München, Berlin (epd). In Bayern sind in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche geschützte Baudenkmale verloren gegangen. Das geht aus dem neuen "Schwarzbuch der Denkmalpflege" hervor, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Die Publikation dokumentiert für die Jahre 2024 und 2025 bundesweit mehr als 1.000 Abrisse, Zerstörungen oder Aberkennungen des Denkmalstatus. Dies sei aber nur ein Bruchteil der Verluste, da Gebäude zuvor oft von Denkmallisten verschwunden seien und ein Verlust somit nicht bekannt wurde, sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny.
Prominente Verluste in Bayern seien etwa der Abriss eines Fachwerkhauses von 1600 in Winkelhaid (Landkreis Nürnberger Land), das ein frühes Zeugnis des fränkischen Fachwerkbaus darstellte, heißt es im Schwarzbuch. Nachdem im Inneren bereits Wände und Decken entfernt worden waren, verlor es seinen Denkmalstatus und wurde 2025 abgerissen. Durch einen Brand beschädigt wurde 2021 das Hotel Luis in Dinkelsbühl (Landkreis Ansbach) aus dem 16. Jahrhundert, 2023/2024 wurde es schließlich abgerissen.
Stiftung fordert bundesweite Erfassung des Denkmalbestandes
Als gefährdet listet das Schwarzbuch in Bayern die alte Schule in Ballingshausen (Landkreis Schweinfurt) auf. Bei dem Gebäude von 1870 sei besonders die Fassade mit schieferähnlicher Verblechung markant. Um den Vorplatz zu vergrößern und die Sicht auf die Kirche freizumachen, soll es abgerissen werden. Das ehemalige Gasthaus "Zum Weißen Schwanen" in Thurnau (Landkreis Kulmbach) aus dem 17. Jahrhundert ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Es soll für eine Straßenverbreiterung weichen. Derzeit wird eine Verbandsklage gegen den Abriss auf den Weg gebracht.
Gerettet werden konnte dagegen das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag VII A in Moosburg an der Isar (Landkreis Freising) als "ein wichtiges Stück deutscher Kriegs- und Nachkriegsgeschichte". Dort soll nun ein Dokumentationszentrum entstehen.
Die Denkmalstiftung fordert eine bundesweite Erfassung des Denkmalbestandes in Deutschland. Das "Bauen im Bestand" müsse vereinfacht werden. Fachbehörden benötigten mehr Kompetenz, Eigentümer von Denkmälern sollten entlastet werden. Nötig seien auch niedrigschwellige Förderprogramme. Zudem müssten Abrisse und Streichungen von der Denkmalliste transparent veröffentlicht werden. Das Schwarzbuch der Denkmalpflege ist den Angaben zufolge der einzige bundesweite Lagebericht zur Situation des Denkmalschutzes in Deutschland.