Geschlossene Schulen, Kitas und Sportvereine: Die Corona-Pandemie hatte laut Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) erhebliche körperliche, psychische und soziale Folgen für Kinder und Jugendliche. Diese Folgen würden sich teilweise erst noch zeigen, sagte er am Donnerstag bei der Vorstellung des aktuellen Kindergesundheitsberichts der Staatsregierung mit dem Titel "Kindergesundheit in Zeiten einer Pandemie - Ein Überblick in Schlaglichtern".

Genaues Ausmaß noch offen

Es sei noch offen, in welchem Ausmaß die jungen Leute von Long Covid oder von Langzeitfolgen durch Kontaktbeschränkungen betroffen seien. "Wir müssen daher die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche in den nächsten Jahren weiterhin sehr aufmerksam im Blick behalten", mahnte Holetschek. Zugleich betonte er:

"Bei allen Belastungen während der vergangenen zwei Jahre gilt: Der Mehrzahl unserer Kinder und Jugendlichen in Bayern geht es nach wie vor gut."

Ausschlaggebend für die Probleme der jungen Leute seien vor allem die Schließungen von Kitas, Schulen und Freizeitangeboten gewesen, sagte Holetschek. Der COPSY-Studie der Uniklinik Hamburg-Eppendorf zufolge stieg in Deutschland der Anteil der 11- bis 17-Jährigen, die von einer verminderten Lebensqualität berichteten, während der Corona-Pandemie von 15 auf 40 Prozent. Betroffen seien zuvorderst Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien.

Arbeiterwohlfahrt fordert flächendeckenden Krisendienst

Die Arbeiterwohlfahrt in Bayern (AWO) forderte die Staatsregierung auf, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auf allen Ebenen zu gewährleisten. Konkret brauche es einen flächendeckenden psychiatrischen Krisendienst auch für Minderjährige, genügend kinder- und jugendspezifische Fachkräfte in entsprechenden Einrichtungen sowie ausreichend Plätze in jugendpsychiatrischen Kliniken und psychotherapeutischen Praxen. Außerdem müssten in Kitas und Schulen die Mitsprache der jungen Leute gestärkt werden.

Holetschek wiederum forderte den Bund zum Handeln auf, unter anderem brauche es eine Enquete-Kommission auf Bundesebene zu den Pandemie-Folgen für Kinder und Jugendliche. Auch der in der vergangenen Woche veröffentlichte Bericht der Krankenkasse DAK bestätige, dass psychische Störungen wie Depressionen und Essstörungen in der Pandemie deutlich zugenommen hätten.

In Bayern leben rund 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche. Der aktuelle Kindergesundheitsbericht ist eine Fortschreibung des Berichts von 2015.