12.01.2017
Förderschule mit Hund

Auf vier Pfoten zum Vertrauen

Kinderfreundlich, geduldig, weitgehend stressresistent, belastbar und fröhlich ist sie, die Neue an der Hofer Bonhoefferschule: Schulbesuchshündin Milo unterstützt das Sozialpädagogen-Team an der Förderschule der Diakonie Hochfranken.
Die Schulbesuchshündin Milo an der Hofer Bonhoefferschule.
Entspannt lässt sich Schulbesuchshündin Milo auf Kinder und Jugendliche ein. Die Bulldogge bringt nicht nur gute charakterliche Voraussetzungen mit, sondern auch ein spezielles Training für ihren Einsatz.

Die Neue hat viele Falten im Gesicht, dreierlei Haarfarben und trägt ein breites Lederhalsband. Es ist Milo, die Schulbesuchshündin. An drei Tagen pro Woche begleitet die Bulldogge ihr Frauchen Jennifer Eck ans Sonderpädagogische Förderzentrum am Hofer Südring. Und wie es aussieht, haben dort gleich zwei motivierte junge Damen ihren Traumberuf gefunden, eine mit zwei, eine mit vier Beinen.

Die Sozialpädagogin Jennifer Eck ist seit drei Jahren Jugendsozialarbeiterin an der Bonhoefferschule. Aufgabe der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist es, Heranwachsende mit sozialen Benachteiligungen oder individuellen Beeinträchtigungen zu unterstützen, zu beraten und zu begleiten. Es geht darum, ihnen beiseitezustehen, ihre Entwicklung zu eigenverantwortlichen, selbstbewussten Persönlichkeiten zu fördern. JaS hat sich als so effektiv erwiesen, dass sie in den vergangenen Jahren an immer mehr Schulen nicht nur in unserer Region eingeführt wurde.

Milo legt den Kopf auf ihr Vorderbein und zieht die Stirn in Falten. Die Bulldogge ist noch kein Jahr alt, scheint aber schon genau zu wissen, dass es mitunter schwer für Frauchen sein kann, in Kontakt zu kommen, das Eis bei »schwierigen« Schülerinnen und Schülern zu brechen.

Tiere helfen den Kindern, Nähe zuzulassen

Nur auf Basis einer guten Beziehung zu den jungen Leuten kann ihre pädagogische Arbeit wirksam werden. Dieser Kontakt kann durch einen Hund wie Milo erleichtert werden. »Tiere beeinflussen die Gemütslage positiv, helfen Ängste abzubauen und Nähe zuzulassen«, erklärt Jennifer Eck. Das erlebe sie bereits in der täglichen Arbeit. »Schon morgens klopfen an den Milo-Tagen jede Menge Kinder an und fragen, ob sie später mit Gassi gegen dürfen. Inzwischen gibt es eine Liste dafür«, erzählt sie.

Vor Unterrichtsbeginn können die Kinder Milo im JaS-Raum begrüßen. Zum Spaziergang nach der zweiten Pause kann nur jeweils ein Kind mitkommen – wenn die Lehrkraft einverstanden ist und sich das Kind gut verhalten hat. »Insofern wirkt Milo auch ein bisschen als Belohnung.« Beim Spaziergang lernt das Kind mit dem Hund draußen richtig umzugehen, die Sozialpädagogin kommt darüber gut ins Gespräch. Ein sehr introvertiertes Mädchen habe seine Gefühle im Umgang mit Milo erstmals offenbart; ein autistischer Schüler, der den Hund zunächst kategorisch ablehnte, freundete sich doch noch mit Milo an und gab dem Tier eine Chance, was für den Schüler eine große persönliche Leistung war.

»Auch sehr schwierige Themen wie Schulverweigerung oder depressive Symptome können zum Handlungsfeld der Jugendsozialarbeit an Schulen gehören. Studien haben gezeigt, dass die Anwesenheit eines Tieres die Motivation fördern kann. Auch dem inneren Rückzug kann Milo entgegenwirken, denn Tiere geben bedingungslose Akzeptanz, spenden Trost, und Vertrautheit, machen Mut«, erklärt die Jugendsozialarbeiterin.

Doch Jennifer Eck verlässt sich nicht alleine auf das Grundtemperament ihres Vierbeiners, sie investiert selbst viel Energie in eine entsprechende Ausbildung. In einem Fernstudium bildet sich die junge Sozialpädagogin nebenberuflich zur Fachkraft für tiergestützte Intervention fort.

Die ganze Schule profitiert

An der Bonhoefferschule wird Milo demnächst auch in die Klassen kommen dürfen – natürlich nur, wo alle Eltern, Lehrkräfte und Kinder damit einverstanden sind. Denn der Umgang mit dem Schulbesuchshund ist freiwillig und in alle Richtungen gut abgestimmt und vorbereitet.

Nicht nur im Einzelkontakt ergeben sich positive Wirkungen. Ein Schulbesuchshund beeinflusst im besten Fall den gesamten Lernort Schule. Milo bemerkt sicher nicht, was sie bewirken kann. Zum Beispiel Stressfaktoren und Aggressionen zu reduzieren oder das soziale Gefüge zu verbessern. »Einen Hund interessiert es ja nicht, welches Handy jemand hat oder ob er Markenklamotten trägt«, sagt Jennifer Eck. »Milo behandelt alle gleich und kann damit den Status eines abgehängten Kindes verändern.«

Aus Sicht der Diakonie fördert das Tier also genau die Werte, die für Zusammenhalt und Gerechtigkeit sorgen. Somit passt auch der Einsatz der jungen Hundedame an der Bonhoefferschule zur obersten Aussage der Leitsätze der Diakonie Hochfranken: »Als Geschöpf Gottes ist jeder Mensch einzigartig und wertvoll.«

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