Nürnberg (epd). Pfändungsschutzkonten müssen nach Forderung der Diakonie Bayern zuverlässiger eingerichtet werden. "Wenn Betroffene trotz gesetzlicher Ansprüche nicht an ihr eigenes Geld kommen, läuft etwas grundlegend falsch", sagte Diakonie-Präsidentin Sabine Weingärtner am Donnerstag anlässlich der Aktionswoche Schuldnerberatung. Diese dauert vom 15. bis 19. Juni und steht unter dem Motto "Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird".
Ein Pfändungsschutzkonto soll laut Diakonie-Angaben sicherstellen, dass Menschen auch bei einer Kontopfändung weiterhin über das für ihren Lebensunterhalt notwendige Geld verfügen können. Der gesetzliche Grundfreibetrag liegt aktuell bei 1.560 Euro im Monat. Für Menschen mit Unterhaltspflichten oder besonderen Lebenssituationen können höhere Freibeträge gelten.
Täglich diesselbe Frage in Beratungsstellen: Wie komme ich an mein Geld?
"Wer Anspruch auf Pfändungsschutz hat, muss diesen Schutz auch tatsächlich und ohne bürokratische Hürden erhalten", sagte Weingärtner. Doch oftmals würden Umwandlungen von Girokonten auf Pfändungsschutzkonten verzögert, erhöhte Freibeträge würden nicht rechtzeitig berücksichtigt oder Guthaben blieben blockiert. "Dann können Mieten, Stromabschläge oder der Einkauf von Lebensmitteln nicht mehr bezahlt werden."
Die Diakonie-Beraterinnen und -Berater hörten täglich dieselbe Frage: "Wie komme ich an mein Geld?", sagte Weingärtner weiter. Sie forderte daher klare und verbindliche Standards für Kreditinstitute, etwa leicht erreichbare Ansprechstellen, ausreichend geschultes Personal sowie wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen geltendes Recht.
Monatlich bis zu 350.000 Kontopfändungen bundesweit
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) kommt es in Deutschland monatlich zu rund 300.000 bis 350.000 Kontopfändungen. "Für viele Betroffene ist das Pfändungsschutzkonto darum das entscheidende Instrument, um das Existenzminimum zu sichern", sagte Weingärtner. Die Diakonie in Bayern hat 26 soziale Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in 34 kreisfreien Städten und Landkreisen. 15.236 Menschen nutzten im vergangenen Jahr das Angebot.