19.07.2009
Weltraum

Was Mondmissionen mit Religion zu tun haben

Am 21. Juli 1969 betraten die amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin den Mond. Erstmals setzten Menschen ihren Fuß auf einen anderen Himmelskörper. Im Vordergrund standen dabei die technischen Leistungen und der wissenschaftliche Ertrag. Doch es gab auch eine religiöse Dimension der Mondmissionen.
Mond Apollo 11

Apollo beendete den Weltraum-Wettlauf der Supermächte USA und UdSSR. Zwischen 1969 und 1972 brachte die NASA bei sechs Landungen zwölf US-Astronauten auf den Mond und unversehrt wieder zurück. Neun von ihnen leben noch. 1972 wurde das Projekt mit seinen Gesamtkosten von damals 25 Milliarden US-Dollar wegen ständig steigender Ausgaben für den Vietnamkrieg eingestellt.

Zur wissenschaftlichen Ausbeute gehörten 480 Kilo Mondgestein. Nach eingehender Untersuchung gilt als gesichert, dass der Mond vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstand und mit ihm wahrscheinlich auch die Sonne, die Erde und die anderen Planeten.

Mondmission mit religiöser Dimension

Die Frage nach der Entstehung des Alls gehörte aber auch von Anfang an zur "religiösen Begleitmusik" der Mondflüge. Der britische Autor Andrew Smith kam sogar zu dem Schluss, dass es innerhalb des Apollo-Programms eigentlich zwei Programme gegeben habe: ein offizielles, bei dem technische Neuerungen, wissenschaftliche Erkenntnis, das Fliegen und der Sieg über die Sowjetunion im Vordergrund stand, sowie ein "inoffizielles, fast heimliches, in dem es um die Menschen und ihren Platz im Universum ging, um Bewusstsein, Gott, Geist und Leben".

Die rund 400 Astronauten und Kosmonauten, die seit dem ersten Raumflug des Russen Juri Gagarin am 12. April 1961 im "erdnahen" Weltraum unterwegs waren, hatten ihren Heimatplaneten stets in Sichtweite. Die Apollo-Besatzungen dagegen verloren diesen Kontakt auf ihrer 385.000 Kilometer langen Reise zum Mond zeitweise völlig. Dort angekommen, sahen sie die Erde in einer Größe am Firmament aufsteigen, die sie mit einer Handfläche abdecken konnten.

Vor allem beim Durchfliegen der dunklen Seite des Mondes befiel manche Astronauten extreme Einsamkeit und Furcht. Hier gab es auch keine Funkverbindung zur Erde mehr. Andere, die auf der zerklüfteten, gleißend hellen Mondoberfläche standen, beschrieben Gefühle der Ekstase, des Einklangs mit dem Universum und eines tiefen Seelenfriedens. Auch von mystischen Erlebnissen wurde berichtet, einem im Weltall an der Apollo-Kapsel vorbei treibenden Gegenstand, der wie ein "geöffnetes Buch" ausgesehen haben soll.

Kritik an weltanschaulicher Neutralität der NASA

Zur Vorbereitung späterer Landemanöver umrundeten am 24. Dezember 1968 erstmals drei Astronauten den Mond. Der Flug von Apollo 8 blieb vielen Amerikanern vor allem deshalb in Erinnerung, weil der Astronaut Bill Anders zur besten Sendezeit aus der biblischen Schöpfungsgeschichte vorlas: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde…und Gott sah, dass es gut war…Fröhliche Weihnachten und Gott segne euch alle - euch alle auf der guten Erde".

Kritiker forderten daraufhin die NASA als Regierungsbehörde zu weltanschaulicher Neutralität auf. Ihre Astronauten dürfen seither keine Bibeln mehr mit ins Weltall nehmen oder religiöse Botschaften übermitteln. Den Apollo 15-Piloten James B. Irwin hinderte dies jedoch nicht daran, im Jahr 1971 auf dem Mond im Funkverkehr mit dem Kontrollzentrum aus dem 121 Psalm zu zitieren: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von IHM" - um dann schnell hinzuzufügen: "Aber von Houston kriegen wir natürlich auch eine ganze Menge".

Viele Astronauten waren religiös

Der einst schnellste Pilot der US-Air-Force wurde unter dem Eindruck seines Mondaufenthalts zu einem tiefgläubigen Christen. Er verließ 1972 die NASA, gründete die evangelistisch-diakonische "High Flight-Stiftung" und ging als Prediger weltweit auf Reisen. "Es ist wichtiger, dass Jesus Christus seinen Fuß auf die Erde setzte, als der Mensch den Seinen auf den Mond" lautete sein Credo. "Auf dem Mond wurde mir die unermeßliche Macht Gottes und seines Sohnes kristallklar", sagte er. "Auf dem Mond fühlte ich die überwältigende Präsenz Gottes. Ich spürte seinen Geist viel näher als ich das je auf Erden gefühlt habe, unmittelbar neben mir - es war umwerfend."

In den 80er Jahren galt sein Ehrgeiz der Auffindung von Noahs Arche. Irwin hat drei Expeditionen auf den Berg Ararat in die Türkei geleitet. Er fand eine Inschrift auf einem Felsen und entdeckte in der Ferne Holzteile, die in der Eiskappe des Berges stecken. Für Irwin war es sicher, dass die Arche existiert, so klar, wie es den Mond gibt.

Der Liedermacher Siegfried Fietz komponierte eine "Space Symphonie" für Irwin und begleitete ihn damit auf mehreren Tourneen. Irwin, der seit seinem Mondflug Herzprobleme hatte, starb 1991 während einer Vortragsreise in Colorado an den Folgen eines Herzinfarkts. In seinen letzten Worten bat er seinen anwesenden "Bruder" aus Deutschland, die "Pilgerreise" fortzusetzen.

Leben nach der Mondfahrt

Was machen wir danach? Vor dieser Frage standen alle zurückgekehrten Mondfahrer. Einige von ihnen schafften es auf einflussreiche Posten in Wirtschaft und Politik. Andere verloren den Boden unter den Füßen. Als Helden verehrt, mit Kultstatus versehen, scheiterten sie am Erwartungsdruck der Öffentlichkeit, kamen mit ihrem Familienleben nicht mehr zu recht oder gerieten in finanzielle Schwierigkeiten.

Aldrin verfiel dem Alkohol und hatte Depressionen. Armstrong zog sich völlig zurück und wurde zum Einzelgänger. Alan Bean verarbeitete seine Erlebnisse als Maler von "Mondlandungskitsch" und Edgar Mitchell spricht von Offenbarungserlebnissen auf dem Mond, beschäftigt sich mit "Quantenholographie" und glaubt an die Existenz von Ufos. Charles Duke, zeitweise Bierverkäufer, bekehrte sich mit seiner Frau zu Jesus Christus und rettete damit nach eigenen Worten seine Ehe.
 

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