Urlaub und Klimaschutz passen nicht immer besonders gut zusammen. Anreise, Verkehr vor Ort, Energieverbrauch und der Ressourcenverbrauch durch den Tourismus belasten Umwelt und Klima. Gleichzeitig profitieren Städte und Regionen wirtschaftlich von ihren Gästen. Kopenhagen versucht deshalb, die Frage einmal umzudrehen: Wie wäre es, wenn Tourist:innen nicht nur Geld in einer Stadt lassen, sondern auch etwas Positives? Die Antwort heißt in dem Fall: CopenPay.

Das Prinzip ist einfach: Wer sich in Kopenhagen nachhaltig oder sozial engagiert, kann dafür kostenlose oder vergünstigte Angebote bekommen. Die Stadt belohnt also nicht nur Konsum, sondern bestimmte Verhaltensweisen.

Wer beispielsweise mit dem Fahrrad unterwegs ist, öffentliche Verkehrsmittel nutzt oder Müll sammelt, kann dafür eine Belohnung freischalten. Auch die Anreise spielt eine Rolle, denn wer mit dem Zug nach Kopenhagen kommt, kann ebenfalls CopenPay-Angebote nutzen. Eine vier Tage oder längere Reise wird teilweise ebenfalls belohnt, da dies nachhaltiger ist als Kurztrips.

Mit Müllsammeln zur kostenlosen Kajaktour

Und die Aufgaben sind teilweise ziemlich konkret: Im aktuellen CopenPay-Angebot finden sich beispielsweise Müllsammelaktionen, bei denen anschließend eine kostenlose Kajaktour möglich ist. Bei GreenKayak wird direkt beim Kajakfahren gleichzeitig Müll aus den Kopenhagener Kanälen gesammelt. Andere Angebote verbinden Naturpflege oder Vogelbeobachtung mit Vergünstigungen.

Die Vergünstigungen variieren, beispielsweise gibt es Rabatte für Museumsbesuche, kostenlose Audiotouren, vergünstigte Fahrräder oder Essen und Getränke. Aktuell kriegt man unter anderem kostenlose Limonade bei einer nachhaltigen Anreise mit dem Zug.

So funktioniert’s:

  • CopenPay ist eine mobile Web-Anwendung
  • Zuerst sucht ihr euch dort eine passende Aktivität aus
  • Dann startet die Aktion bei einem teilnehmenden Partner – beispielsweise eine Müllsammelaktion oder eine nachhaltige Anreise
  • Nach Abschluss wird die Aktivität ebenfalls in der mobilen Anwendung beendet.

Den digitalen Nachweis zeigt man anschließend beim jeweiligen Partner vor und bekommt dafür die entsprechende Belohnung

Das System setzt dabei bewusst auf Vertrauen. Nicht jede gute Tat wird mit einem komplizierten Kontrollsystem überprüft. Entscheidend ist, dass die Besucher:innen die Aktion in der mobilen Anwendung starten und abschließen.

Das Spannende an CopenPay ist deshalb nicht nur der Rabatt. Die Aktionen führen Tourist:innen teilweise an Orte und zu Angeboten, die sie bei einem klassischen Städtetrip vielleicht gar nicht entdeckt hätten. Durch das Sammeln hat die App auch noch einen Gamification Anreiz.

Von Kopenhagen nach Bremen: Das Konzept macht Schule

Kopenhagen nennt diesen Ansatz inzwischen "DestinationPay". Das Konzept soll auch anderen Städten und Regionen ermöglichen, eigene Programme nach dem CopenPay-Vorbild aufzubauen. Laut "Wonderful Copenhagen" haben sich bereits mehr als 100 Destinationen über das Modell informiert.

Die Idee bleibt deshalb längst nicht mehr auf Dänemark beschränkt. In Deutschland hat beispielsweise BremenPay 2026 ein ähnliches Konzept ausprobiert. Im Mai konnten Besucher:innen für klimafreundliche Aktivitäten wie Fahrradfahren, Spazierengehen, Umweltprojekte oder eine längere Aufenthaltsdauer kleine Vorteile bekommen. Als Nachweis reichten je nach Angebot beispielsweise ein Foto oder ein Bahnticket. Dafür gab es unter anderem kostenlose Stadtführungen, Kaffee oder vergünstigte Eintritte. Der Aktionszeitraum ist inzwischen beendet; die Stadt prüft derzeit eine mögliche Fortsetzung.

Nachhaltiger Urlaub statt perfekter Klimabilanz

Auch andere Destinationen experimentieren mit dem Prinzip. In der französischen Normandie gibt es beispielsweise Vergünstigungen für Reisende, die mit Bahn, Bus oder Fahrrad anreisen. Im britischen Exmoor National Park wurden 2026 unter dem Namen "Pay with Care" unter anderem Müllsammeln, Fahrradanreise und das Melden von Wildtierbeobachtungen belohnt.

Ein bisschen nachhaltige, gute Taten werden natürlich nicht die Klimabilanz einer Flugreise ausgleichen. Das Ziel ist vielmehr, Verhalten und Bewusstsein während des Aufenthalts zu verändern und nachhaltigere Entscheidungen attraktiver zu machen.