München (epd). Täglich zehn Hektar statt fünf: Der Bund Naturschutz (BN) hat dem Freistaat Versagen beim Flächenverbrauch vorgeworfen. Die Staatsregierung habe es während ihrer Amtszeit nicht geschafft, den Flächenfraß in Bayern einzudämmen, teilte der BN am Freitag mit. "Jeden Tag werden weitere zehn Hektar Fläche verbraucht", hieß es. Bei Amtsantritt 2018 hätten CSU und Freie Wähler hingegen noch versprochen, "sorgsamer mit der Fläche umzugehen" und den Verbrauch auf fünf Hektar pro Tag zu begrenzen. Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, seien jedoch "kaum erkennbar".

Jeden Tag würden wertvolle Grünflächen, Wälder oder Feuchtgebiete gerodet, asphaltiert, überbaut und versiegelt, kritisierte BN-Vorsitzender Richard Mergner: "Oft sind sie für immer verloren." Wirtschaftliche Interessen und "aus der Zeit gefallene Wachstums-Fantasien etwa beim Straßenbau" würden über den Erhalt der Lebensgrundlagen gestellt. In Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise bezeichnete Mergner diese Haltung als "rücksichtslos".

Im Fokus der Naturschützer stehen derzeit das geplante BMW-Werk in Straubing sowie Ortsumfahrungen in Obertraubling und Geiselhöring. Gegen die Bauvorhaben demonstriert der BN am Sonntag (23. Juli) mit der Initiative "Gegen Flächenfraß Gäuboden". Bei den Umfahrungen gehe es laut Mitinitiatorin Angela Ramsauer nicht um Entlastung der Ortskerne, sondern um eine "leistungsstarke Achse" von Straubing zur Bundesstraße 15 bei Neufahrn: "Und das heißt mehr LKW-Verkehr und weiterer Flächenverbrauch im Labertal."