Asyl
20 Jahre lang waren westliche Länder in Afghanistan präsent. Nach dem Abzug der US-Truppen hat es 20 Tage gedauert, bis die Taliban wieder die Herrschaft übernommen haben. Das stellt auch in Bayern ehren- und hauptamtliche Integrationshelfer vor ganz neue Herausforderungen. Zum Beispiel in Passau.
Ludwig Schmidlehner, der Vorsitzende der Integrationshilfe Passau e.V. versucht derzeit, die Schutzbefohlenen aus Afghanistan zu beruhigen und zu stabilisieren. Sie machen sich große Sorgen um ihre Angehörigen im Land, das gerade wieder von den Taliban übernommen wurde.

"Unsere afghanischen Schutzbefohlenen sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, wie es ihren Angehörigen daheim geht." Ludwig Schmidlehner, der Vorsitzende der Integrationshilfe Passau e.V. versucht seit Tagen, an Informationen zu kommen. Vergebens. "Alles was wir tun können ist, sie zu beruhigen und zu hoffen, dass wir bald mehr wissen". Aber weder der Flüchtlingsrat noch die Regierung weiß derzeit genau, was in Afghanistan passiert, seit die Taliban wieder an die Macht gekommen sind. 

Eigentlich ist es ja die Aufgabe der Integrationshilfe Passau e.V., den Migrant*innen hierzulande weiterzuhelfen. Sie vermitteln Deutschkurse, unterstützen bei Behörden, helfen bei Unterbringung, Ausbildung und Arbeitsplatz. Aber wenn die Sorgen groß sind, kommen die Schutzbefohlenen auch zu Ludwig Schmidlehner. 

Ich muss immer an sie denken

Zum Beispiel Hassan. Der junge Mann ist seit 2015 in Bayern, sollte demnächst abgeschoben werden, obwohl er eine Ausbildung als Pflegehelfer absolviert. Er macht sich große Sorgen um seine Eltern und die sieben Geschwister, von denen er seit Tagen nichts mehr gehört hat. Er gehört der Volksgruppe der Hazara an, eine schiitische Minderheit, die schon seit über hundert Jahren mehrmals Opfer von Massenmorden, Verfolgung und Unterdrückung wurde.

Nachdem die Taliban bereits 1998 Tausende von Hazara wie auch Tadschiken und Usbeken hingerichtet haben, droht den Menschen jetzt wieder größte Gefahr. Dass Hassan hilflos ist, nicht einmal mit Geld helfen kann, treibt ihn um. "Ich muss immer an sie denken und bin oft unkonzentriert, auch bei der Arbeit." 

Da kann es ihm in Bayern noch so gut gehen - er spricht gut Deutsch, dank eines Ehepaars, das sich sehr um ihm kümmert, hat er auch seinen Ausbildungsplatz gefunden. Er hofft sehr, dass zumindest sein Bruder, der zuletzt in der afghanischen Hauptstadt Kabul lebte, mittlerweile in Sicherheit ist. Für den Rest seiner Familie, die in dem Tal leben, wo die Buddha-Statuen von Baiyan standen, bevor sie von den Taliban gesprengt wurden, kann er zur Zeit nur beten.
 

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