Online-Petitionen bringen doch sowieso nichts? Und wir Einzelnen können in Deutschland ohnehin nichts verändern? Yanni Gentsch beweist das Gegenteil. 

Denn sie hat es geschafft, dass aufgrund einer Petition auf innn.it nun eine Gesetzesänderung geprüft wird. Es geht um § 184 StGB, der bisher voyeuristische Aufnahmen nur dann erfasste, wenn nackte Körperteile sichtbar waren.

Das soll sich ändern: Künftig könnten auch Aufnahmen unter Strafe stehen, wenn Personen in völlig alltäglicher Kleidung gefilmt werden – zum Beispiel Frauen beim Sport. Außerdem soll nicht erst die Veröffentlichung solcher Aufnahmen strafbar sein, sondern bereits deren Aufnahme und Besitz. 

Beim Joggen von hinten gefilmt

Auslöser war ein Erlebnis, das Yanni Gentsch selbst in diesem Jahr hatte: Beim Joggen im Park bemerkte sie, dass ein Fahrradfahrer sie von hinten filmte. Sie stellte ihn mutig zur Rede, hielt das Gespräch fest (ohne sein Gesicht zu zeigen) und veröffentlichte das Video. Die sexistischen Aussagen des Mannes – etwa, sie sei selbst schuld, wenn sie sich "so anziehe" – sorgten für Empörung. Viele Frauen erkannten sich in der Situation wieder und schilderten ähnliche Erfahrungen. 

Als Gentsch bei der Polizei nachfragte, erfuhr sie: Solange nichts veröffentlicht wird oder keine nackte Haut zu sehen ist, könne man kaum etwas tun. Für Yanni war klar: Das ist eine Gesetzeslücke. 

Petition bekommt 137.000 Unterschriften

Sie startete eine Online-Petition – und über 137.000 Menschen unterschrieben. Damit erreichte sie, dass das Anliegen auf die politische Agenda kam. Aktuell wird im Bundesjustizministerium geprüft, ob das Strafgesetz zum Schutz vor Voyeur-Aufnahmen angepasst werden soll. Am heutigen Freitag beraten die Justizminister*innen darüber, ob der entsprechende Paragraf geändert wird. 

Diese Geschichte zeigt: Auf Missstände aufmerksam machen und sich engagieren kann sehr wohl etwas bewegen – im Kleinen, aber manchmal auch im ganz Großen. Und vielleicht sorgt dieses Engagement dafür, dass sich künftig alle Menschen – insbesondere Frauen – im öffentlichen Raum sicherer fühlen können.