Gauting (epd). Teuren, reich verzierten Schmuck haben Archäologen bei Grabungen bei Gauting (Landkreis Starnberg) gefunden. Die Schmuckstücke würden Aufschluss auf die Oberschicht im frühen Mittelalter geben, teilte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege am Freitag mit. Schmuckspangen (Fibeln) aus Gold und Edelsteinen, Perlen und Anhänger sowie repräsentative Waffen fanden sich den Gräbern am Krapfberg.

Besonders kostbar sei der Schmuck einer jungen Frau, die wohl bei ihrem Tod kurz vor dem Jahr 600 kaum älter als 20 Jahre alt war. 56 Perlen aus Glas und Bernstein, drei Goldanhänger und eine Scheibenfibel aus purem Gold mit Granatsteinen hätten die Archäologinnen und Archäologen darin gefunden, heißt es in der Mitteilung. Auffällig sei auch eine Bügelfibel aus feuervergoldetem Silber gewesen, die eigentlich typisch für Skandinavien und England gewesen sei. Das Grab der jungen Frau sei eines der reichsten ihrer Zeit im südlichen Bayern, sagte Generalkonservator Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

"Ihr teurer Schmuck spricht dafür, dass sie einst eine äußerst modebewusste Trendsetterin gewesen sein muss", sagte Pfeil. Die Art, wie sie ihren Mantel mit der Scheibenfibel verschlossen habe, sei zum Zeitpunkt der Bestattung gerade erst in Mode gekommen. Sie zeige einen neuen Kleidungsstil mediterraner Prägung. Funde dieser Art zeigten "echte Statussymbole" und bewiesen auch internationale Handels- und Verarbeitungsketten.

In einem weiteren Grab eines Mannes, der zwischen 30 und 60 Jahre alt wurde, fanden die Ausgräber ein Langschwert aus Damaszener Stahl, eine Wurfaxt und einen eisernen Schildbuckel. Eine aus Bergkristall geschnittene Gürtelschnalle mit silbernem, ursprünglich vergoldetem Dorn zeige, dass dieser Krieger auch zur sozialen Oberschicht gehört haben muss.

Schon im 19. Jahrhundert waren bei Gauting jahrhundertealte Gräber entdeckt worden. Die aktuellen Funde seien die ersten des großen frühmittelalterlichen Friedhofs in Gauting, die modern ausgegraben und dokumentiert wurden, so das Landesamt. Eigentümerin der Funde ist die Gemeinde Gauting. Der Gemeinderat werde beraten, was mit ihnen geschehen soll.

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