Ich brauchte nicht einmal Google Maps, um zu wissen, dass ich am Ziel war. Stimmengewirr erfüllte die warme Luft. Als ich den Platz überblickte, sah ich eine lange Schlange junger Menschen. Einige hatten Taschen und Koffer dabei, andere standen mit Freunden zusammen. 

Am langen Tisch dahinter nahmen die Verantwortlichen die Anmeldungen entgegen. Verschiedenfarbige Armbänder lagen bereit, um die Teilnehmenden nach Altersgruppen einzuteilen. Überall herrschte Bewegung, und zwischen Gesprächen und Lachen war die Vorfreude auf das Wochenende spürbar.

Was ist die LCOY überhaupt?

Die Local Conference of Youth (LCOY) ist die lokale Ausgabe der internationalen Conference of Youth (COY). In Deutschland findet sie seit 2019 jährlich im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP) statt. Sie bringt junge Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammen, um sich über Klimaschutz auszutauschen und gemeinsam Ideen für eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln.

Was passiert auf der LCOY?

Das Programm umfasst Workshops zu ganz unterschiedlichen Themen. Sie dauern zwischen 45 und 180 Minuten und reichen von Fragerunden bis hin zu Planspielen. Einige finden auch auf Englisch statt. Das Programm beginnt meist gegen 11 Uhr, am Abend gibt es gemeinsame Aktivitäten.

Ich habe insgesamt fünf Workshops und Veranstaltungen besucht. In Luise Grahls Workshop "Klimapolitik vor Ort? Misch dich ein!" entwickelten wir in Gruppen Ideen für den Klimaschutz und überlegten in einem Planspiel, wie wir sie umsetzen könnten. Dazu mussten wir Anträge ausfüllen und unsere Ideen in einem einminütigen Pitch vorstellen. Außerdem war ich bei einer Live-Aufzeichnung von Luisa Gaffrons Podcast "Fun Facts" dabei, bei der das Publikum anschließend Fragen stellen konnte. Beim Science Slam präsentierten Dilara Balci, Lukas Biesen, Verena Schulze und Seggen Mikael Wissenschaft auf unterhaltsame Weise.

Wie wichtig der Austausch bei der LCOY ist, erklärte mir Daniel, der Social-Media-Beauftragte der Veranstaltung:

"Politik lebt von Austausch und die LCOY ermöglicht genau diesen Austausch." – Daniel, 23

Auch die anderen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, waren offen für einen Austausch über das Thema. Einige wollten mehr lernen, um das Gelernte später im Alltag, in ihrer Gemeinde oder im Ehrenamt anzuwenden.

Seit Greta Thunberg mit ihrem Schulstreik und der Fridays-for-Future-Bewegung ist die Klimakrise stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Mittlerweile habe ich jedoch manchmal das Gefühl, dass andere Krisen den Klimaschutz zunehmend in den Hintergrund drängen.

Nike, eine 18-jährige Teilnehmerin der LCOY, findet deshalb, dass der Klimaschutz mehr Aufmerksamkeit verdient:

"Die LCOY gibt dem Umweltschutz die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hat." – Nike, 18

Was hat mich beeindruckt?

Besonders beeindruckt hat mich ein Workshop von Luca Piwodda, dem Bürgermeister von Gartz (Oder), zum Thema "Klimaschutz und Demokratiestärkung auf kommunaler Ebene". Er erzählte von seinem Weg ins Bürgermeisteramt und beantwortete die Fragen des Publikums mit viel Geduld.

Anschließend sprach ich sowohl mit ihm als auch mit anderen Teilnehmenden. Sie hoben vor allem seine Energie und sein Engagement hervor. Mich persönlich inspirierte besonders, dass er sich in keiner bestehenden Partei wiedererkannte und deshalb eine eigene Partei gründete.

Aus dem Workshop nehme ich mit, wie wichtig es ist, zu seiner Meinung zu stehen, für eigene Fehler einzustehen und jungen Menschen ebenso einen Platz in der Politik einzuräumen wie allen anderen.

"Wenn man an politische Ansätze ohne junge Menschen denkt, sind das keine politischen Ansätze." – Luca Piwodda, 27

Ein anderer Blick auf Klimaschutz

Am Freitagabend fand die offizielle Begrüßung statt. Auch Münchens OB Dominik Krause war zu Gast und hielt eine kurze Rede, die mich persönlich inspirierte. Sie klang anders als viele Politikerreden, die ich kenne.

Oft stehen zunächst die Probleme im Mittelpunkt. Am Ende versuchen Redner:innen dann, zum Handeln aufzurufen oder Hoffnung zu vermitteln. Ich finde, dass das manchmal sogar demotivieren kann, weil vor allem die negativen Aspekte in Erinnerung bleiben.

Krause setzte dagegen auf eine hoffnungsvolle Botschaft. Er machte deutlich, wie stolz er auf die Teilnehmenden war, und konzentrierte sich darauf, was wir als Gemeinschaft erreichen können.

"Wir sind die ersten Schritte gegangen." – Dominik Krause, Oberbürgermeister von München

Was nehme ich von der LCOY mit?

Ich bin mit mehr Hoffnung von der LCOY nach Hause gegangen – nicht, weil plötzlich alle Probleme gelöst wären, sondern weil ich erlebt habe, wie viele junge Menschen sich mit ihnen auseinandersetzen und nach Lösungen suchen.

Gleichzeitig ist mir klar geworden, dass gute Ideen allein nicht ausreichen. Sie müssen auch umgesetzt werden. Dafür braucht es politische Unterstützung und Menschen, die Verantwortung übernehmen.