die in den letzten Jahren nach St. Martin gekommen sind. Die meisten durchaus distanziert zur Kirche, aber mit Sehnsucht im Gepäck.«

»Gott in allem suchen und finden«

Dahinter stand letztlich immer eine spirituelle Suche nach Gott in der eigenen Seele und in der Welt, ist sich Ebert sicher. »Viele haben eine längere Reise hinter sich und entdecken hier ihre Wurzeln wieder.« Und das nicht nur bei Meditation oder Herzensgebet, sondern auch bei den Straßenexerzitien, bei denen es darum geht, Gott auf der Straße zu entdecken. »Gott in allem suchen und finden« ist das Motto dieser Übung.

Zu den Höhepunkten der 13 Jahre an St. Martin gehört für ihn das internationale Symposium zum Herzensgebet im Jahr 2015 mit Christen aus aller Welt, das Männerwochenende mit seinem Freund und Co-Autor Richard Rohr aus den USA. Dann waren es aber vor allem die vielen Einzelbegleitungen von Menschen, die in St. Martin angedockt haben, darunter auch Prominente aus dem Kulturbereich, Künstler, Filmemacher und eine Kabarettistin.

Obwohl Ebert in den letzen Jahren ein Leitungsamt hatte, war ihm eine Kirchenkarriere immer unwichtig. Als »Jesus-Fan« habe er immer den missionarischen Ehrgeiz gehabt, Menschen zu Jesus zu führen. »Wie der biblische Andreas, der Petrus zu Jesus führte«, merkt er schmunzelnd an. An Jesus gefällt ihm vor allem, dass er immer wieder Grenzen überschritten hat und mit Sündern und Zöllnern verkehrt hat. »In der Kirche darf es deshalb kein drinnen und draußen geben«, ist er sich sicher, »das ist kein exklusiver Kreis.«

»Ausschluss vom Abendmahl ist antijesuanisch«

Folgerichtig hat Ebert in seinen Gottesdiensten immer alle zum Abendmahl eingeladen, die die Sehnsucht danach verspüren, mit Jesus Gemeinschaft zu haben, unabhängig von Bekenntnis oder Taufe. »Die Jünger waren schließlich auch nicht getauft«, sagt er. Die Einladung zum Abendmahl ist für ihn deshalb auch der Anfang, nicht das Ende. Und der Ausschluss von dieser Gemeinschaft, das nennt er antijesuanisch.

Dann hatte Ebert noch das Amt des Beauftragten für Geistliche Übungen in Südbayern inne, in dieser Funktion besuchte er Pfarrkonvente und gab Pilotkurse in christlicher Meditation. Das war notwendig, weil die großen Kommunitäten ihre Stammhäuser in Nordbayern haben und sich schon vor Jahren aus den südbayerischen Großstädten zurückgezogen haben.

Ebert ging es darum, die Akzeptanz für die meditativen Übungswege zu fördern. »Da ist noch Luft nach oben«, bilanziert er. Sein Wunsch ist, dass spirituelle Übungen künftig bereits im Theologiestudium und im Vikariat praktiziert werden. Zu der viel beschworenen spirituellen Kompetenz gehört für ihn, dass Pfarrer geistliche Übungen leiten können.

Sein Wunsch an die Gemeinschaft in St. Martin: »Bleibt im Hören, nehmt euch täglich Zeit für Gott, lauscht eurem Atem, haltet die eigene Unruhe aus, die aufkommt, wenn wir still werden.«

 

BÜCHER von Andreas Ebert gibt es beim Münchner Claudius Verlag: www.claudius.de

 

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