Es begann mit Jubel und endet vorerst mit gegenseitigen Schuldzuweisungen: Der Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. hat in den vergangenen Tagen eine neue Eskalationsstufe erreich. Ein Rückblick auf elf Monate zunehmender Entfremdung.

Als das Konklave im Mai 2025 den amerikanischen Kardinal Robert Francis Prevost zum Nachfolger von Papst Franziskus wählte, reagierte Trump auf Truth Social mit seltener Begeisterung: "Es ist solch eine Ehre, sich zu vergegenwärtigen, dass er der erste amerikanische Papst ist." Ein Landsmann auf dem Heiligen Stuhl – das schien Trump zunächst als diplomatischer Glücksfall zu erscheinen.

Dass Prevost als Kardinal auf Social Media bereits Artikel geteilt hatte, die Trumps und Vizepräsident JD Vances Migrationspolitik scharf kritisierten, wurde in dieser Freude offenbar großzügig übersehen.

Schnelle Ernüchterung nach anfänglicher Euphorie

Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Im Herbst 2025 bezeichnete Leo XIV. in Castel Gandolfo Trumps Migrationspolitik als "unmenschlich" und formulierte eine für vatikanische Verhältnisse ungewöhnlich direkte Ansage: Wer gegen Abtreibung, aber mit der "unmenschlichen Behandlung von Migranten einverstanden" sei, sei "nicht wirklich für das Leben". Das Weiße Haus wies die Kritik zurück.

Im Januar 2026 legte der Papst nach und prangerte in einer Grundsatzansprache "Diplomatie auf Grundlage von Gewalt" an, plädierte für Dialog statt Machtpolitik – ohne Namen zu nennen, aber mit wenig Raum für Interpretationsspielraum: Kurz zuvor hatten die USA den Präsidenten Venezuelas, Nicolas Maduro, sowie dessen Ehefrau in einer Militäraktion entführt und nach New York verschleppt.

Außenpolitische Konflikte verschärfen den Ton

Den eigentlichen Brandbeschleuniger lieferte der Krieg gegen Iran. Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel an. Leo XIV., der erste in den USA geborene Papst, hat im Verlauf des Krieges mehrfach die Politik Trumps kritisiert, zuletzt auch die Darstellung der US-Regierung, wonach Gott im Konflikt mit dem Iran auf Seiten der USA stehe.

Anfang April bezeichnete der Papst Trumps Drohung, den Iran "samt Zivilbevölkerung auszulöschen", als "inakzeptabel" – eine für ein Kirchenoberhaupt ungewöhnlich direkte Verurteilung der Entscheidung oder Absichtserklärung eines amtierenden Staatschefs.

Am 8. April einigten sich Washington und Teheran auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Drei Tage später, am Samstag, den 11. April, lud Leo XIV. zu einem großen Friedensgebet in den Petersdom in Rom. Vor rund 11.000 Menschen rief er den Regierenden aller Nationen zu: "Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!" Er warnte vor "Allmachtsfantasien", die die Welt zunehmend destabilisierten. Auch der Umstand, dass der heilige Name Gottes für "Todesreden" herangezogen werde, missfiel ihm öffentlich – Trump namentlich zu nennen hielt er dabei offenbar für unnötig.

Für Trump war die Geduld damit erschöpft. Am Sonntagabend, dem 13. April, bezeichnete er den Pontifex in einem ausführlichen Beitrag auf Truth Social als "schwach im Umgang mit Kriminalität und furchtbar in der Außenpolitik". Er behauptete, Leo habe "auf keiner Liste der Papstkandidaten" gestanden und nur wegen seiner US-Staatsbürgerschaft gewählt worden, um mit Trump klarzukommen.

Offene Angriffe, ein KI-Bild und internationale Reaktionen

Den vorläufigen rhetorischen Höhepunkt lieferte der Satz: "Wäre ich nicht im Weißen Haus, wäre Leo nicht im Vatikan." Kurz darauf veröffentlichte Trump ein KI-generiertes Bild, das ihn in einem langen Gewand als Heiler darstellt – mit Kampfjet, US-Flagge und Weißkopfseeadler im Hintergrund.

Die Reaktionen folgten rasch. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, sonst keine erklärte Trump-Gegnerin, bezeichnete seine Worte über den Heiligen Vater als "inakzeptabel". Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Erzbischof Paul Coakley, zeigte sich "enttäuscht". Vizepräsident JD Vance riet dem Vatikan, sich auf "moralische Fragen zu beschränken". Trump löschte das KI-Bild und erklärte auf Kritik, er habe sich nicht als Jesus, sondern lediglich als "Arzt" dargestellt. Vance nannte den Post nachträglich "einen Witz".

Papst Leo XIV. wies Trumps Kritik am Montag auf dem Flug nach Algerien – dem Beginn einer Afrikareise – zurück. "Ich habe keine Angst, weder vor der Trump-Regierung, noch davor, die Botschaft des Evangeliums laut zu verkünden", sagte der Papst. Er betonte: "Ich bin kein Politiker." Ein Vatikan-Offizieller bezeichnete Trumps Attacke als "Deklaration der Ohnmacht". Trump lehnte vor Journalisten im Weißen Haus jede Entschuldigung ab und blieb bei seiner Einschätzung: Leo sei "sehr schwach".

Was mit vermeintlicher Nähe begann, ist zu einem offenen Konflikt geworden, den vor allem Donald Trump mit persönlichen Angriffen und gezielten Provokationen vorangetrieben hat. Papst Leo XIV. ist den Eskalationen aus Washington mit klarer, inhaltlich begründeter Kritik begegnet und hat seine Position auch unter Druck nicht relativiert. Eine Fortsetzung sowie weitere Eskalationen sind nicht ausgeschlossen.