München (epd). Der Personalmangel im Kita-Bereich belastet den Alltag junger Familien laut einer Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Mehr als die Hälfte der berufstätigen Eltern, deren Kinder eine Kita oder Tagespflege besuchen, habe in den vergangenen drei Monaten erlebt, dass eine Einrichtung wegen Personalmangels geschlossen oder nur verkürzt geöffnet wurde, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag). Ein Großteil der Eltern gab an, durch die Schließungen belastet zu sein.

Ein Drittel der Befragten habe wegen der Umstände die eigene Berufstätigkeit reduziert, vor allem Mütter hätten demzufolge die zusätzliche Kinderbetreuung übernommen. Bettina Kohlrausch, die Leiterin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (WSI), spricht von einem Auseinanderklaffen von Anspruch und Realität bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie fordert eine politische Ausbildungsoffensive, um den Fachkräftemangel zu bewältigen.

Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hatte noch am Montag Zuversicht verbreitet: Bis 2028 würden alle 180.000 benötigten zusätzlichen Betreuungsplätze vom Kleinstkind bis zum Viertklässler zur Verfügung stehen - und auch bei den Fachkräften werde sich die aktuelle Lücke schließen. Die Opposition im Landtag und auch die Experten der Bertelsmann-Stiftung waren da zuletzt weniger optimistisch: Die Stiftung geht davon aus, dass in Bayern 2030 bis zu 67.000 Fachkräfte für Kitas und Schulkinderbetreuung fehlen könnten.