5.04.2019
Rückkehr der Tante-Emma-Läden

Warum es in Donau-Ries mehr Dorfläden als anderswo in Bayern gibt

Mit Hilfe des Landkreises haben sich kleine Dorfläden im Donau-Ries in einem genossenschaftlichen Netzwerk organisiert. Dieses wächst fleißig - in einer Zeit, in der überall auf dem Land inhabergeführte Lebensmittelläden schließen müssen.
Hofladen in Fünfstetten
Hofaden-Leiterin Brigitte Miedl an der Kasse des Dorfladens im schwäbischen Fünfstetten

Morgens um 9 Uhr. Ein Bäcker liefert Brot an, Waren werden in Regale einsortiert. Im beschaulichen Fünfstetten im Landkreis Donau-Ries ist Hochbetrieb im Dorfladen. Ein seltener Anblick in der heutigen Zeit. Immer öfter schließen kleinere Läden im ländlichen Gebiet. Teils weil sie unrentabel sind für größere Supermarkt-Ketten, teils weil der eigentliche Betreiber zu alt wird und keinen Nachfolger findet.

So war es auch in Fünfstetten. "Vor einigen Jahren hat hier der letzte Laden geschlossen", erzählt Brigitte Miedl. Die Bewohner der kleinen Gemeinde hätten schnell bemerkt, dass etwas fehlt, meint die Leiterin des Dorfladens. Es musste eine Lösung her, um die Nahversorgung weiter aufrechtzuerhalten. Da kam ein Projekt des Landkreises wie gerufen.

Mehr als zehn Dorfläden im Landkreis Donau-Ries

Im Oktober 2016 schlossen sich sieben genossenschaftlich organisierte Dorfläden im Landkreis zusammen. "Wir haben gesehen, dass nicht jedes Dorf mehr einen Laden oder ein Café hat", sagt Barbara Wunder vom Landratsamt Donau-Ries. Sie ist dort Konversionsmanagerin und leitet das Projekt: "Wir gewährleisten mit dem Dorfladen-Netzwerk die Nahversorgung und schaffen gleichzeitig in vielen Dörfern einen neuen Treffpunkt." Mittlerweile gibt es im Landkreis zehn solcher Läden. Das sei vier Mal so viel wie im bayerischen Durchschnitt. Das Netzwerk sei in dieser Form einzigartig in Deutschland.

Auch die Gemeinde Fünfstetten wurde auf das Projekt aufmerksam. Bevor der Dorfladen öffnete, informierten sich Miedl und andere Fünfstetter über das Netzwerk. Dessen Mitglieder treffen sich vierteljährlich, um gemeinsame Projekte zu planen, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu besprechen und Erfahrungen auszutauschen. Am 4. Januar letzten Jahres war es dann so weit: Im Gebäude der ehemaligen Sparkassen-Filiale lud der Dorfladen Fünfstetten erstmals Kunden zum Einkaufen ein.

Jeden Tag kommen 100 bis 120 Kunden zum Einkaufen

"Das ging gleich voll los", erinnert sich Miedl. Zwischen 100 bis 120 Kunden kaufen täglich in dem Geschäft ein. Zusammen mit fünf Angestellten und zwei Ehrenamtlichen betreibt sie den Laden - und zwar sechs Mal die Woche. In einem kleinen Nebenraum gibt es Holztische, Bänke und Stühle, wo Leute frühstücken oder ständig wechselnde Mittagsgerichte essen können. "Man kennt jeden Kunden und dann wird schon mal ein wenig geratscht", erzählt Miedl.

"Im Grunde haben die Läden alles was ein Supermarkt hat, nur eben meistens von einer Sorte", erklärt Barbara Wunder - ähnlich wie der gute alte Tante-Emma-Laden. Tatsächlich hat der Dorfladen Fünfstetten, obwohl er der kleinste der mittlerweile zehn Läden ist, so gut wie alles: von Tiefkühlwaren über Konserven bis hin zu Reinigungsmitteln oder Schreibwaren.

Regal mit Lebensmitteln aus der Region

Besonders wichtig ist der Konversionsmanagerin das regionale Regal. Alle Läden im Netzwerk haben es: "Hier werden regionale Produkte aus dem ganzen Landkreis angeboten", sagt Wunder. In Zukunft soll es sogar eigene Produkte geben wie den Dorfladen-Kaffee oder die Dorfladen-Nudeln - natürlich regional hergestellt.

"Uns ist es wichtig, dass die Menschen wissen, dass es einen Dorfladen gibt", sagt Wunder. Daher übernimmt das Landratsamt die Marketing-Arbeit hinter dem Netzwerk. Auf Messen und Ausstellungen wird für das Projekt geworben. Und einmal jährlich gibt es die "Regionale Einkaufswoche", wo Kunden der Dorfläden Vergünstigungen bekommen, wenn sie eine gewisse Menge einkaufen.

Dorfladen als Ortskern

Um als Dorfladen im Netzwerk mitzumachen, braucht es nur eine genossenschaftliche Organisation hinter dem jeweiligen Laden. "Andere Vorgaben gibt es nicht", sagt Wunder. Auch sind die Läden selbst dafür zuständig, dass das Geschäft läuft. Im Fünfstetten wurde die neue Einkaufsmöglichkeit gut angenommen. "Er trägt sich selbst", sagt Miedl. Überhaupt wurde der Laden in der kleinen Gemeinde zu einem neuen Treffpunkt. "Immer mittwochs kommen ältere Damen und treffen sich zum Kaffee- und Kuchen-Stammtisch", erzählt sie.

"Die Dorfläden beleben den Ortskern", sagt auch Wunder. Gleichzeitig konnte in Fünfstetten sogar ein Leerstand für die Ladenräume genutzt werden. Und die Zahl der Läden wird wohl in Zukunft noch steigen. Bald soll auch der erste Stadtladen in der Kreisstadt Donauwörth eröffnen.

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