30.06.2020
Im Kampf gegen die Pandemie

Corona-Tests für alle? Huml fordert Bereitschaft von Ärzten

Bis zur Umsetzung der angekündigten Corona-Tests für jedermann in Bayern wird es laut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) noch eine Weile dauern.
Bluttest Reagenzglas Labor

Zunächst müsse nun das Feedback der niedergelassenen Ärzte abgewartet werden, sagte Huml am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Sie gehe davon aus, dass diese das erweiterte Testangebot "gut annehmen werden". Falls nicht, werde gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns eine Liste mit den Vertragsärzten erstellt, bei denen sich jeder Bürger testen lassen kann. Die ab 1. Juli geltende Strategie müsse sich erst "ein paar Tage einruckeln", so die Ministerin.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zufolge wird das neue Testsystem stufenweise hochgefahren. Erste Priorität hätten weiterhin Menschen mit Symptomen und Verdachtsfälle. Ziel sei nach wie vor, dass diese binnen 48 Stunden einen Test und das Ergebnis bekommen, so Huml. Zudem soll es mehr Reihentestungen etwa für medizinisches Personal, Polizei, Justiz sowie das Personal in Seniorenheimen oder Behinderteneinrichtungen geben.

Kita-Erzieherinnen sollen sich noch vor den Sommerferien testen lassen können, weil die Kitas am 1. Juli den Regelbetrieb wiederaufnehmen.

Überwiegend sollen sie auch in den Sommermonaten geöffnet sein, die Abstands- sowie Maskenregeln dort seien aber nicht gut einhaltbar. Für Lehrkräfte sollen Tests nach den Ferien möglich sein, wenn die zurzeit noch strengen Vorsichtsmaßnahmen in den Schulen gelockert werden.

Der dritte Schritt sind dann die Massentests: Das Kabinett hatte vergangene Woche beschlossen, dass sich künftig jeder Bürger Bayerns bei einem niedergelassenen Arzt kostenfrei auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 testen lassen kann, auch wenn er keine Symptome zeigt.

Söder zufolge sollen in Bayern künftig 30.000 Tests am Tag durchgeführt werden.

Zurzeit seien es 10.000 Tests, die Kapazitäten reichten aktuell für 20.000 Tests täglich. Die Kosten für den Freistaat lägen bei geschätzt 200 Millionen Euro im Jahr. Es gebe "keine besser lohnende Investition", sagte Söder. Zur Strategie gehöre auch, die Öffnung von Schulen und Kitas durch die bayerischen Unikliniken wissenschaftlich begleiten zu lassen. Zudem soll in der zweiten Jahreshälfte auch eine Strategie für Antikörper-Tests entwickelt werden, die zeigen, ob jemand schon einmal infiziert war.

Natürlich seien Massentests nur Momentaufnahmen, sagte Huml - "aber wir brauchen diese auch". Ebenso wichtig sei es, dabei Infektionen zu entdecken, die sonst unerkannt geblieben wären, und die daraus potenziell entstehenden Infektionsketten zu stoppen. Wie oft sich jeder Bürger testen lassen kann, dafür gebe es keine Begrenzung, sagte Söder. Allerdings dürfe die Verfügbarkeit der Tests nicht zu Leichtsinn führen:

Die Vorsichtsmaßnahmen gelte es auch bei einem negativen Testergebnis zu beherzigen.

Bei den Präventionsmaßnahmen sei Testen die einzige medizinische Leistung, die der Staat erbringen könne, sagte Söder. "Testen, testen, testen ist die einzige Chance, Infektionsketten zu unterbrechen." Eigentlicher Hintergrund der Kritik an den Massentests seien die Kosten. Doch zulasten der Sicherheit zu sparen sei der falsche Weg.

Der CSU-Chef geht zudem davon aus, dass auch die anderen Bundesländer bald dem bayerischen Vorbild freiwilliger Corona-Tests für jedermann folgen werden. "Ich glaube schon, dass das eine Wirkung hat weit über Bayern hinaus", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Auch bei den Schulschließungen hätten sich die anderen Bundesländer schließlich Bayerns rigidem Kurs angeschlossen, ebenso bei den Kontaktsperren und zuletzt bei den Beschränkungen für Urlauber aus Corona-Risikogebieten.

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