Ich bin 19 Jahre alt und habe vor drei Jahren, alle sozialen Medien von meinem Handy gelöscht. Damit habe mich ganz bewusst gegen den allgemeinen Trend gestellt – und weiß jetzt, dass das eine gute Entscheidung war. 

Aber von vorne. Anfang 2023, mit 16 Jahren, habe ich alle sozialen Medien von einem auf den anderen Tag von meinem Handy gelöscht. Genauer gesagt: Instagram, Tiktok, Snapchat und BeReal – alles sehr verbreitete Apps, die ich lange benutzt habe und auf denen auch die meisten meiner Freund:innen aktiv waren. 

Wenn man sich Zahlen zur Mediennutzung bei Jugendlichen anschaut, sieht man ganz deutlich, dass man ohne diese Apps eher ein Außenseiter ist. Und auch ich war in meiner Stufe die absolute Ausnahme.  

Gezielt auf bestimmte Apps verzichten

Das bedeutet nicht, dass ich gar keine sozialen Apps mehr habe, denn WhatsApp, YouTube und Streamingplattformen nutze ich weiterhin. Auch ich langweile mich ab und zu und kann der Verführung nicht widerstehen, zum Handy zu greifen. Mir ging es auch nicht primär darum meine Bildschirmzeit zu reduzieren, obwohl das auch damit einherging. Nein, ich wollte gezielt auf bestimmte Apps verzichten. 

Ich hatte nach der Nutzung von Tiktok und Instagram oft ein diffuses, schlechtes Gefühl. Ich hatte so viel Zeit damit verschwendet irgendwelchen Menschen bei irgendetwas zuzuschauen, das mich, wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich interessiert hat. Es war ein Zeitvertreib, eine Ablenkung. Immer wenn mir langweilig war, habe ich die Apps geöffnet und geschaut, was so gepostet wird. 

Und so wie es mir ging, geht es vielen. Statt zu lernen oder Hausaufgaben zu machen verbringt man die Zeit lieber mit rumscrollen und Videos schauen. Von dem was man sich da anschaut, merkt man sich fast nichts. Das ist auch gar nicht möglich, das Gehirn wäre dazu nicht in der Lage. Laut der DAK-Suchtstudie aus dem Jahr 2025 haben ein Viertel der Kinder und Jugendlichen ein problematisches Verhältnis zu Sozialen Medien. 

Und außerdem, auch wenn man das nicht gerne zugibt, ist es doch so, dass man sich auf solchen Apps ständig mit anderen vergleicht. Was machen die für einen tollen Urlaub, wer ist da mit wem zusammen unterwegs und wo bin ich gerade nicht dabei? Man fühlt sich ständig ausgeschlossen, allein und ist neidisch auf andere. Dieses Gefühl, umgangssprachlich auch FOMO (Fear of missing out, Anm. d. Verf.) genannt, tut einem nicht gut . So wollte ich mich ganz bewusst nicht fühlen. 

Plötzlich mehr Zeit für andere Dinge

Ich habe also beschlossen, dass ich meine Zeit sinnvoller nutzen möchte. Ich bin noch zur Schule gegangen und hatte mein Abi vor mir.  Ich hatte wieder mehr Spaß an meinen Hobbys, habe neue Sachen ausprobiert und viel Zeit in die Schule gesteckt, was mir spätestens beim Lernen fürs Abitur sehr zugute kam.  

Und auch das viele Vergleichen hat abgenommen. Wer wie viele Likes auf welches Bild bekommt, ist irrelevant geworden. Ich habe mich mehr auf mich selbst konzentriert und darauf, woran ich Spaß habe.

Was mir auffällt: Alle reden immer darüber, wie toll und diszipliniert es ist, auf soziale Medien zu verzichten, doch wirklich etwas an ihrem eigenen Verhalten ändern die wenigsten.  Die Angst etwas zu verpassen, überwiegt offenbar die Vernunft. Und das kann ich verstehen. Ich habe auch heute noch manchmal das Gefühl, dass ich etwas verpassen könnte.

Doch wenn ich eins nach der ganzen Zeit ohne Instagram, TikTok und Co sagen kann, dann ist es, dass ich nie etwas wirklich Relevantes verpasst habe. Es mag zwar sein, dass ich nicht jeden Trend mitbekomme, aber ist das daran so schlimm? Vieles will ich gar nicht mehr mitbekommen. Ich habe schlichtweg das Interesse daran verloren. 

Echter Kontakt statt Storys

Auch jetzt in der Zeit nach dem Abi, habe ich des Öfteren darüber nachgedacht, wie es wäre, von allen anderen über Instagram zu erfahren, was sie jetzt nach der Schule machen. Es ist eine Phase, in der jeder seinen eigenen Weg geht und viele Kontakte und Freundschaften auseinander gehen. Über soziale Medien bekommt man wenigstens noch ein bisschen mit, wo die anderen gerade stehen. Andererseits: Wenn mir Menschen wichtig sind und ich ihnen, dann schaffe ich es auch, in Kontakt zu bleiben. Dazu braucht es keine öffentliche Instagram-Story. Da kommt es zu Gesprächen und einem persönlichen, beidseitigen Austausch. 

Was mir sehr geholfen hat, ist, dass mein Freund den gleichen Schritt gegangen ist wie ich. Wir haben diese ganzen Apps gemeinsam am gleichen Tag gelöscht. So hatte ich zwar Angst etwas zu verpassen, aber ich wusste, er würde es mit mir verpassen und da erschien es mir schon nicht mehr so schlimm.  

Wir beide hatten bis heute nie wieder das ernsthafte Bedürfnis, diese Apps  herunterzuladen. Die Zeit, die ich vorher in Sozialen Medien verbracht habe, kann ich jetzt anders nutzen. Ich will damit nicht sagen, dass ich soziale Medien grundsätzlich schlecht finde. Ich glaube es stecken auch große Chancen darin. Aber ich als junge Nutzerin habe es damals nicht geschafft, diese Apps sinnvoll zu verwenden. Und wahrscheinlich geht es den meisten jungen Leuten so. Ich kann auf jeden Fall sagen: Es tut gut, eine Pause von der überfordernden Masse an Videos und Bildern zu nehmen. Mir hat es so gut getan, dass die Pause bis heute anhält.