Am 13. September wird in Bamberg der bundesweite Tag des offenen Denkmals eröffnet. Erstmals seit zehn Jahren findet die zentrale Eröffnung damit wieder in Bayern statt. Warum sind alte Gebäude, Anlagen und Orte mehr als bloße Relikte vergangener Zeiten? Und wie steht es um ihren Schutz im Freistaat?

Ursula Schirmer, Kunsthistorikerin bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, erklärt, was ein Denkmal ausmacht, warum Denkmalpflege auch eine Frage der Nachhaltigkeit ist und weshalb sie die neue Kategorisierung von Denkmalen in Bayern kritisch sieht. Außerdem verrät sie, welche Orte Besucherinnen und Besucher beim Tag des offenen Denkmals nicht verpassen sollten.

Warum die Eröffnung in Bamberg stattfindet

Warum findet die Eröffnung des Tags des offenen Denkmals dieses Jahr in Bamberg statt?

Ursula Schirmer: Die Städte können sich um die Veranstaltung bewerben und in Bamberg hat einfach die Gemengelage gestimmt. Die historische Altstadt ist Weltkulturerbe und eines der größten Flächendenkmale, das wir in Deutschland haben. Sie ist im Krieg weitgehend unzerstört geblieben. Außerdem gibt es in Bamberg viele engagierte Denkmalpfleger, Vereine und Initiativen.

Und es gibt an der dortigen Universität sowohl den Masterstudiengang Denkmalpflege als auch das Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien. Die Uni arbeitet dabei eng mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und anderen Partnern aus dem Denkmalschutz zusammen.

Was definiert eigentlich ein Denkmal?

Im Bayerischen Denkmalschutzgesetz heißt es: "Denkmäler sind von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt." Ein Denkmal ist also authentisches Zeugnis etwa für frühere Lebensverhältnisse oder industrielle Entwicklungen.

Es muss dabei nicht immer schön sein, das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Jedes Denkmal ist individuell, etwas ganz Besonderes. Es hat Patina, Würde. Und es ist echt.

Warum ist es wichtig, Denkmäler zu erhalten?

Denkmäler sind Wissensspeicher. Sie sind wichtig für die Identität und Geschichte eines Landes, einer Region. Gerade in einer Zeit wie heute, wo viel Geschichtsklitterung stattfindet, sind wirklich authentische Zeugnisse umso wichtiger, die Auskunft darüber geben können, wie etwas früher war. "Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wohin er geht", ist ein oft benutztes Zitat, das unter anderem Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, zugeschrieben wird. Man kann nur aus der Geschichte heraus die Zukunft richtig gestalten.

Außerdem ist Denkmalpflege Nachhaltigkeit. Denkmalpflege macht seit Jahrhunderten das, was heute gepredigt wird, nämlich Gebäude umzunutzen, zu reparieren, anstatt sie abzureißen und neu zu bauen. Das ist letztlich viel rausgeschmissenes Geld. Ein Gebäude, das 500 Jahre gestanden hat, steht auch noch einmal 100 Jahre, wenn man es ordentlich pflegt. Das sind Ressourcen, die man nutzen sollte.

Denkmalschutz in Bayern

Wie ist Bayern im Vergleich zu anderen Bundesländern aufgestellt, was den Denkmalschutz angeht?

Denkmalschutz ist in Deutschland Ländersache. In Bayern ist Denkmalschutz sogar in der Verfassung verankert, dort heißt es: "Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen." Denkmalschutz hat hier also einen hohen Stellenwert.

Bayern ist ein sehr traditionsreiches Bundesland. Die Menschen engagieren sich, gerade in den ländlichen Regionen, sehr stark für ihre Denkmale. Das ist identitätsstiftend, das ist Heimat. Dieses bürgerschaftliche Engagement ist sehr wichtig.

Was in Bayern auch gut läuft: Vor ein paar Jahren wurde im Landesamt für Denkmalpflege ein Bürgerbüro eingerichtet, an das man sich als Einzelperson oder beispielsweise als Förderverein für eine Dorfkirche wenden kann, um fachliche Beratung zu bekommen. Das ist für die ehrenamtliche Denkmalpflege und Denkmaleigentümer in Bayern ganz wichtig, dass sie diese Fachkompetenz des Landesamtes nutzen können und so auch bei Diskussionen vor Ort den Rücken gestärkt bekommen.

Und was läuft in Bayern nicht so gut?

Jedes Bundesland hat ein eigenes Denkmalschutzgesetz, die sich teils deutlich unterscheiden. In vielen Bundesländern sollen diese Gesetze gerade geändert werden, oft unter dem Schlagwort "Entbürokratisierung".

Das bayerische Gesetz wurde Anfang des Jahres geändert. Es soll nun verstärkt eine Kategorisierung von Denkmalen eingeführt werden in überregional, regional und lokal bedeutend. Das sehen wir sehr kritisch. Wenn die Ressourcen knapp werden und die Fördermittel hauptsächlich in die Städte und in die Welterbestätten fließen, kann man sich an einer Hand ausrechnen, was das für die kleine Dorfkirche oder den Stadel auf dem Land bedeuten würde. Aber ein Denkmal ist ein Denkmal.

Wir werden das weiter beobachten. Die Richtlinien, die sich aus dem neuen Gesetz ergeben, sind noch nicht umgesetzt. Es wird sich zeigen, wie scharf das dann gehandhabt wird und ob es ausgenutzt wird, etwa von Investoren, die auf maximalen Gewinn aus sind. Aber wir hoffen mal auf die traditionsbewussten Bayern.

Tipps für den Tag des offenen Denkmals

Welche Denkmäler lohnen sich am Tag des offenen Denkmals in Bamberg besonders für Besucherinnen und Besucher?

Wer sich für technische Denkmale interessiert, kann in Bamberg im Rahmen einer Führung den ehemaligen Lokschuppen aus dem 19. Jahrhundert besuchen. Oder das sogenannte Schwertfegerhäuschen in der Altstadt, wohl eines der ältesten Häuser Bambergs.

In der Dombauhütte kann man den Steinmetzen bei der Arbeit über die Schulter gucken, das ist sehr spannend. Und in der Klosteranlage Sankt Michael gibt es beim Kaiser-Heinrich-Portal Vorträge zur Baustelle und zu den Erhaltungsmaßnahmen dort.

Und in anderen Teilen Bayerns?

Ich empfehle auf jeden Fall das Orgelmuseum im Alten Schloss Valley (Landkreis Miesbach), das finde ich ganz toll. Das ist nach eigenen Angaben die größte Orgelsammlung der Welt. Dort kann man eine Führung machen mit Sixtus Lampl, dem Sammler dieser Orgeln und Initiator des Museums.

In München finde ich die ehemalige Universitätsfrauenklinik in der Maistraße ganz spannend, mit Blick auf ihre Umnutzung. Die Klinik ist seit 2023 geschlossen und soll nach Sanierungsmaßnahmen von der Fakultät für Mathematik der Ludwig-Maximilians-Universität genutzt werden. Wie saniere ich Räume einer ehemaligen Klinik, die unter Schutz steht? Was kann man machen, was nicht? Das erfährt man dort bei einem geführten Rundgang.