Nürnberg (epd). Nach knapp vier Jahren Bauzeit ist in den 660 Jahre alten Sebalder Pfarrhof in Nürnberg wieder Leben eingekehrt. 6,8 Millionen Euro haben die Renovierungen gekostet, teilte der Sebalder Pfarrer Martin Brons am Dienstag auf epd-Anfrage mit. Knapp 2,5 Millionen Euro davon muss die Kirchengemeinde St. Sebald selbst übernehmen, 1,9 Millionen Euro kommen von der Landeskirche und dem Dekanat.
Die ältesten Teile des Pfarrhofes wurden zwischen 1361 und 1379 auf den Resten des Haupthauses errichtet, das 1361 einem Brand zum Opfer fiel. Auch das Chörlein, das zu den heimlichen Wahrzeichen der Altstadt gehört, stammt aus dieser Zeit. Das Anwesen ist bis heute Amts- und Wohnsitz des ersten Pfarrers von St. Sebald. Er spüre noch immer "jeden Tag ein Staunen" über diesen ältesten und sozialgeschichtlich bedeutenden Ort, sagte Brons. Der Pfarrhof sei immer ein offener Hof gewesen. Daher wolle man auch jetzt mit einem neuen Café eine "Atmosphäre des Willkommens" schaffen.
Während der Renovierungen sind ein jüdischer Grabstein und über einer Holztür der hebräische Spruch "An dieses Tor soll kein Kummer kommen" entdeckt worden. "Es ist ein Zeichen, das uns praktisch vor die Füße gefallen ist", erklärt Pfarrer Martin Brons, "gerade an diesem Ort mit seiner schweren Erblast antijüdischer Darstellungen in und an der Sebalduskirche". An der Kirche St. Sebald, die gegenüber liegt, ist eine sogenannte Judensau-Plastik angebracht. Nun entsteht für die Funde das Einraum-Museum "Stein & Tür".
Im Pfarrhof verkehrten im Laufe der Zeit Prominente wie Albrecht Dürer, der in St. Sebald getauft ist, oder Philipp Melanchthon. Seine Beliebtheit als touristisches Fotomotiv verdankt das Ensemble dem "Sebalder Chörlein". Dieser reich verzierte Erker mit seinen Reliefs, die Szenen aus dem Leben Jesu und Marias zeigen, ist eine Replik. Das Original ist seit über 100 Jahren im Germanischen Nationalmuseum untergebracht.