16.08.2020
Armut in Bayern

Statistik: Alleinerziehende und ältere Frauen sind häufiger arm - Verbände kritisieren Armut im reichen Bayern

Arbeitslose Menschen und Alleinerziehende und ihre minderjährigen Kinder sind in Bayern am stärksten armutsgefährdet. Vor allem ältere Frauen ab 65 Jahren laufen Gefahr, zu verarmen.
Seniorin Armut Wald
Ältere Dame im Park

Arbeitslose Menschen und Alleinerziehende und ihre minderjährigen Kinder sind in Bayern am stärksten armutsgefährdet. Aber auch bei den Rentner ist das Risiko arm zu sein überdurchschnittlich, geht aus neuen Zahlen für 2019 des Landesamts für Statistik hervor. Die in Fürth veröffentlichten Daten zeigen, dass im Landesdurchschnitt die Armutsgefährdungsquote der Generation ab 65 Jahren mit 17,5 Prozent höher gelegen hat als im Bundesschnitt (15,7 Prozent).

Angesichts der Zahlen könne vom "weiß-blauen Paradies" nicht die Rede sein, reagierte der Sozialverband VdK auf die Statistik. Die teils hohen Lebenshaltungskosten und die Mieten seien in Bayern Gründe für eine höhere Armutsgefährdung der Rentner. Insbesondere Alleinlebende und viele Frauen würden im Alter kaum über die Runden kommen.

Armut in Bayern

"Armut in Bayern bleibt ein Skandal", erklärte der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Thomas Beyer. Wenn man die bayerischen Verhältnisse in die Statistik einbeziehe, betrage das Armutsrisiko in Bayern derzeit 14,7 Prozent. Das sei jeder Siebte, erklärte er. Der Landessprecher der Partei Die Linken, Ates Gürpinar, kritisierte ebenso, dass ältere Menschen in Bayern überdurchschnittlich armutsgefährdet seien. Er wies auch auf regionale Unterschiede hin. Während die Armutsgefährdungsquote gemessen am bundsweiten Mittel der Einkommen im Jahr 2019 in München noch bei 8,7 Prozent liege, komme man in Würzburg auf 15,1 Prozent.

Aus den Zahlen des Landesamtes geht wenig überraschend hervor, dass unter den Arbeitslosen 44,9 Prozent das Risiko haben, arm zu sein. Das Risiko bei Alleinerziehendenfamilien liege bei einem Anteil von 36,1 Prozent, hieß es. Über dem Schnitt liegen auch junge Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, von denen 17,9 Prozent armutsgefährdet seien.

Ältere Frauen sind häufiger von Armut bedroht

Ältere Frauen in Bayern rutschen leichter in die Armut (20 Prozent) als Männer (14,4). Menschen, die keinen deutschen Pass besitzen, waren im Jahr 2019 mit 24,2 Prozent wesentlich häufiger von Armut bedroht als deutsche Staatsbürger. Hier lag die Armutsgefährdungsquote den Angaben nach bei lediglich 10,0 Prozent.

Die Zahlen würden sich aus den Ergebnissen des Mikrozensus ergeben, einer jährlichen Stichprobenerhebung bei einem Prozent der Bevölkerung, so das Landesamt. Als armutsgefährdet gelten Personen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der bundesweiten Bevölkerung auskommen müssen, erklärte das Statistikamt.

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Kommentare

Von Sonntagsblatt am Montag, August 17, 2020 - 17:19

Ich habe Ihren Artikel mit steigender Wut gelesen, da ich viele Betroffene kenne. Die waren während ihrer Berufstätigkeit Pfarramtssekretärinnen, Küsterinnen, Pflegerinnen oder Erzieherinnen bei einem evangelischen Träger!

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