Zucker in Getränken ist kein Randthema, sondern ein verlässlicher Begleiter zahlreicher Zivilisationskrankheiten. Flüssige Kalorien sättigen nicht, belasten aber direkt den Stoffwechsel – mit Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Problemen und Schlaganfällen.
Das Tückische: Es passiert nebenbei. Niemand beschließt, zu viel Zucker zu trinken; es summiert sich. Und die Industrie hilft nach Kräften: Süß verkauft sich, Gewöhnung beginnt früh, Werbung erledigt den Rest.
Warum sind so viele Produkte so zuckerreich?
Zudem bleibt das Ergebnis oft halbgar. Weniger Zucker heißt häufig mehr Ersatzstoffe – mit fragwürdigem Geschmack oder unerwünschten Nebenwirkungen. So entsteht kein besseres Produkt, nur ein anderes Problem.
Verbindliche Ziele festlegen
Die Debatte müsste früher ansetzen: Warum steckt Zucker in Brot, in Aufschnitt, in Fertigsaucen? Brot ist eigentlich ein simples Lebensmittel aus Mehl, Wasser, Salz und Hefe oder Sauerteig. Trotzdem findet sich in vielen Supermarktbroten Zucker oder Malzextrakt. Nicht, weil es ernährungsphysiologisch nötig wäre, sondern weil es besser aussieht, länger frisch wirkt und minimal süßer einfach massentauglicher ist.
Hier könnte man ansetzen: klare Obergrenzen für zugesetzten Zucker in Grundnahrungsmitteln. Kein kompliziertes Punktesystem, sondern einfache Regeln. Brot ist Brot, kein Dessert mit Kruste.
Das Problem endet nicht am Flaschenregal. Auch bei Getränken gilt: Statt bloß Preise zu erhöhen, könnte man verbindliche Reduktionsziele festlegen – jährlich ein Stück weniger Zucker. Das funktioniert, weil Geschmack lernbar ist. Dazu braucht es einfache Kennzeichnungen, die jeder versteht, und eine Beschränkung der Kinderwerbung für Süßes. Wer über Gesundheitskosten redet, muss da ansetzen.
Zuckersteuer: Nützlich, aber unzureichend
Die Zuckersteuer bleibt also ein Werkzeug – nützlich, aber unzureichend. Sie kann anstoßen, aber nicht verändern, solange das System süß bleibt. Wirklicher Fortschritt entstünde erst, wenn Hersteller ihre Produkte überdenken, Transparenz herrscht und gesunde Entscheidungen die einfacheren sind.
Nicht ein teurerer Alltag ist das Ziel, sondern ein vernünftigerer. Wer Gesundheit nur über den Preis regelt, hat verstanden, wie Märkte funktionieren – aber nicht, wie Menschen leben.