Bernadette Schrama könnte man als eine der Hebammen des ökumenischen Fernsehmagazins "Kirche in Bayern" bezeichnen. "Vor 25 Jahren kamen zwei Kollegen aus den Diözesen Passau und Regensburg zu mir und haben gefragt, ob wir mitmachen würden", erinnert sie sich. "Und irgendwie ist es dazu gekommen, dass diese Sendung bei uns in Würzburg produziert wird." So ist es geblieben. Schrama ist als Leiterin der Fernsehredaktion der Diözese Würzburg einerseits Zulieferin, aber auch eine der Moderatorinnen der Sendung, die immer sonntags auf den Regionalsendern in Bayern ausgestrahlt wird.
Am Anfang sei es gar nicht so leicht gewesen, das Programm der wöchentlichen Sendung mit Inhalten zu befüllen. "Damals waren die Diözesen und die evangelische Landeskirche noch nicht so gut aufgestellt, aber es gab viel Experimentierfreude." Dass man ökumenisch arbeiten will, sei immer klar gewesen. Und dass man großen Wert auf Professionalität legt. "Wir mussten ja auf einem Niveau sein, wo wir von den Sendern ernst genommen wurden, in deren Programm wir laufen", betont Schrama.
Beiträge aus den Lokalredaktionen
Insgesamt elf Gesellschafter stehen heute hinter dem Magazin. In deren Redaktionen entstehen jede Woche neue Fernsehbeiträge. "Es könnte keiner von uns allein", sagt Stefan Eß vom St. Michaelsbund in München, Vorsitzender der Gesellschafter. Seit 15 Jahren ist er für "Kirche in Bayern" beruflich verantwortlich. Er würde sich für die Zukunft wünschen, dass alle sieben bayerischen Diözesen mitmachen, denn Regensburg und Passau sind derzeit nicht dabei.
Von evangelischer Seite ist für ganz Bayern der Evangelische Presseverband (EPV) zuständig. Eine Besonderheit, denn von katholischer Seite gibt es viele Redaktionen, die an den jeweiligen Diözesen angedockt sind. "Es ist sehr schön, diesen regelmäßigen Sendeplatz zu haben", sagt Agnes Krafft, Chefredakteurin für das Evangelische Fernsehen beim EPV. Seit Ende 2024 moderiert sie die Sendung im Wechsel mit Bernadette Schrama. Beide mögen besonders, dass neben kirchlichen auch Service- und gesellschaftliche Themen aufgegriffen werden. "Wir haben mal über drei Sendungen hinweg einen Jugendlichen begleitet, der in einem Heim aufwächst. Oder ein Paar, das als Mann und Frau geheiratet hat, und jetzt als zwei Frauen zusammenlebt", erinnert sich Krafft.
100.000 Menschen schauen zu
Laut Funkanalyse Bayern erreicht das ökumenische Magazin jede Woche im Schnitt 100.000 Menschen. Ausgestrahlt wird es immer sonntags auf 15 lokalen Fernsehsendern über Kabel und Satellit. Dazu gehören Franken Fernsehen, München.tv oder Regio TV Schwaben. Allein über den bundesweiten Sender BibelTV schalten wöchentlich 30.000 Menschen ein. "Aktuell haben wir leider noch keine gemeinsame Sendezeit", sagt Eß. Jeder Sender entscheidet selbst, wann genau er die Sendung am Sonntag zeigt. Auch in den Mediatheken und auf der eigenen Sendungshomepage ist "Kirche in Bayern" abrufbar.
Finanziert wird die Sendung zur Hälfte von den Gesellschaftern, die andere Hälfte kommt als Produktionskostenzuschuss von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Diese Finanzierung sei derzeit gesichert. "Wir entwickeln das Magazin auch immer weiter, um förderwürdig zu sein", sagt Eß. So werden die Sendungen seit einigen Monaten in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.
Themenvielfalt und Qualität
"Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und die richtigen Themen aufspüren", findet Eß und schaut damit auch in die Zukunft des Magazins. Er legt großen Wert auf das gute Miteinander der verschiedenen Redaktionen. "Unser großer Vorteil ist, dass wir über Bayern verteilt sind und so die Themen vor Ort gut aufgreifen können."
In einem Festgottesdienst am Freitag (8. Mai) in Würzburg hat die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski "Kirche in Bayern" für ein "Vierteljahrhundert gelebte Ökumene" gelobt. Die Sendung stehe "für Dialog, für gegenseitigen Respekt zwischen den Konfessionen und für eine Kirche, die nah bei den Menschen ist". Die Kirche müsse in allen Medienformen aktiv sein und dorthin gehen oder senden, wo die Menschen sind.
So sieht es auch Bernadette Schrama. Die besondere Chance im Regionalfernsehen sei, dass Zuschauer auch mal über kirchliche Themen "stolpern", wenn sie nicht damit rechnen. Für die Kirchen wachse die Bedeutung von Medien ohnehin immer mehr, um Menschen überhaupt noch zu erreichen, sagt sie. "Damit wir auch die Bedeutung der christlichen Werte weiter tragen können."