Besonderer Gottesdienst
Wer 45 oder mehr Jahre verheiratet ist, kann an einem Segens-Gottesdienst teilnehmen. Die Eheleute sollen so ihr Jubiläum auch in der Pandemie feiern können.
Altenheimseelsorgerin Ursula Bühler in der Kirche St. Anna in Augsburg: "Alle, die das Gefühl haben, sie brauchen Zuspruch oder die sich einfach nur an ihr erstes ,Ja' erinnern wollen, sind willkommen", sagt sie.

An den ersten Segens-Gottesdienst für Ehejubilare erinnert sich Ursula Bühler noch sehr gut. Am Ende der Feier habe das älteste unter den Ehepaaren miteinander getanzt, erzählt die Augsburger Altenheimseelsorgerin: "Wir sind danach alle beschwingt nach Hause gegangen." Das war im Frühjahr 2019 – noch vor Corona.

Doch auch nach Beginn der Pandemie verfolgte Ursula Bühler zusammen mit Citykirchen-Pfarrerin Bettina Böhmer-Lamey das Projekt des besonderen Gottesdiensts für Jubelpaare weiter. Im Oktober des vergangenen Jahrs gab es erstmals unter Corona-Bedingungen eine solche Feier in der Augsburger Kirche St. Anna. Nun soll es die dritte Auflage des Gottesdiensts geben: am 15. Mai, erneut in St. Anna.

Es muss kein rundes Jubiläum sein

"Die Annakirche ist so groß, so hell. Man kann dort als Paar zusammensitzen, mit Abstand zu den anderen, und sehr sicher unter Corona-Bedingungen den Gottesdienst feiern", sagt Ursula Bühler. Eingeladen dazu sind Ehepaare, die 45 Jahre oder mehr verheiratet sind (siehe Kasten).

Sie müssen aber 2021 nicht unbedingt ein rundes Jubiläum feiern, sagt die Altenheimseelsorgerin. In ihrer Arbeit erlebe sie es oft, dass ältere Paare erzählen, wie unglücklich sie darüber seien, 2020 ihr Ehe-Jubiläum verschoben zu haben, erzählt Pfarrerin Bühler. Auch diesen Paaren wolle man die Gelegenheit geben, sich segnen zu lassen: "Alle, die das Gefühl haben, sie brauchen Zuspruch, oder die sich einfach nur an ihr erstes Ja erinnern wollen, sind willkommen."

Feier mit festlicher Musik

Gefeiert wird ein Gottesdienst mit festlicher Musik, aber ohne Gesang. Neben der Altenheim- und der Citykirchen-Pfarrerin ist Augsburgs Dekan Michael Thoma dabei. Die Paare werden im Gottesdienst vom Altar aus gesegnet. "Sie können sich dann an die Hand nehmen und sich diesen Segen noch einmal gegenseitig zusprechen", erläutert die Pfarrerin. Zum Abschluss wird von jedem Paar ein Foto gemacht.

Vielen älteren Ehepaaren sei durch die Pandemie bewusst geworden, wie kostbar die Zeit ist, die ihnen noch bleibe, sagt Ursula Bühler:

"Sie merken, wie wenig selbstverständlich es ist, gut und behütet miteinander leben und füreinander da sein zu können."

Überdies hätten viele Paare das Bedürfnis, sich zu vergewissern, welche Höhen und Tiefen sie im Laufe der Jahrzehnte gemeinsam durchlebt haben. So lange miteinander verheiratet zu sein, sei keine Selbstverständlichkeit, so die Altenheimseelsorgerin. Im Gottesdienst wolle man "diese Lebensleistung, die auch eine Gnade ist, wahrnehmen".

An jeder Beziehung muss man arbeiten

Dann erzählt die Pfarrerin von einer Dame, die sie im Krankenhaus kennengelernt habe und die stolz berichtete, dass sie über 60 Jahre verheiratet sei. "Ich habe sie gefragt: Was ist das Geheimnis, so lange verheiratet zu sein? Sie hat geantwortet: ›In unserer Generation, da hat man noch repariert – und nicht weggeworfen.‹" Das, so Ursula Bühler gelte eben auch für die Beziehung:  "Daran arbeiten, so weit es geht und wissen, dass vieles auch Gnade und Geschenk ist – und segensbedürftig."

Anmeldung nötig

Der Gottesdienst in St. Anna richtet sich an Paare, die 45, 50, 55, 60 oder mehr Jahre verheiratet sind – "und an alle, die dazwischenliegen", sagt Pfarrerin Ursula Bühler. Die Feier beginnt am Samstag, 15. Mai, um 15 Uhr. Verbindliche Anmeldung bis 5. Mai im Evangelischen Forum Annahof: Telefon (0821) 45017-1202, Mail sekretariat@annahof-evangelisch.de

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