Synodale
Der Synodale Martin Knodt will den Prozess "Profil und Konzentration" voranbringen.
Synodaler Martin Knodt
Synodaler Martin Knodt

Was tun, wenn die Menschen aus der Kirche austreten? Der Synodale Martin Knodt äußert sich im Sonntagsblatt-Interview zum Thema Kirchenbindung - und spricht über seinen persönlichen Glauben.

Was möchten Sie in den nächsten sechs Jahren mit der Synode erreichen?

Mit Sorge beobachte ich die immer größer werdende Anzahl der Menschen, die aus der Kirche austreten. Deshalb möchte ich das Thema Kirchenbindung voranbringen. Dabei geht es mir nicht nur um Kirchenmitgliedschaft, sondern darum, dass die Menschen sich an den Herrn der Kirche – Jesus Christus – binden, ihn vertrauen und seine Hilfe in jeder Lebenslage erfahren.

Welche Themen möchten Sie in der Landessynode besonders unterstützen bzw. fördern?

Als Mitglied im Finanzausschuss möchte ich dazu beitragen, dass der Prozess Profil und Konzentration auch bei Finanzen weiterhin umgesetzt wird. Als Kirche werden wir uns nicht mehr alles leisten können. Dabei ist gute Haushalterschaft wichtig, die dort das Geld ausgibt, wo es nötig ist und gleichzeitig darauf vertraut, dass Gott auch der Kirche ihr täglich Brot gibt.

Was reizt Sie am Amt des Synodalen?

Ich empfinde das Amt des Synodalen als großen Vertrauensbeweis. Es reizt mich, die unterschiedlichen Akteure der Kirchenleitung zu erleben und gleichzeitig (wenn auch kleiner) Teil der Leitung der Evangelischen Kirche in Bayern zu sein. Ich will dort, wo ich stehe, meine Verantwortung wahrnehmen und mit Gottes Hilfe meinen Beitrag zu einer lebendigen Kirche Jesu Christi leisten.

Welche Themen bewegen Sie persönlich und warum?

Bedingt durch den Tod meiner schwerstbehinderten Schwester und durch das Begleiten meiner immer gebrechlicher werdenden Eltern und Schwiegereltern beschäftigt mich das Thema Sterben. Ich erlebe, wie es immer wieder einen gangbaren Weg gibt, selbst in Situationen, die zunächst aussichtslos und leidvoll erscheinen. Auch im Hinblick auf das zurzeit aktuelle Thema assistierter Suizid erscheint es mir wichtig, das Gott uns nicht mehr zumutet als wir tragen können, unsere Zeit in seinen Händen liegt und er uns ans Ziel führt.

Gleichzeitig freue ich mich daran, vor kurzem Opa geworden zu sein und bestaune das neue, wunderbare Leben. Es ist für mich ein Vertrauensbeweis, dass Gott die Menschheit nicht aufgibt uns seine Gnade jeden Morgen neu ist.

Wie engagieren Sie sich in Ihrer Gemeinde vor Ort? Woran arbeiten Sie gerade im Kirchenvorstand?

Zusammen mit meiner Frau leite ich einen offenen Gesprächskreis, in den wir singen, beten und uns über Gott und die Welt austauschen. Dabei erleben wir immer wieder Jesu Zuspruch und Trost in den Fragen, die uns beschäftigen.

Im Kirchenvorstand beschäftigte uns stark, wie das kirchliche Leben in der Coronazeit weitergelebt werden kann. Wir freuen uns über jeden Schritt, der uns zurück zu Begegnung und Normalität führt.

Woran mangelt es in der Organisation Kirche am meisten?

Ich habe den Eindruck, dass wir uns zu viel mit der Organisation der Kirche beschäftigen. Nicht Strukturfragen sollen immer bestimmend sein, sondern wie wir die frohe Botschaft des Evangeliums zu den Menschen tragen. Es ist wichtig, dass wir aus unserer kirchlichen Blase rauskommen und die Menschen, mit denen wir täglich in der Arbeit oder in der Nachbarschaft zusammen sind, wahrnehmen und an ihrem Leben Anteil nehmen.

Wie bewerten Sie das Thema "Digitalisierung" im Bereich von Kirche und Diakonie?

Die Digitalisierung ist eine gute Dienerin, wenn es darum geht, Abläufe zu optimieren und online schnell und einfach zu kommunizieren. Sie sollte uns jedoch nicht beherrschen. Corona hat gezeigt, dass Zoom-Meetings die Präsenz nicht immer ersetzen können. Andererseits muss die Kirche ihren Raum auch in der digitalen Welt einnehmen, weil diese Welt für die Menschen immer bedeutender wird.

Wie schätzen Sie die Zukunft der Kirchen ein: Wo stehen wir in zehn Jahren?

Ich bin zuversichtlich, dass Jesus mit seiner Kirche weitergeht und das vollendet, was er begonnen hat. Wo wir in zehn Jahren stehen, weiß ich nicht. Was die kirchliche Zukunftsplanung betrifft, so gilt es handlungsfähig zu bleiben und eine geistliche Antwort auf die zukünftige Stellung der Kirche in der Welt zu finden.

Wie leben Sie ihren Glauben?

Ich schöpfe viel Kraft und Orientierung aus der täglichen Bibellese und dem Gebet. Der Austausch mit anderen über biblische Fragen und die sich daraus ergebende Relevanz für den Alltag erfrischt mich. Das Feiern des Gottesdienstes durch das Kirchenjahr hindurch mit den schönen christlichen Festen gibt meinem Leben Struktur und Ziel. Auch finde ich es spannend, meinen Glauben im Alltag zu Leben und mit meinen Mitmenschen zu teilen.

Weitere Artikel zum Thema:

„Sonntags“ – Der kompakte Überblick

Starten Sie mit unserem Newsletter in die Woche.

 
Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.*