11.09.2018
Augsburg St. Jakob

Kirchengemeinde versorgt müde Jakobs-Pilger

Seit fünf Jahren führt die Gemeinde St. Jakob in Augsburg eine Pilgerherberge. Im Turm der Kirche stehen den Wanderern sechs Betten, eine Küche und ein Bad mit Dusche zur Verfügung.
Zwei Jakobspilger in der Pilgerunterkunft der Kirchengemeinde St. Jakob Augsburg
Erschöpft, aber glücklich angekommen: Alexandra Wanner und Michael Bergemann haben nach einem Regentag auf dem Jakobsweg eine Unterkunft in der Pilgerherberge von St. Jakob gefunden.

Erst mal ankommen und ablegen«, wünscht sich Alexandra Wanner etwas erschöpft. Vor allem die dicken Wanderschuhe und die nassen Strümpfe möchte sie schnell loswerden. Es ist ihr siebter Tag auf dem Jakobsweg durch Schwaben und wieder mal hat es unterwegs gegossen. Als sie am frühen Abend mit ihrem Freund Michael Bergemann die Pilgerherberge der evangelischen Gemeinde St. Jakob in Augsburg erreicht, wird sie beim Jakobs-Lädchen herzlich von »Herbergsvater« Gerhard Steger empfangen und in die kleine Wohnung an der Nordseite der alten Kirche geführt. Die Pilgerunterkunft im Turmaufstieg zur Jakobskirche erscheint als heiß ersehnte Zuflucht, die mit einem Badezimmer und einer eingerichteten Küche ausgestattet ist. Da erfüllt sich auch ihr Wunsch nach »einer heißen Dusche und trockenen Sachen«.

Damit das Ankommen für Pilger in Augsburg nicht in einem teuren Hotel endet, hat die evangelische Kirchengemeinde seit fünf Jahren ein besonderes Angebot: Sie bietet eine kleine, schlicht eingerichtete Wohnung neben dem Kirchturm als »Pilgerherberge« – ganz im Sinne der alten Tradition, die hier an der Pilgerhausstraße schon seit fast 1000 Jahren besteht. Schon damals machten Pilger in der Jakobervorstadt Rast. Heute können angemeldete Wanderer mit Pilgerausweis gegen eine Spende eines der sechs Betten nutzen.

Der Jakobsweg beginnt vor der Haustür

Jakobswege gibt es inzwischen viele, und sie werden viel bewandert. Nicht immer muss es dabei bis nach Spanien ins galicische Santiago de Compostela gehen. Alexandra Wanner, die aus Nördlingen stammt und jetzt im Allgäu lebt, fand es einfach bestechend, dass der Weg »an der Haustür« beginnt, »dass man gleich loslaufen kann« – und dass er ihre alte und die neue Heimat miteinander verbindet. So konnte sie sich die bekannte Region erlaufen – und auch neu entdecken. »Wenn man dann so lange läuft, kann man am Abend überall schlafen«, sagt sie. Aber natürlich sei es wichtig, dass man auch willkommen ist. Michael Bergemann überzeugte an den Wegstationen des Jakobswegs, dass man »nirgendwo blöd angeschaut wurde, wenn man verschwitzt, nass und mit dickem Gepäck ankommt«.

Die Pilgerherberge der Augsburger Jakobs-Gemeinde ist eine der wenigen in Schwaben, daneben gibt es Betten im Kloster Holzen, in Scheidegg und in Lindau. Dazu viele Unterkünfte, die als »pilgerfreundliche Betriebe« ausgewiesen sind. Brigitte Tanneberger, Vorsitzende der Jakobus-Pilgergemeinschaft Augsburg, ist immer auf der Suche nach Herbergen, die es Pilgern erlauben, für wenig Geld oder gegen Spende zu übernachten. Das unterstützt der Verein auch finanziell.

In St. Jakob gibt es zehn Pilgermütter und Pilgerväter

In St. Jakob wechseln sich in der Zeit zwischen Ostern und Ende Oktober zehn Pilgermütter und -väter wöchentlich in der Betreuung der Pilger ab. Das heißt, sie empfangen die Pilger, bieten Informationen zu den weiterführenden Jakobswegen an und sorgen dafür, dass die Herberge freundlich und sauber aussieht. Sie bieten sich auch als Gesprächspartner an, denn, so weiß es die erfahrene Pilgerin Margarete Doldi, »viele sind nach dem Pilgern ganz erfüllt vom Weg und ihren Erlebnissen«. Sie ist selbst in Etappen den ganzen Weg bis nach Santiago de Compostela gelaufen und kennt daher auch das Bedürfnis, abends in Ruhe gelassen zu werden.

   Wer jemals selbst auf dem Pilgerweg gewesen sei, wisse, wie wichtig ein herzlicher Empfang ist, nachdem man den ganzen Tag unterwegs war. Da genüge oft ein herzliches »Grüß Gott!« oder ein kleiner Blumenstrauß auf dem Tisch, erzählt Doldi mit leuchtenden Augen: »Weil ich das selbst so oft erfahren habe, möchte ich das weitergeben.«

Bayerisch-Schwäbischer Jakobsweg

Von Oettingen an den Bodensee

Der bayerisch-schwäbische Jakobsweg ist Teil des mittelalterlichen Pilgerwegs ins spanische Santiago de Compostela. Er beginnt bei der Oettinger Jakobskirche und führt über Donauwörth nach Augsburg. Von dort geht es in zwei Varianten ins Allgäu. Über Buchenberg und Lindenberg gelangt man schließlich nach Lindau und zur Jakobskapelle in Nonnenhorn. Infos und Wegstrecken gibt es beispielsweise hier.

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Pilgern

Johanna Kätzel und Oliver Gußmann vor St. Jakobus.
Autor
Der Jakobsweg zwischen Nürnberg und Rothenburg feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Der damalige Heilsbronner Pfarrer Paul Geißendörfer war 1992 die treibende Kraft für den fränkischen Camino. Er verbindet die Jakobskirchen zwischen den beiden mittelfränkischen Städten mit einem rund 90 Kilometer langen Fußweg. Auf diesem erstrecken sich insgesamt 14 Kommunen: Heilsbronn, Lehrberg und Geslau zum Beispiel.
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