2.04.2018
Bayerische Pilgerwege

Durch Bayern führt ein Netz von alten Jakobswegen

Durch Bayern verlaufen etwa zehn Haupt-Jakobswege – natürlich alle in Richtung Südwesten, in Richtung Spanien. Denn das Ziel aller Jakobswege ist die Stadt Santiago de Compostela unweit der spanischen Atlantikküste. Vor der Haustür kann man sich im Freistaat auf ein Wegstück eines europäischen Mythos begeben.
»Pilgern ist Beten mit den Füßen«: Auf bayerischen Jakobswegen kann man dieses Gebet praktisch vor der Haustür beginnen.
»Pilgern ist Beten mit den Füßen«: Auf bayerischen Jakobswegen kann man dieses Gebet praktisch vor der Haustür beginnen.

Der Weg ist ein Mythos, ein Mythos ist das Ziel: In der Stadt Santiago de Compostela, dem Ziel aller Jakobswege, soll der Legende nach der Jünger Jakobus sein Grab gefunden haben. Ein Gebet in der Kathedrale dort ist das Ziel vieler Jakobspilger. Aber längst nicht alle möchten eine so weite Strecke pilgern oder können sich so lange freinehmen: Bricht man aus Bayern auf, bräuchte man nämlich gut dreieinhalb Monate zu Fuß oder vierzig Tage mit dem Rad, wollte man »in einem Stück« bis nach Santiago gelangen. Pilgern ist »Beten mit den Füßen«, heißt es. Für viele ist deswegen bereits das Begehen nur eines Stücks Jakobsweg eine Gottes­erfahrung.

Durch Bayern führt ein Netz von etwa zehn Haupt-Jakobswegen Richtung Süden und Westen, auf Spanien, auf Santiago zu. Die Wege sind sämtlich gut ausgeschildert mit dem Symbol der gelben Jakobsmuschel auf blauem Grund. Deren »Strahlen« scheinen wie die vielen Jakobswege in Europa auf einen Punkt – Santiago – hinzuführen.

Unterwegs zu Gott

Es gibt einen fränkisch-schwäbischen Jakobsweg und einen durch den Steigerwald, einen mittelfränkischen Jakobsweg und mehrere oberfränkische Jakobswege. Jakobswege führen von Salzburg durchs Voralpenland Richtung Westen, sie führen von Nürnberg über Ulm nach Konstanz oder vom Böhmerwald nach Tirol. Unter den Adressen pilgern-bayern.de und tourismus.bayern-evangelisch.de hat die bayerische Landeskirche umfangreiche Informationen zu den Jakobswegen und anderen Pilgerwegen zusammengestellt. Auch Kurzpilgerwanderungen oder Tagestouren lassen sich damit planen. Viele Kirchen liegen am Wegesrand. Unter offenekirchenbayern.de können Pilger im Internet nachsehen, welche evangelischen Kirchen auch unter der Woche verlässlich zum Besuch geöffnet sind.

Kreuz-Weg.
Kreuz-Weg.

Spätestens mit Hape Kerkelings Buch »Ich bin dann mal weg« (2006) ist der europäische Pilger-Boom auch in Deutschland angekommen. Rund 300.000 Menschen suchen inzwischen jedes Jahr christliche Lebensdeutung auf den uralten Wegen nach Santiago. Während die einen beim Pilgern eine Krise wie etwa den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten wollen, suchen andere die Auszeit vom turbulenten Alltag. Auch in Übergangsphasen des Lebens, etwa zwischen Schule und Studium oder zwischen zwei Arbeitsstellen, gehen Menschen gerne auf die spirituelle Reise.

Und manche Menschen starten als Wanderer und kommen als Pilger wieder nach Hause zurück.

Wer war Jakobus?

Wer war nun dieser Jakobus, zu dem die vielen Wege quer durch Europa führen? Er war – wie sein Bruder Johannes – einer der Jünger Jesu und wird auch »der Ältere« genannt, um ihn von anderen Jakobussen des Neuen Testaments zu unterscheiden, zum Beispiel von einem der Brüder Jesu. Jakob und Johannes waren die Söhne des Zebedäus, der eine florierende Fischerei im Norden des Sees Genezareth betrieb – mit eigenem Boot und Angestellten (»Tagelöhnern«). Mehrere Jahre nach Jesu Tod wurde Jakobus der Apostelgeschichte zufolge in der Zeit des Herodes Agrippa I. (41-44 n. Chr.) mit dem Schwert hingerichtet. Der Legende nach übergaben Jünger seinen Leichnam einem Schiff ohne Besatzung, das später in Galicien im Nordwesten Spaniens anlandete. Helfer sollen Jakobus dann im Landesinneren beigesetzt haben.

Auf vielen Bildern der christlichen Kunst wird Jakob selbst wie ein Pilger dargestellt: mit weitem Mantel, Muschelhut und Pilgerstab, manchmal auch mit Reisetasche und Kalebasse, der mittelalterlichen Feldflasche. Sein Gedenktag ist der 25. Juli, an dem besonders viele Pilgerinnen und Pilger unterwegs sind – auch in Bayern.

Das Symbol der Jakobswege ist eine stilisierte gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund. Ihre »Strahlen« scheinen wie die vielen Jakobswege in Europa auf einen Punkt hinzuführen: Santiago de Compostela in Nordwestspanien.
Das Symbol der Jakobswege ist eine stilisierte gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund. Ihre »Strahlen« scheinen wie die vielen Jakobswege in Europa auf einen Punkt hinzuführen: Santiago de Compostela in Nordwestspanien.

JAKOBSNETZ

Einen Überblick über die Jakobswege in Bayern bietet pilgern-bayern.de

Weitere Informationen gibt es unter
jakobus-franken.de
jakobus-oberfranken.de
deutsche-jakobswege.de
jakobswege-europa.de

(Fast) alles, was man zur Ausrüstung wissen muss, Packlisten und mehr findet man unter www.pilgerwissen.de

Verzeichnisse verschiedener Jakobusgesellschaften und nützliche Unterkunftslisten gibt es unter pilgerunterkunft.de

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