18.12.2018
Kunst und Mond

Anna McCarthy: Der Mann im Mond

Künstlerin trifft Mann im Mond: Ein Interview. Heute zu gewinnen: Ein Thema-Magazin über den "Mond".
Anna McCarthy Mann im Mond
Anna McCarthy, Fat Moon Fairytale, video, film still, 2018.

Die 37-jährige Künstlerin Anna McCarthy studierte Kunst in München und Glasgow. Mit Installationen, Zeichnungen und Performance-Auftritten reflektiert sie humorvoll und subversiv das politische und gesellschaftliche Leben. 2018 entstand ihr Werkzyklus „Man in the Moon (and she likes it)“.

Was fasziniert dich am Mond?

In vielen Geschichten hat der Mond eine Sündenbock-Funktion für die Menschen, oft geht um Raucher, Trinker oder Verbrecher. Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema Sündenbock und sehe Bezüge zu den heutigen Geflüchtete ebenso wie zu alten Geschichten über „Nixen“ oder „Hexen“. Ich wollte den Mond als etwas zuerst harmlos Erscheinendes nehmen und einen Bogen schlagen zu aktuellen gesellschaftlich-politischen Themen.

Was kann uns der Mond geben – in einer städtischen Umgebung, in der kaum noch jemand die Dunkelheit kennt?

Begonnen habe ich im Februar 2018, als es keinen Vollmond gab (der sich in den Januar und in den März verschoben hat). Dies geschieht etwa nur alle 20 Jahre. In meinem Video „FatMoon Fairytale“ erzähle ich von einer Prinzessin, die ihren „FatMoon“ (den Vollmond) so vermisst, das sie auf Weltreise geht, um ihn zu finden. In Jaipur wird sie schliesslich fündig: Die Sonne zeigt ihr „Erinnerungen“ von Menschen aus aller Welt, von der Antarktis bis Indien. Über diese Erinnerungen erfährt die Prinzessin, dass der Mond sich nur auf einer Kur befindet.

Wie arbeitest du an einem solchen Themenzyklus?

Ausgangspunkt für diesen Zyklus bildeten sexuelle Erfahrungen, die ich vergangenen Sommer im Wald bei Mondenschein hatte. Zu diesen einprägsamen, in blau-getauchten Bilder schrieb ich Lieder für meine Band „Moon not war“, gemischt mit Zitaten aus Walt Whitman’s „Look Down Fair Moon“ und aus der „Zauberflöte“. Dann stieß ich zufällig auf das Buch „ Moon Lore“ (1885) von Reverend Timothy Harley, der weltweite Parallelen von Legenden und Mythen zum „Mann in dem Mond“ zieht. Das fand ich einen spannenden Ansatz, um persönliche Geschichten und globale Themen anzusprechen. So kam eins zum anderen, wie so oft.

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Du bist viel gereist – verändert sich dabei das Gefühl für die Nacht und den Mond?

Ja, ich denke dass das Reisen definitiv mit reinspielt hat. Mit dem Mond-Thema hab ich viele Geschichten aus aller Welt erzählt bekommen. Die „Erinnerungen“ an den Vollmond sind Handy- und Videoaufnahmen, zu denen ich öffentlich aufgerufen habe. Etwa 20 Personen haben mir ihre Aufnahmen vom Vollmond geschickt und persönliche Geschichten erzählt. Das war sehr rührend.

Dein Werk hat viel mit mythischen und religiösen Themen zu tun – u.a. hast du die Damentoilette im Valentin-Karlstadt-Musäum in München mal zu einer Kapelle umgestaltet. Wie erklärst du das?

Das ist für mich wirklich eine interessante Frage, da ich selber wirklich gar nicht religiös bin. Meine Eltern haben mich nicht getauft. Ich hatte zwar eine kurze religiöse Phase mit acht Jahren, aber das hatte soziale Gründe. Mich hat am meisten das Vorlesen vor der Gemeinde und das Kreuztragen fasziniert (was ich immer noch mache in abgewandelter Form, durch Prozessionen wie zuletzt bei der symbolischen Besetzung des Olympiastadions). Mich interessiert die Form und Ästhetik und das Rituelle in der Religion. Meiner Meinung kann aber jeder diese Rituale selber erfinden und so ausführen wie er möchte, dafür braucht es nicht unbedingt eine Kirche.

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