Wenn Veit Kutzer über Musik spricht, tut er das mit einer Mischung aus fränkischer Bodenständigkeit, Selbstironie und erstaunlicher Tiefe. Seit 1989 ist er Gründungsmitglied, Sänger, Gitarrist und zentraler Texter der Fun-Metal-Band J.B.O. – einer Band, die sich bewusst für Humor im Heavy Metal entschieden hat und diesen Anspruch in dieser Besetzung seit 25 Jahren konsequent lebt. Mit dem inzwischen 15. Studioalbum "Haus of the Rising Fun" beweist Kutzer einmal mehr, dass Lachen eine hochkonzentrierte Form von Kunst sein kann.
"Lustig zu sein ist eine ernste Angelegenheit", sagt Kutzer – und bringt damit auf den Punkt, wie viel Arbeit hinter scheinbar leichtfüßigen Texten steckt. Humor funktioniere nicht nebenbei: "Wenn du die Leute zum Weinen bringst, bist du ein großer Künstler. Bringst du sie zum Lachen, bist du der Blödelrocker." Doch mit dieser Zuschreibung hat er längst Frieden geschlossen. Gerade Comedy im Metal verlange Präzision, Timing und musikalisches Können. Parodien wie "Woke on the Smater" – eine Neuinterpretation von Deep Purples "Smoke on the Water" – seien keine bloßen Textumdrehungen, sondern "neue Songs mit eigener Dramaturgie", die bewusst so arrangiert werden, dass sie juristisch wie künstlerisch Bestand haben.
Metal war die erste Liebe
Die Herausforderung besteht darin, dass die Musik am Ende "luftig" und "fröhlich" klingen muss; die harte Arbeit, die in den Arrangements und der Textdichtung steckt, soll für den Hörer unsichtbar bleiben, damit das Ergebnis nicht "bemüht" wirkt. Besonders deutlich wird dieser Anspruch bei komplexen Projekten wie dem Song "Metal was my first love", einer nahezu originalgetreuen Adaption des John Miles-Klassikers "Music", bei dem ein komplettes Orchesterarrangement auf nur zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug umgeschrieben wurde – eine Aufgabe, auf die Kutzer sichtlich stolz ist. Er und sein Bandkollege Hannes "G.Laber." Holzmann arbeiten akribisch an den Songs, da sie nicht nur den Anspruch haben, dass es dem Publikum gefällt, sondern dass sie selbst beim Spielen und Hören Freude an der Qualität ihrer Arbeit haben.
Was Kutzer heute besonders stolz macht, ist die Nachhaltigkeit von J.B.O. "Unser größter Erfolg ist, dass es uns nach 37 Jahren immer noch gibt." Auf Konzerten erlebt er, wie mehrere Generationen zusammenkommen: Fans, die J.B.O. seit den Neunzigern hören, stehen neben Kindern und Enkeln. "Jüngere Leute sagen mir: Mein Vater hat euch immer gehört." Diese Rückmeldungen berühren ihn sichtbar – sie zeigen, dass Humor nicht oberflächlich ist, sondern Menschen langfristig begleiten kann. "Da merke ich, dass das, was wir machen, vielen wirklich etwas bedeutet."
Musik machen als ein Geschenk
Für Kutzer ist Musikmachen kein Job im klassischen Sinn, sondern ein Privileg. "Es geht nicht besser", sagt er über das Zusammenspiel aus Live-Konzerten, Fanbegegnungen und kreativem Arbeiten. Musik sei für ihn Ausgleich, Beruf und Lebensform zugleich. Besonders live entstehe etwas Einzigartiges: "Du machst mit den Leuten gemeinsam Spaß – das ist wahnsinnig toll." Dass er davon leben kann, empfindet er nach wie vor als Geschenk.
Neben J.B.O. engagierte sich Kutzer jahrelang ehrenamtlich im Erlanger Verein "Klassikkultur", wo er als Projektleiter Konzerte organisierte. Dabei brachte er seine Erfahrung aus der Rock- und Metalszene ein – und lernte selbst viel dazu: über Organisation, Stadtpolitik, kurze Wege und kulturelle Netzwerke. "Es war sehr viel Arbeit für sehr wenig Geld – aber es hat mir Spaß gemacht." Die Verantwortung für die Konzerte am Dechsendorfer Weiher liegt künftig beim Verein "gVe Erlangen", was Kutzer die Möglichkeit gibt, sich wieder stärker auf seine Band zu konzentrieren.
Stress mit Rammstein und James Last
J.B.O. haben früh gelernt, dass Humor auch juristische Konsequenzen haben kann. Die Band geriet in Konflikt mit Rammstein, nachdem sie ihre eigene Version von "Ein bisschen Frieden" veröffentlicht hatte – inklusive musikalischer Anspielungen auf Rammstein. Eine Unterlassungserklärung folgte, obwohl der Kontakt zu den Musikern selbst entspannt war: "Das kam vom Management, nicht von der Band."
Noch früher hatte sich der inzwischen 2015 verstorbene Bandleader James Last gerichtlich gegen die ursprüngliche Bedeutung des Bandnamens gewehrt: J.B.O. stand einst für "James Blast Orchester". Rückblickend sagt Kutzer nüchtern: "Im Nachhinein war das die beste Werbekampagne, die wir je hatten."
Zur Frage nach Grenzen der Kunstfreiheit zeigt sich Kutzer reflektiert. Ja, die Gesellschaft habe sich verändert, und ja, Menschen reagierten heute schneller und emotionaler – vor allem online. "Man darf alles sagen, muss aber mit Konsequenzen rechnen." Empfindlichkeit sei weniger neu als sichtbarer geworden, weil soziale Medien Reaktionen beschleunigen. Für J.B.O. bedeutet das: bewusster mit Sprache umgehen, ohne sich selbst zu zensieren.
"Happy Places" in unruhigen Zeiten
Das aktuelle Album versteht Kutzer als Einladung in einen imaginären Zufluchtsort. Das titelgebende "Haus of the Rising Fun" beschreibt einen "Happy Place", einen geistigen Rückzugsraum, der gerade in schwierigen Zeiten wichtig sei. "Wenn alles nur noch scheiße ist und du keinen Ort mehr hast, wo du dich wohlfühlst, dann macht das Leben keinen Spaß mehr."
Songs wie "Bussi" spielen bewusst mit Assoziationen zu Rammsteins "Pussy", bleiben aber eigenständig. "Weißt schon, was ich meine?" wiederum ist eine inhaltlich leere, pathetisch klingende Textcollage – ein Spiegel für all jene, "die sich hinter großen Worten verstecken, ohne etwas zu sagen". Humor wird hier zur kritischen Waffe. In "Stinkefinger" will die Band all jenen einen "Spiegel vorhalten", die sich hinter hohlen Phrasen und einer pseudorebellischen Attitüde verstecken, nur um das Publikum zum Mitgrölen zu bewegen.
Trotz aller Ironie fühlt sich Kutzer seinen Fans zutiefst verpflichtet. J.B.O. spielen Humor "auf hohem Niveau", ohne sich über ihr Publikum zu stellen. "Wir kochen auch nur mit Wasser." Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis ihres Erfolgs: reflektierter Klamauk, musikalische Präzision und ehrliche Dankbarkeit.
Mehr über die Band, Tourdaten und Musik gibt es unter hier.