Für Jonathan Tah endete die Fußball-WM 2026 mit einem Albtraum. Im Achtelfinale gegen Paraguay erzielte der Innenverteidiger zunächst das vermeintliche 2:1 für Deutschland – doch der Treffer wurde wegen eines vorausgegangenen Fouls aberkannt. Im anschließenden Elfmeterschießen trat Tah erneut in den Mittelpunkt: Er verschoss den entscheidenden Elfmeter, Deutschland schied aus.
Wie der 30-Jährige mit einem solchen Rückschlag umgeht, hat auch mit einer Überzeugung zu tun, über die er seit Jahren offen spricht: seinem christlichen Glauben. Für Tah ist er keine Nebensache, sondern ein fester Bestandteil seines Lebens. Gebet und Bibellektüre gehören nach eigenen Angaben ebenso selbstverständlich zu seinem Alltag wie das Fußballtraining.
In Interviews beschreibt der heutige Nationalspieler seinen Glauben schon früh als festen Anker in seinem Leben. "Mein Glaube gibt mir sehr viel Kraft", sagte er einmal in einem Interview. Er helfe ihm, den Druck des Profifußballs einzuordnen und auch nach Niederlagen nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Gebetskreis bei der WM sorgt für Aufmerksamkeit
Besonders sichtbar wurde Tahs Glaube während der Fußball-WM 2026. Nach dem deutschen Auftaktsieg gegen Curaçao bildete er gemeinsam mit Mittelfeldspieler Felix Nmecha sowie weiteren deutschen und gegnerischen Spielern einen Gebetskreis auf dem Rasen. Bilder davon verbreiteten sich rasch weltweit.
Anschließend erklärte Tah, man wolle diese gemeinsamen Gebete auch bei den folgenden Spielen fortsetzen. Dabei gehe es nicht um Selbstdarstellung, sondern um Werte wie Liebe, Nächstenliebe, Frieden und Dankbarkeit. Der Gebetskreis solle ein positives Zeichen setzen.
Die öffentliche Gebetsrunde löste unterschiedliche Reaktionen aus. Viele begrüßten es, dass Nationalspieler ihren Glauben offen leben – nicht nur Christ:innen, sondern auch etwa Tahs muslimischer Mitspieler Antonio Rüdiger. Andere Beobachter diskutierten kritisch darüber, welche Rolle christliche Netzwerke im Profifußball spielen. Mit dem evangelikalen Netzwerk "Ballers in God" hat Tah jedoch laut der "Sportschau" nichts zu tun.
Zwischen Anerkennung und Kritik
An Tahs eigener Haltung hat die Aufmerksamkeit nichts geändert. Er betont seit Jahren, dass sein Glaube für ihn keine PR-Strategie sei, sondern Teil seiner Persönlichkeit. Deshalb spricht er auch darüber, egal, ob das öffentliche Interesse gerade groß ist oder nicht.
Seinen Glauben lebt er laut eigener Aussage nicht nur in besonderen Momenten. Beten gehöre für ihn selbstverständlich zum Alltag, er lese regelmäßig in der Bibel. Rund um Weihnachten nehme er sich dafür sogar bewusst mehr Zeit, sagte er in einem Interview. Die ruhigeren Tage böten Gelegenheit, innezuhalten und sich intensiver mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen.
Zwischen Jubel und Enttäuschung bleibt für Tah damit stets etwas, das nicht vom Ergebnis eines Spiels abhängt: sein Vertrauen auf Gott.