München (epd). Nach Ansicht des Bayerischen Journalistenverbands (BJV) schaden die stark gestiegenen Ausgaben der Bayerischen Staatskanzlei für freie Fotografen dem Journalismus und der Demokratie. Bis zum 8. Mai 2023 habe die Staatskanzlei für über 75.000 Euro Bilder in Auftrag gegeben, gehe aus einer dem BJV vorliegenden Antwort der Staatskanzlei auf eine Anfrage der Landtags-SPD hervor. Die Fotos würden über die Mediathek der Staatskanzlei und der Ministerien den Medien kostenlos zur Verfügung gestellt.
Kostenlose Fotos gefährdeten aber das Geschäftsmodell von freien Fotojournalistinnen und -journalisten, sagte der Vorsitzende der BJV-Fachgruppe Bild, Ferdinand Dörfler-Farthofer, am Mittwoch. Wenn bei Terminen der Staatskanzlei und der Ministerien immer zu erwarten sei, dass kostenloses Bildmaterial für die Redaktionen erhältlich sei, würden diese keine Fotojournalisten mehr zu diesen Terminen schicken. Damit schade die Staatskanzlei der Pressefreiheit, sagte Dörfler-Farthofer. Er bemängelte zudem eine intransparente Vergabe der Fotoaufträge.
Wenn immer häufiger kostenlos bereitgestellte Fotos in der aktuellen Berichterstattung verwendet würden, "wird das legitime und notwendige Maß der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Dokumentation überschritten", kritisierte der BJV-Vorsitzende Harald Stocker. "Es schadet der Demokratie, wenn Fotos nicht mehr von unabhängigen Fotografinnen und Fotografen erstellt werden", sagte er weiter.
Mehrere Medien hatten am Dienstag über eine Antwort der Staatskanzlei auf eine Anfrage der Landtags-SPD berichtet, laut der im Jahr 2022 über 178.000 Euro für Honorare für freie Fotografen ausgegeben wurden. Die Ausgaben seien mehr als das Zwanzigfache gewesen als im letzten Amtsjahr 2017 von Horst Seehofer (CSU), dem Vorgänger des amtierenden Ministerpräsidenten. Markus Söder (CSU) begründete die Kostensteigerung mit fundamentalen Veränderungen der Kommunikationsgesellschaft.