Die nächste Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Als Fußballfan fiebere ich den ersten Spielen entgegen. Und auch auf Schulhöfen wird über Nationalmannschaften diskutiert, Stickeralben werden getauscht und die Vorfreude auf die Spiele wächst. Fußball bewegt sowohl Erwachsene als auch Kinder.

Fußball gehört für viele Kinder zu ihrer Lebenswelt. Ob auf dem Pausenhof, im Sportverein oder vor dem Fernseher während einer Weltmeisterschaft: Fußball begeistert, verbindet und bewegt. Und hier kommt unser Religionsunterricht ins Spiel. Zeitgemäßer Religionsunterricht knüpft an die Erfahrungen, Fragen und Lebensthemen der Schülerinnen und Schüler an. Kinder lernen besonders nachhaltig, wenn sie sich in den Themen wiederfinden und ihre eigene Lebenswelt einbringen können.  Alltägliche Erfahrungen werden zum Ausgangspunkt, um über Werte, Glaubensfragen und das Zusammenleben nachzudenken.

Teamgeist und Gemeinschaft sind Themen des christlichen Glaubens

Auf den ersten Blick scheinen Religion und die Welt des Fußballs wenig miteinander zu tun zu haben. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt viele Berührungspunkte. Fußball handelt von Gemeinschaft und Zusammenhalt, von Sieg und Niederlage, von Fairness und Konflikten. Kinder erleben auf dem Sportplatz, was es bedeutet, ausgeschlossen oder aufgenommen zu werden, Verantwortung zu übernehmen oder anderen zu helfen. Kinder erleben beim Fußball Themen, die auch für den Religionsunterricht zentral sind. Im bayerischen Lehrplan Plus Grundschule für das Fach "Evangelische Religionslehre" geht es im Lernbereich 10 unter anderem um Nächstenliebe, gelingendes Zusammenleben und die Frage, wie Menschen Verantwortung füreinander übernehmen können.

Ein Blick in die Bibel zeigt: Gemeinschaft, Teamgeist und gegenseitige Unterstützung sind Themen unseres christlichen Glaubens. Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Körper, in dem jedes Glied wichtig ist (1 Korinther 12,12–27). Jesus fordert dazu auf, den Nächsten zu lieben und Menschen in Not zu helfen (Lukas 10,25–37). Solche Botschaften lassen sich anhand von Situationen auf dem Fußballplatz für Kinder unmittelbar verständlich machen.

Gerade Großereignisse wie eine Weltmeisterschaft bieten deshalb die Chance, die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufzugreifen und mit Fragen des Glaubens zu verbinden.

Hier möchte ich drei konkrete Ideen für die Unterrichtspraxis vorstellen und beschreiben:

1. Teamgeist   (Bibelstelle: 1 Korinther 12,12–27 – "Ein Leib, viele Glieder")

Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Körper: Auge, Hand und Fuß haben unterschiedliche Aufgaben, aber alle werden gebraucht.  Die Kinder betrachten Fotos einer Fußballmannschaft und überlegen: Welche Aufgaben haben die einzelnen Spieler?  Wer steht im Mittelpunkt?  Wer wird übersehen? Anschließend übertragen sie die Gedanken auf die Klassengemeinschaft: Was kann jede und jeder besonders gut? Wodurch wird unsere Klasse zu einem Team?  Als Abschluss entsteht ein gemeinsames Klassenplakat mit dem Titel: "Wir gehören zusammen."

2. Fairplay und Nächstenliebe  (Bibelstelle: Lukas 10,25–37 – Gleichnis vom barmherzigen Samariter)

Auf dem Fußballplatz erleben Kinder immer wieder Situationen, in denen Hilfe oder Mitgefühl gefragt sind. Die Lehrkraft zeigt Fotos von typischen Szenen: Ein Kind wird beim Mannschaftswählen nicht berücksichtigt. Nach einem Fehler wird ein Mitspieler ausgelacht. Ein Kind verletzt sich während des Spiels. Die Schülerinnen und Schüler überlegen und versuchen die Verknüpfung zum barmherzigen Samariter herzustellen:  Wer verhält sich wie der barmherzige Samariter? Wer schaut weg? Wie könnte geholfen werden? So wird die biblische Frage "Wer ist mein Nächster?" konkret mit dem Alltag der Kinder verbunden.

3. Fairplay-Regel (Bibelstelle: Matthäus 7,12 – die goldene Regel)

Die Klasse sammelt zunächst Regeln für ein faires Fußballspiel. Danach wird überlegt: Welche Regeln brauchen wir für ein gutes Miteinander? Was wünschen wir uns von anderen? Wie können wir selbst dazu beitragen?  Die Kinder vergleichen ihre Ideen mit der goldenen Regel "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch."

Mehr Einblicke in meine Arbeit und Tipps und Ideen für den Religionsunterricht gibt es auf meinem Instagramkanal: frau_religionslehrerin