Einsamkeit ist zu einem der großen sozialen Probleme unserer Zeit geworden. Besonders alarmierend: Nicht die Alten sind heute am stärksten betroffen, sondern oft die Jungen. Wer auf dem Schulhof oder in der Universität scheinbar von Hunderten Menschen umgeben ist, kann sich dennoch zutiefst allein fühlen – auch wenn er hundert Freunde auf Insta­gram hat. 

Dabei zeichnet sich ein bemerkenswertes Bild der jungen Generation ab. Eine aktuelle Sozialstudie der Universität Bielefeld beschreibt die Kinder und Jugendlichen aus der sogenannten Generation Alpha als ausgesprochen selbstbewusst. Die große Mehrheit hält sich für wertvoll, kompetent und mit guten Eigenschaften ausgestattet.

Überfordert von den Erwartungen der Eltern

Das klingt ermutigend. Doch dieselbe Studie zeigt die Kehrseite: Viele junge Menschen stehen unter enormem Leistungs-, Anpassungs- und Perfektionsdruck. Jeder Zweite hat häufig Angst, etwas falsch zu machen. Mehr als die Hälfte fühlt sich von den Erwartungen der Eltern überfordert.

Selbstbewusstsein und Verunsicherung schließen sich also keineswegs aus. Im Gegenteil: Wer ständig den Eindruck hat, erfolgreich, attraktiv und leistungsfähig sein zu müssen, erlebt oft gerade dann Einsamkeit, wenn die Fassade zu bröckeln beginnt.

Die sozialen Medien verstärken diesen Mechanismus. Man präsentiert Erfolge, Erlebnisse und Glücksmomente; Schwäche, Scheitern und Zweifel bleiben meist unsichtbar. Die Folge: Viele junge Menschen fühlen sich mit ihren Un­sicherheiten allein und denken, nur die anderen hätten ein gelingendes, glückliches Leben.

"Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei"

Tatsächlich wächst eine Generation heran, die ständig vernetzt ist und doch häufig keine tragfähigen Beziehungen erlebt. Viele Jugendliche wissen gar nicht, was eine tragfähige Gemeinschaft ist. Doch bevor die Kirchen zufrieden feststellen, dass sie die Lösung für das Problem besitzen, sollten sie sich einer unbequemen Frage stellen: Sind sie selbst wirklich Orte, an denen Einsamkeit überwunden wird? 

Dabei steckt im christlichen Glauben tatsächlich ein Gegenentwurf zur Einsamkeits­kultur unserer Zeit. Die Bibel beginnt mit der Erkenntnis: "Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei." Menschen sind auf Beziehung angelegt. Das Christentum versteht den Menschen nicht als Selbstopti­mierungsprojekt, sondern als Geschöpf, das im Gegenüber zu Gott und anderen Menschen lebt.