In einer Zeit, in der antisemitische Vorfälle zunehmen und jüdisches Leben in Deutschland unter Druck steht, setzt die Bundesregierung ein Zeichen: Am Dienstagabend wird in Berlin erstmals der Henny Brenner Preis verliehen, eine Auszeichnung für Schulbücher, die jüdisches Leben differenziert darstellen und sich aktiv gegen Antisemitismus wenden.

Claudius Verlag gewinnt in Kategorie Sekundarstufe

Der Claudius Verlag gehört zu den ersten Preisträgern dieser neuen Auszeichnung. Ausgezeichnet wurde das Schulbuch "OrtswechselPLUS" für die Jahrgangsstufe 9. Die Jury lobte das Werk dafür, dass es ein "differenziertes, multiperspektivisches Bild des Judentums" präsentiert, wie aus einer Pressemitteilung des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus (BAS) hervorgeht. Besonders hervorgehoben wurde die Darstellung jüdischer Vielfalt, die religiöse wie säkulare Identitäten einschließt und durch persönliche Texte gängigen Klischees entgegenwirkt.

Bei der feierlichen Premiere am 16. Dezember um 18 Uhr in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird der Verlag neben einem weiteren Preisträger ausgezeichnet. Initiator Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, hat den Preis in Kooperation mit der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufen.

Insgesamt werden zwei Auszeichnungen vergeben: ein Preis in der Kategorie Sekundarstufe – in der der Claudius Verlag ausgezeichnet wird – sowie ein Sonderpreis. Beide sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Eine sechsköpfige Fachjury hat die Gewinner aus den eingereichten Schulbüchern ermittelt.

Jury lobt kritische Auseinandersetzung mit christlichem Antijudaismus

Das ausgezeichnete Buch fördert zudem eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Hintergrund: So wird der christliche Antijudaismus thematisiert und das Versagen der Kirchen während der NS-Zeit kritisch beleuchtet. Auch der Staat Israel und der Zionismus werden als Themen fundiert und unter Einbeziehung kontroverser Narrative behandelt. Nach dem Urteil der Jury gehört das Kapitel zum Judentum "zu den besten, die in Religions- und Ethikschulbüchern bisher gesehen wurden".

"Seit der Shoah war jüdisches Leben in Deutschland nicht mehr so bedroht wie heute", erklärte Klein bei der Ankündigung des Preises im Juni. Diese erschreckende Tatsache habe ihn dazu bewogen, den Henny Brenner Preis ins Leben zu rufen und bereits bei jungen Menschen anzusetzen. "Schulbücher sind dabei ein ganz wichtiges Instrument und Hilfsmittel", so Klein.

Der Preis trägt den Namen Henny Brenners (1924–2020), einer Überlebenden der Shoah, die sich zeitlebens für Versöhnung und Erinnerungskultur engagierte. Mit der nach ihr benannten Auszeichnung sollen Schulbücher gewürdigt werden, die jüdisches Leben in seinen diversen historischen und aktuellen Facetten darstellen – in Deutschland wie auch in Israel – und dabei ohne stereotypisierende Darstellungen auskommen.

"Schulbücher spielen eine große Rolle bei der Vermittlung von Wissen über jüdisches Leben und Geschichte", betonte Simone Oldenburg, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern. "Mit dem Henny Brenner Preis fördern wir deshalb gezielt Bildungsmedien, die ihre Verantwortung ernst nehmen und junge Menschen dabei unterstützen, ein differenziertes und respektvolles Bild zu entwickeln."

Preisverleihung mit hochrangigen Gästen am Dienstag

Bei der Verleihung am Dienstagabend werden neben Klein und Oldenburg auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Grußworte sprechen. Musikalisch umrahmt wird die Zeremonie vom Streichquartett des Julius-Stern-Instituts der Universität der Künste mit Werken von Felix Mendelssohn und Erwin Schulhoff – zwei Komponisten jüdischer Herkunft, deren Schaffen exemplarisch für die Vielfalt jüdischen Kulturlebens steht.

Im Anschluss an die Preisverleihung findet ein Empfang statt, bei dem die Preisträger ihre ausgezeichneten Werke vorstellen werden.

"In einer Zeit von stetig wachsendem Antisemitismus sind antisemitismuskritische Bildungsmedien in unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung", so Klein in seiner Einladung zur Preisverleihung. Sie trügen dazu bei, frühzeitig ein Bewusstsein zu schaffen, Vorurteile abzubauen und Kinder und Jugendliche zu einer offenen, diskriminierungsfreien Haltung zu ermutigen.