Die investigative Recherche zu vermeintlichem Machtmissbrauch bei Axel Springer wurde von der Ippen-Gruppe vorerst nicht publiziert. Nun wird doch eine Veröffentlichung geprüft.

München (epd). Die Ippen-Gruppe will die Recherche seines Investigativteams zu vermeintlichen Missständen beim Medienhaus Axel Springer offenbar nicht weiter zurückhalten. "Derzeit prüfen wir, wann und wie wir eine Veröffentlichung publizieren", sagte ein Sprecher der Verlagsgruppe dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag in München. Zuvor hatte der "Spiegel" Teile der zuvor zurückgehaltenen Recherche des Ippen-Investigativteams zu vermeintlichem Machtmissbrauch im Medienhaus Axel Springer veröffentlicht. Diese war am Sonntag - obwohl bereits eingeplant - von der Verlagsspitze der Ippen-Gruppe entgegen der Proteste von Mitarbeitenden zurückgehalten worden.

Der Fokus des am Montagabend online im "Spiegel" veröffentlichten Artikels liegt auf dem Umgang des ehemaligen "Bild"-Chefredakteurs Julian Reichelt mit ihm unterstellten Frauen. Reichelt war am Montag von seinen Aufgaben entbunden worden. Grund war die Erkenntnis des Springer-Vorstands, dass Reichelt Privates und Berufliches auch nach dem im März abgeschlossenen Compliance-Verfahren gegen ihn nicht klar getrennt hat. Nach Medieninformationen soll es nach Abschluss des Verfahrens eine weitere sexuelle Beziehung zwischen Reichelt und einer ihm unterstellten Mitarbeiterin gegeben haben.

Der Ippen-Sprecher sagte dem epd, die Unternehmensleitung sei nicht über die Veröffentlichung im "Spiegel" informiert gewesen. Daraus würden aber keine Konsequenzen für das Investigativteam folgen.

In der nun vom "Spiegel" veröffentlichten Recherche heißt es, Reichelt habe sich "häufig nach demselben Muster" jungen Frauen in seiner Redaktion angenähert. So habe er sie für ihre Arbeit gelobt, ihnen verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut oder in Positionen eingesetzt, für die sie nicht geeignet waren. Diese Bevorteilung sei allerdings oft mit einem sexuellen Verhältnis zu den Frauen verbunden gewesen. Eine der Frauen litt der Recherche nach so unter dem Druck einer ihr übertragenen Position und den Kommentaren im Kollegium, sie habe den Job nur wegen ihrer Beziehung zum Chef bekommen, dass sie sich in psychiatrische Behandlung begab.

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