1. Mai 2021

Euward-Kunstpreis 2021 geht an Künstler Andreas Maus

Der Kölner Künstler Andreas Maus erhält den ersten Preis im Rahmen des euward-Kunstpreises - einer der international wichtigsten Auszeichnungen für Kunst im Kontext geistiger Behinderung.
Andreas Maus
Andreas Maus, Eine brennende Frau im Bombenhagel auf Deutschland 1940. Der Bombenkrieg ließ auch in Deutschland die Zivilbevölkerung nicht verschont. 1940-1945. Buchtitel: „Ausgelöscht für immer“, 2019, Kugelschreiber auf Papier, 30 x 42 cm.

Der Kölner Künstler Andreas Maus erhält den ersten Preis im Rahmen des euward-Kunstpreises - einer der international wichtigsten Auszeichnungen für Kunst im Kontext geistiger Behinderung. Der zweite Preis geht an den Schweizer Felix Brenner, der dritte an der Niederländer Kar Hang Mui, wie die Augustinum Stiftung mitteilte. Das Münchner Haus der Kunst präsentiert die Preisträger in einer Ausstellung vom 30. April bis 27. Juni - und auch online in einer digitalen Ausstellung.

Euward-Preisträger 2021

Der erste Preisträger Andreas Maus wurde 1964 in Köln mit einer geistigen Behinderung geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, 1971 wurde er in die Kinder und Jugendpsychiatrie eingewiesen - mit einer tief sitzenden Wut auf sich und die Welt. Heute arbeitet er beim Kölner Kunsthaus Kat18. „Das künstlerische Arbeiten hilft, mich aus dem Teufelskreis der inneren Wut zu befreien, da es auch befreiend ist, das Unwohlbefinden und die Wut auf dem Papier auszulassen“, sagt Maus laut Mitteilung. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt in Darstellungen der Gräuel der NS-Diktatur. Seine Werke waren bereits in der Bundeskunsthalle Bonn, in Prag und in Köln zu sehen.

Der zweite Preisträger Felix Brenner stammt aus Basel. Er kam als junger Mann in Kontakt mit Drogen, musste ins Gefängnis und später auch in psychiatrische Kliniken, wie das Augustinum weiter mitteilte. Nach Aufenthalten in New York und den Niederlanden kam Brenner mit Hilfe von Therapeuten zurück in die Schweiz, wo er seit 2001 in Altnau im Thurgau, eingebunden in den dörflichen Strukturen lebt, und eine Lithografie- und Radierwerkstatt betreibt. Seine wandfüllenden Bilder zeigen ihn selbst, seine Wohnung oder Menschen in seinem Leben. Seine Werke waren schon in Paris, Zürich und St. Gallen zu sehen.

Der dritte euward-Preisträger Kar Hang Mui wurde 1989 in den Niederlanden mit Autismus geboren. Seine Eltern, Einwanderer aus Hongkong, förderten den Jungen früh im Zeichnen und Malen. 2017 wurde er in das betreute Gemeinschaftsatelier De Kaai in Goes aufgenommen. Hat Mui eines seiner Bilder abgeschlossen, lege er es in eine Schublade und werde es nicht mehr anschauen, heißt es in der Mitteilung. Auch den Besuch seiner Ausstellungen lehnt der Autist ab: „Ich habe meine Bilder alle in meinem Kopf.“ Kar Hang Mui zeichnet mit messerscharf angespitzten Farbstiften. Dabei bringt er mehrere Farbschichten zu Papier, aus denen man schließlich Stadt- und Naturlandschaften erkennen kann.

Der euward-Kunstpreis wird alle zwei bis vier Jahre vergeben, erstmals im Jahr 2000. Die Preisträger werden mit Geldpreisen und durch die Publikation eines Kataloges im Gesamtwert von rund 19.000 Euro gefördert. Ziel ist es eigenen Angaben zufolge, unbekannte Künstlerinnen und Künstler mit geistiger Behinderung zu fördern und ihr Schaffen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für den diesjährigen Preis hatten 341 Teilnehmer aus 22 Ländern ihre Werke eingereicht, 16 wurden nominiert. Heuer präsentiert das Haus der Kunst als internationales Ausstellungshaus die Kunst der Preisträger und der Nominierten zum ersten Mal innerhalb seines regulären Jahresprogramms.

Karhang Mui
KarHang Mui (*1989) arbeitet seit 2009 im Galerie Atelier de Kaai in der niederländischen Stadt Goes. Seine intensiv kolorierten Buntstiftzeichnungen zeigen Landschaften einer Fantasiewelt, die detailreich ausgestattet ist, aber die tatsächlichen Dimensionen zueinander nicht berücksichtigt. Abstrakte Muster vermischen sich mit figurativen Elementen und ersetzen sie allmählich, und auch Erinnerungen an Hongkong, wo ein Teil seiner Familie lebt, sind zu erkennen. Die Muster beginnen, ein Eigenleben zu führen, und erzeugen beim Betrachter neue Assoziationen.
Felix Brenner
Felix Brenner (* 1955) gehört zur alternativen Kunstszene in der Schweiz. Brenner besuchte Grafikkurse an der Schule für Gestaltung in Basel. Über die Jahre verwirklichte er zahlreiche Ausstellungen seiner Lithografien, mehrfarbige Radierungen, Zeichnungen, Druckgrafiken und Videoarbeiten. Seit 2001 lebt er in Altnau im Thurgau und treibt seine Forschungen der Ethnobotanik voran. Die Verbindung von Kunst und Natur spiegelt sich in seinen Druckarbeiten, Zeichnungen und in seinen Radiosendungen wider.
Andreas Maus
Andreas Maus (* 1964) lebt in Pulheim und arbeitet im Kunsthaus KAT18 in Köln. Es geht in Andreas Maus‘ Zeichnungen stets ums Ganze. Der wachsame Zeitgenosse registriert sehr genau, was in der Gesellschaft aktuell passiert, genau wie die Auffälligkeiten in der Kultur, und gibt dies in Zeichnungen wieder. Seine Existenz begreift er nicht allein als das Ereignis einer individuellen Freiheit, sondern bezieht sie untrennbar auf die Ereignisse in der Gesellschaft. Und dabei vor allem auf solche, die mit Kampf, Gewalt und Bedrohung, Macht und Ohnmacht zu tun haben.
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