Nürnberg, Rothenburg (epd). Bei der Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) sind nach Überzeugung des Nürnberger Ethikprofessors Arne Manzeschke alle Menschen gefragt - und nicht nur Fachleute. Es bedürfe einer "gemeinsamen menschlichen Anstrengung, um hier einen konstruktiven Weg zu finden", schreibt er in einem Beitrag für die Evangelische Akademie Tutzing laut Mitteilung vom Donnerstag.
Die Menschen müssten sich dabei mit einer Reihe von Fragen auseinandersetzen, etwa nach welchem Bilde die neuen intelligenten Maschinen konstruiert werden sollen und wie viel Freiheit sie dabei bekommen sollen. Oder: "Wie können wir uns darauf vorbereiten, dass sie unsere menschliche Freiheit beschränken werden - auch wenn das nicht in unserem Interesse ist?", schreibt Manzeschke.
Beim Einsatz von KI im Gesundheitswesen stelle sich die Frage, ob intelligente Maschinen die Medizin nur noch technischer mache oder ob sie Ressourcen bieten könne für mehr Zeit und Gespräche. Hier sei die Beteiligung aller gefragt, um sowohl überzogenen Erwartungen wie Horrorszenarien ihre Wirkung zu nehmen, betonte Manzeschke, der Professor für Ethik und Anthropologie an der Evangelischen Hochschule Nürnberg ist.
Mit seinem Beitrag will er zugleich auf ein Medizin-Theologie-Symposium hinweisen, das vom 4. bis 6. Oktober im Wildbad Rothenburg stattfindet und sich mit "Sprechender Medizin und intelligenten Maschinen" beschäftigt. Neben ihm und weiteren Fachleuten ist bei der Tagung auch Navel zu Gast, ein mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter humanoider Roboter, der in der Pflege bereits eingesetzt wird und mit dem die Symposiumsgäste interagieren können.