Der Deutsche Evangelische Frauenbund (DEF), Landesverband Bayern, sieht in der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) sowohl große Herausforderungen als auch Chancen für Frauen. In einer aktuellen Stellungnahme warnt der Verband vor der Gefahr, dass bestehende Geschlechterungleichheiten durch KI verstärkt werden könnten – etwa durch diskriminierende Algorithmen oder den Verlust frauenspezifischer Arbeitsplätze.

"KI ist nicht neutral – sie wird von Menschen gemacht", so der Frauenbund. Nur 26 Prozent der Beschäftigten in KI-Berufen seien Frauen, was dazu führe, dass weibliche Perspektiven in der Entwicklung oft unterrepräsentiert seien. Der Verband fordert daher mehr Sichtbarkeit und Förderung von Frauen in technischen Berufen sowie eine diversitätsbewusste Gestaltung von Datensätzen und Algorithmen.

Besonders kritisch sieht der Verband die Auswirkungen von KI auf Meinungsbildung, Datenschutz und Arbeitsmarkt. So könnten etwa Desinformationskampagnen gezielt gegen Politikerinnen und Aktivistinnen eingesetzt werden. Auch die Gefahr von Deepfake-Pornografie und der Verlust von Büroarbeitsplätzen, in denen viele Frauen tätig sind, bereite Sorge.

Gleichzeitig betont der Verband die Potenziale von KI: Sie könne zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit beitragen, etwa durch objektivere Bewerbungsverfahren oder transparente Gehaltsanalysen. Auch im Ehrenamt und in der Unterstützung älterer Menschen biete KI neue Möglichkeiten.
Der DEF ruft dazu auf, KI-Kompetenz generationenübergreifend und geschlechtergerecht zu fördern.

"Wir setzen uns für eine ethische Nutzung von KI ein – auf Basis christlicher Werte wie Gerechtigkeit, Transparenz und Chancengleichheit", heißt es in der Stellungnahme.

Kommentare

Florian Meier am So, 13.07.2025 - 22:38 Link

Leider liegt hier ein prinzipielles Mißverständnis vor. KI ist qua Konstruktion ziemlich intransparent, weil man anders als bei einem physikalischen Modell keine kausale Kontrolle hat. Es werden zwar über die Auswahl der Trainingsdaten und die Zielgrößen schon gewisse Entscheidungen vorab getroffen, aber was die Technik dann anstellt ist nur bedingt nachvollziehbar. Es besteht sogar eine erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass sich die KI durch Selbstreferenz und Sabotage selbst "verdummt" gerade, wenn man sehr viele Daten aus allen möglichen Quellen relativ ungefiltert hinein gibt. Es ist im Übrigen zweifelhaft, dass Frauen arbeitsplatztechnisch besonders darunter leiden. Alle sozialen Berufe, Medizin und Jura können durch KI am wenigsten ersetzt sondern höchstens ergänzt werden und tendenziell nimmt bei uns die Qualifikation von Frauen relativ ohnehin deutlich zu. Gefährdet sind eher einfache technische Berufe oder künstlerische Tätigkeiten und die Formulierung einfacher Texte und da sind Frauen und Männer wahrscheinlich ziemlich gleich betroffen. Die klassische Sekretärin oder Verwaltungsangestellte wird wohl einige Veränderungen erleben, aber auch da ist die reine Tippserei ja nur ein Aspekt und Organisation und menschliches Geschick oft weit wichtiger. Insbesondere muss der ganze Kram am Ende überprüft und qualitätsgesichert werden. Der Übergang von der Schreibfeder zur Schreibmaschine und zum PC hat den Beruf auch nicht abgeschafft.