29.09.2020
"Mit Geisteskraft und Mut"

Der dornige Weg der Frauen zur Kanzel: Neues Buch schildert Anfänge des landeskirchlichen Frauenreferats

Die evangelische Kirche ohne Frauen in Haupt- und Ehrenämtern? Heutzutage völlig undenkbar. Und doch ist es noch gar nicht so lange her, dass erbittert um Themen wie Frauenordination gestritten und auch gekämpft wurde.
Eine Frau sitzt in der Kirche (Symbolbild)

Wenn Führungspositionen in der evangelischen Kirche besetzt werden, spielt immer noch der Proporz zwischen Männern und Frauen eine nicht ganz unwichtige Rolle.

So wurde beispielsweise in Kirchenkreisen genau registriert, dass in München auf Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Dekanin Barbara Kittelberger, die fast zeitgleich in Ruhestand gegangen waren, zwei Männer folgten.

Frauen in der evangelischen Kirche

Denn die Quote von Frauen in leitenden Ämtern ist ein sensibler Punkt, da sie noch immer auf der mittleren und oberen Leitungsebene "unterrepräsentiert" seien, wie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort zu dem Buch "Mit Geisteskraft und Mut" über die Anfänge des kirchlichen Frauenreferats schreibt.

Allerdings seien Frauen aus kirchlichen Berufen und Ehrenämtern, wie etwa den Kirchenvorständen, "nicht mehr wegzudenken", betont der Bischof und gibt gleich selbst ein Beispiel für Gleichberechtigung: Das Vorwort zu dem Buch der evangelischen Frauenarbeit hat er zusammen mit Barbara Pühl, der landeskirchlichen "Beauftragten für Chancengerechtigkeit", verfasst.

Frauen haben in den Kirchenvorständen die Mehrheit, und an der Spitze der Landessynode, dem Kirchenparlament der bayerischen Protestanten, stehen schon seit mehreren Wahlperioden Frauen als Präsidentinnen an der Spitze.

Frauen auf der Kanzel

Es war jedoch ein dorniger Weg, bis vor allem die Frau auf der Kanzel zu einem selbstverständlichen Bild wurde, wie die ehemaligen Frauenbeauftragten Brigitte Enzner-Probst und Siegrid Schneider-Grube in ihrer Dokumentation nachzeichnen.

Dabei scheinen die Schwierigkeiten, mit denen Frauen in ihrer Kirche zu kämpfen hatten, theologisch geradezu paradox: Frauen waren die maßgeblichen Figuren bei der Geburt und dem Tod Christi - und dennoch lange Zeit von Predigt und Sakramentsverwaltung ausgeschlossen.

Erst 1976 beschließt die Landessynode die Ordination von Theologinnen; der berüchtigte Vetoparagraph, mit dem Pfarrer eine Frau als Kollegin verhindern konnten, fällt sogar erst 1998.

"Arbeitsbereich Frauen in der Kirche der ELKB"

Voraussetzung für diese Entwicklung war, dass die Frauen in der Kirche überhaupt sichtbar wurden. Dafür sorgten auch plakative Aktionen des 1987 begründeten Frauenreferats, des AFK ("Arbeitsbereich Frauen in der Kirche der ELKB"). So überklebte die damalige Referentin Schneider-Grube bei einer Sitzung die Männerbilder, die ausschließlich im Sitzungsraum hingen, mit Frauenporträts.

Während diese Aktion noch zu Irritationen und ernsthaften Gesprächen mit kirchenleitenden Männern geführt hatte, gehören heute Fotos von Frauen selbstverständlich zu den Bildergalerien im Münchner Landeskirchenamt.

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