München (epd). Arbeitslose unter 25 Jahren sollen künftig nicht mehr von den Jobcentern, sondern von den Arbeitsagenturen betreut werden. Gegen diese Pläne des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil (SPD) protestieren die Vertreter der rund 400 Jobcenter in Deutschland, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) in ihrer Samstagsausgabe berichtet. Das Vorhaben, das den Sparplänen der Bundesregierung geschuldet sei, stelle "einen radikalen Systemwechsel dar und wird weitreichende gesellschaftliche, organisatorische und personelle Folgen haben", heißt es in einer Stellungnahme des Bundesnetzwerks Jobcenter, die der Zeitung vorliegt. Rund 691.000 arbeitssuchende Jugendliche und junge Erwachsene wären davon betroffen, heißt es weiter.
Der Sprecher des Netzwerks, Stefan Graaf, sagte der SZ: "Wir können dann nicht mehr die ganze Familie betreuen, obwohl wir die Verhältnisse von Eltern und Kindern in der Regel kennen. Es wird hier etwas ohne Not auseinandergerissen und auf zwei Behörden verteilt." Auch die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, äußerte sich: "Wir sind von der Entscheidung überrascht worden. Sie bedeutet für uns als BA und für die Jobcenter eine größere Reorganisation."
Berechnungen zufolge werde die Betreuung junger Arbeitsloser im Jobcenter den Bund 2025 etwa 900 Millionen Euro kosten. Würden die Menschen von den Arbeitsagenturen betreut, so müsste die Arbeitslosenversicherung dafür aufkommen. Der Bundeshaushalt wäre somit entlastet - auf Kosten der Sozialbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Das Arbeitsministerium erklärte auf SZ-Anfrage, die Pläne verfolgten das Ziel, jungen Menschen die Arbeitsförderung "einheitlich und aus einer Hand anzubieten". Sich überlagernde Zuständigkeiten würden wegfallen, die Jobcenter entlastet. Dort wiederum befürchtet man, dass sich Jugendliche künftig je nach Hilfe an vier verschiedene Behörden wenden müssten. "Wir bitten alle Verantwortlichen nachdrücklich darum, den angedachten Systemwechsel unter keinen Umständen durchzuführen", heiße es in der Stellungnahme der Jobcenter.