Der 37jährige Marcel Friederich hatte in seinem beruflichen Leben alles erreicht, was er sich erträumt hatte: Er war Sportjournalist, angestellt beim RB Leipzig und Schalke 04 und zuletzt Leiter Kommunikation bei der Deutschen Fußball-Liga DFL. Doch seit zwei Jahren ist alles anders.

Friederich ist mit dem Möbius-Syndrom geboren. Deshalb fehlen ihm Nerven in der linken Gesichtshälfte. Das linke Auge lässt sich nicht ganz schließen und besonders auffällig ist sein Mund, da er nur die rechte Seite bewegen kann und ein schiefes Gesicht erzeugt.

So lange er denken kann, hat sich Marcel Friederich nie wirklich mit seinem Aussehen beschäftigt. "Das war immer mit Scham besetzt", sagt er heute. Denn vor zwei Jahren änderte sich alles. Erstmals setzte er sich mit dem Möbius-Syndrom auseinander und postete dies auf Social Media. "Und die Reaktionen waren überwältigend. Über eine halbe Million Reaktionen!" Und fast alle positiv. Das änderte alles.

Schräg, Stark, Außergewöhnlich 

Seither ist Marcel Friederich hauptberuflicher Mutmacher. In seinem Buch "Mutmacher-Menschen: Schräg, Stark, Außergewöhnlich" stellt er außer sich noch zehn andere Menschen vor, die mit sichtbaren oder nicht sichtbaren Beeinträchtigungen leben. Auf der digitalen Platform

werden die Beispiele immer mehr. Er coacht Führungskräfte und rät ihnen zu mehr Menschlichkeit. "Als ich als Führungskraft erstmals selbst den rosaroten Elefanten im Raum angesprochen habe, wurde Vieles leichter und menschlicher", so Friederich.

Da er sich selbst als Kind mehr Unterstützung gewünscht hätte, mit "seinem rosaroten Elefanten" umzugehen, engagiert sich Friederich besonders in Schulen. Sein Ziel ist, dass möglichst viele Kinder erkennen, dass es viel mehr gibt, was wir gemeinsam haben, als was uns trennt. Damit er dieses Ziel erreichen kann, hat er sich Verstärkung von den Rollstuhl-Basketballern geholt. 

"Mein Anderssein – meine frühere Schwäche – habe ich inzwischen zu meiner Stärke gewandelt," sagt Marcel Friederich heute. Er will etwas gesellschaftlich Nachhaltiges bewegen. Und so gern er auch heute noch den Sport hat - das Mutmacher-Projekt ist sinnvoller.