6.11.2019
Kommentar

Warum private Silvester-Böllerei beschränkt werden sollte

Noch bevor der kommerzielle Rummel rund um die Jahreswende so richtig in Fahrt kommt, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rechtzeitig ein klassisches Aufreger-Thema lanciert: Für 98 Städte in Deutschland, darunter acht in Bayern, fordert die Organisation ein Verbot privater Silvester-Böllerei in Innenstädten. Ein Kommentar von Wolfgang Lammel.
Feuerwerk

Anfang der 1980er-Jahre wurde die Aktion "Brot für die Welt" erstmals mit dem Motto "Brot statt Böller" verknüpft – ein Slogan, der sich über kirchliche Kreise hinaus etabliert hat. Vorrangig auf Gesundheits- und Umweltschutz konzentriert sich eine aktuelle, von der DUH mitgetragene Online-Petition zum Feuerwerksverbot: Innerhalb kurzer Zeit kamen hier mehr als 100.000 Unterschriften zusammen. Und dann gibt es noch diejenigen, die jegliche Veränderung gewohnter Traditionen prinzipiell als Angriff auf die eigene persönliche Freiheit deuten und entsprechend gereizt reagieren – und sei es wider besseres Wissen.

Nun sollte man der DUH nicht unterstellen, ohne Not einen gesellschaftlichen Streit vom Zaun gebrochen zu haben.

Natürlich ist das private Silvesterfeuerwerk ein unverzichtbares Geschäft für die Spezialbranche der pyrotechnischen Industrie, auch wenn der weitaus größte Teil der Feuerwerkskörper in Fernost gefertigt wird. Jedes Jahr geben die Deutschen rund 130 Millionen Euro aus, um sie dann mit Funken, Fontänen und ordentlich "Wumms" in die Luft zu jagen. Der immaterielle Preis für den kurzen Spaß freilich ist nicht zu unterschätzen. Dabei geht es nicht nur um Köperverletzungen und Sachbeschädigungen als Folge eines leichtsinnigen oder mutwilligen Umgangs mit Böllern und Raketen. In einer Silvesternacht wird in Deutschland eine Menge Feinstaub in die Luft geblasen, die etwa dem Ausstoß des gesamten Straßenverkehrs in zwei Monaten entspricht: zwischen 4.500 und 5.000 Tonnen.

Großes öffentliches Feuerwerk

Es gibt also ausreichend gute Gründe, weshalb der Umgang von Privatpersonen mit solchen Mini-Sprengkörpern stärker eingeschränkt werden könnte als bisher; in der Umgebung historischer Gebäude ist er vielerorts ohnehin schon verboten.

Wäre es wirklich so unverzichtbar, die Zündschnur an einer Batterie mit 40 oder mehr Raketen anzuzünden und sich selbst und seine Nachbarschaft mit giftigem Qualm einzunebeln? Warum kein großes öffentliches Feuerwerk, das eine Stadt an geeigneter Stelle professionell veranstaltet und das die Umweltfolgen gering hält? Ein angemessenes Eintrittsgeld für das Spektakel dürfte deutlich niedriger ausfallen als der Kauf von Böllern und Raketen beim Discounter um die Ecke.

Für einen Glaubenskrieg ist ein ordentliches Feuerwerk doch wirklich viel zu schön.

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