7.03.2020
Neue Forschungserkentnisse

Honigbienen tänzeln im Dialekt, um Botschaften zu übermitteln

Vermutungen über die Honigbiene, die bereits vor 80 Jahren gestellt wurden, haben sich bewahrheitet: Bienen tanzen - je nach Art - in verschiedenen Dialekten, um ihren Völkern mitzuteilen, wo sich die nächste Futterquelle befindet. Ein Forschungsteam aus Deutschland und Indien hat herausgefunden, wo und wie sich die Tänze unterscheiden.
Biene sammelt Nektar
Tänzeln im Dialekt: Honigbienen

Ein deutsch-indisches Forschungsteam hat nun nachgewiesen, was einige Experten schon seit Jahrzehnten vermutet hatten: Honigbienen tanzen im Dialekt. Verschiedene Bienenarten nutzen unterschiedliche "Tanzdialekte" bei ihrem Schwänzellauf, mit dem sie ihrem Volk die Entfernung und die Himmelsrichtung einer Futterquelle mitteilen, wie die Uni Würzburg am Mittwoch mitteilte.

Forscher des Biozentrums der Uni und des National Centre for Biological Sciences im indischen Bangalore haben diese verschiedenen Tanzstile nun in einer Fachzeitschrift erläutert.

Bewiesen wurde die Vermutung, die es schon seit den 1940er Jahren gibt, in Südindien.

Dort kommen drei verschiedene Honigbienenarten in einer Region vor, erläuterte der Würzburger Doktorand Patrick Kohl, Erstautor der Publikation. Der Schwänzellauf dauert umso länger, je weiter eine Futterquelle vom Bienenstock entfernt ist.

Verschiedene Bienenarten mit unterschiedlichen Flugradien tanzen den Forschern zufolge aber unterschiedlich lange. Zusammengefasst: je größer der potenzielle Flugradius, desto kürzer die Dauer des Schwänzellaufs.

Liegt eine Futterquelle etwa 800 Meter entfernt, tanze die Östliche Honigbiene, die einen Aktionsradius von etwa einem Kilometer hat, deutlich länger als eine Zwerghonigbiene, die bis zu 2,5 Kilometer vom Stock Futter sammelt. Am kürzesten tanze die Riesenhonigbiene, die bis zu drei Kilometer Aktionsradius hat.

Der Zusammenhang zwischen dem Sammelradius und dem Tanzdialekt habe sich auch bei anderen Arten der Honigbiene nachweisen lassen, die beispielsweise in England, in Botsuana oder auch in Japan zu Hause sind, teilte die Uni weiter mit.

Erste Vermutungen in diese Richtungen hatten die Zoologen Karl von Frisch und der Würzburger Martin Lindauer vor ungefähr 80 Jahren. Die aktuellen Ergebnisse der deutsch-indischen Forschergruppe hätten auch die Vermutungen der beiden Zoologen bestätigt. Es handle sich um evolutionäre Anpassungen. Honigbienen, die regelmäßig über weite Strecken fliegen, könnten sich - aus Effizienzgründen - nicht erlauben, diese große Distanz in ihrem Stock durch entsprechend lang dauernde Schwänzelläufe abzubilden.

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