"Ohne Auto, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib."
Diesen Satz hat Markus Söder gesagt. Kein Witz. Kein Satireformat. Kein Kabarett. Sondern der bayerische Ministerpräsident, der allen Ernstes glaubt, so lasse sich die wirtschaftliche Lage dieses Landes beschreiben.
Immerhin eines kann man Markus Söder zugutehalten: Er scheint seine Reden und Interviews nicht von der Pressestelle schreiben zu lassen. Denn so dumm, so schief, so verletzend – das traut man keinem professionellen Redenschreiber zu. Das muss schon ganz Söder sein.
Ich schäme mich für Söder
Trotzdem schäme ich mich, weil es 2025 immer noch möglich ist, dass ein Regierungschef Frauen in einem Atemzug mit Unterleib und Industrie gleichsetzt. Schäme mich, weil Männer wie Söder das Bild von uns allen prägen: selbstherrlich, chauvinistisch, respektlos.
Seine Worte sind nicht nur ein "unglücklich gewähltes Bild". Mit so einem Laber-Rhabarber beschreibt es dann seine Pressestelle(wenn er schon sonst nicht auf seine Mitarbeiter hört). Das "unglücklich gewählte Bild" ist also das billige Feigenblatt, das seine Verteidiger reflexartig hochhalten.
Nein, nichts unglücklich, Söder hat einfach gesagt, was er denkt. Er hat offenbart, wie tief in ihm ein Bild verankert ist, für ihn sind Frauen Körper, nicht Menschen. Für ihn sind Frauen schmückendes Beiwerk – Hausfrau, Mutter, Putzfrau. Und wenn es um Politik geht, taugen sie allenfalls als Metapher. Söder schafft es mit ein paar Worten uns zurück in eine Welt zu werfen, aus der viele längst ausgebrochen sind.
Keine Staatskunst, sondern peinlich
Was mich besonders wütend macht: Söder hält sich für den Mount Everest der politischen Welt. Er glaubt, mit kernigen Bildern das Land zu erklären. In Wahrheit ist er ein Fähnchen im Wind, das seine Richtung nach jedem Stimmungsbarometer ändert. Und wenn es gerade passt, haut er einen Spruch raus, der klingt wie ein Stammtischwitz nach der dritten Maß, und natürlich den dritten Dönern, den er sich genüsslich auf Social Media reinzieht. Das ist keine Staatskunst. Das ist peinlich. Und für mich als Mann: beschämend.
Sprache prägt Denken. Und wenn ein Ministerpräsident so spricht, dann normalisiert er dieses Denken. Er gibt all denen Auftrieb, die ohnehin meinen, Frauen seien nur dann "vollständig", wenn sie Kinder bekommen. Er liefert die Vorlage für jene, die Künstlerinnen wie Jennifer Weist diffamieren, weil sie unbequem sind. Er zeigt, dass es für ihn selbstverständlich ist, Frauen zu reduzieren.
Wo bleiben die Kollegen aus seiner eigenen Partei, die sagen: "So reden wir nicht über Frauen, nicht in diesem Land, nicht in dieser Zeit!" Fehlanzeige. Schweigen. Lächeln. Abwiegeln.
Neue Männer braucht das Land
Ich sage es klar: Ich schäme mich. Ich schäme mich, weil ein Mann wie Söder Frauen zur Metapher für Industrie degradiert. Ich schäme mich, weil er zeigt, wie wenig Respekt er hat. Und ich schäme mich, weil solche Sprüche bis heute durchgehen – als Pointe, als "unglücklich formuliert", als kleine Randnotiz.
Doch es reicht. Neue Männer braucht das Land. Männer, die zuhören können. Männer, die Haltung zeigen. Männer, die nicht jedes Gespräch mit dummen Sprüchen dominieren. Männer, die nicht auf den Unterleib schielen, wenn sie über Politik reden. Kurz gesagt: einfach genau das Gegenteil von Markus Söder.
Ich bin Mann. Und ich sage: Für Söder schäme ich mich. Für seine Verteidiger schäme ich mich. Für all jene, die ihn beklatschen, schäme ich mich. Und manchmal auch für mein eigenes Geschlecht, weil es solche Typen immer noch so weit bringt. Aber eines ist sicher: Alte Männer wie Söder – ihre Zeit läuft ab.