20.11.2020
Gedenken in Milbertshofen

Bischöfe Bedford-Strohm und Marx gedenken deportierter Münchner Juden

Die Bischöfe Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx haben an die erste Deportation von München Juden in der NS-Zeit erinnert - und dabei auch das Wegschauen der Kirchen kritisiert.
Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strohm bei der Gedenkveranstaltung

"Voller Scham müssen wir heute feststellen, dass die Kirchenleitungen nicht bereit waren, sich dieser Deportation offiziell entgegen zu stellen und dagegen politisch aktiv zu werden",

sagte der bayerische evangelische Landesbischof Bedford-Strohm bei einer Gedenkveranstaltung am Donnerstagabend in München und erinnerte an die erste Deporation von Münchner Juden in der NS-Zeit.

Zugleich rief er dazu auf, "klar zu widersprechen, wenn versteckte oder offene rechtsradikale Auffassungen heute wieder salonfähig gemacht werden sollen".

Gedenken in Milbertshofen

Der Münchner Erzbischof Marx sagte, dass das Schweigen, die Teilnahmslosigkeit, das Wegschauen der Bevölkerung und auch der Kirche von heute aus gesehen beschämend und unverzeihlich seien.

"Ohne Zweifel müssen wir sagen: Auch die Kirche, voran die Bischöfe, sind durch Schweigen schuldig geworden." Die Gedenkveranstaltung, zu der die Gemeinschaft Sant'Egidio und die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern eingeladen hatten, fand in der Nähe des damaligen sogenannten Judenlagers Milbertshofen statt.

20. November 1941

In den frühen Morgenstunden des 20. Novembers 1941 fuhr den Angaben zufolge vom Güterbahnhof Milbertshofen der erste Deportationszug nach Osteuropa ab mit 1.000 Juden, darunter 130 Kinder und Jugendliche. Wenige Tage später wurden die Menschen erschossen.

Bedford-Strohm sagte weiter, ihn habe das Wort eines US-amerikanischen Theologen erschreckt, der mit Blick auf die Shoa gesagt hatte: "Nicht alle Christen waren Mörder, aber alle Mörder waren Christen."

Diese Erkenntnis ermahne alle, gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit aufzustehen und den heutigen Antisemitismus zu bekämpfen.

Kardinal Marx sagte weiter:

"Der Weg bis zum 20. November 1941 war ja von vielen Seiten - auch von Christen - bereitet durch Hetze und entwürdigendes Verhalten gegenüber den jüdischen Mitbürgern."

Das dürfe sich nie mehr wiederholen, deshalb gelte: "Christen und Juden werden sich in diesem Land, in dieser Stadt nie mehr gegeneinanderstellen. Gerade in Zeiten eines neuen Antisemitismus müssen und werden wir dieses Zeugnis des Miteinanders setzen", mahnte der katholische Theologe.

Die Gedenkveranstaltung wurde live im Internet übertragen.

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