München (epd). Vor den wirtschaftlichen Folgen der schlechten Pisa-Leistungen hat der Leiter des Münchner ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, gewarnt. "Die grundlegenden Kompetenzen der Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum", sagte Wößmann laut Mitteilung am Dienstag. Der Abstieg bei den Pisa-Ergebnissen müsse deshalb zu einem Umdenken in der Bildungspolitik führen. "Die Vermittlung der Basiskompetenzen muss höchste Priorität haben."

Die am Dienstag veröffentlichte Pisa-Studie zeige, dass die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der deutschen 15-Jährigen nach dem Einbruch während der Coronazeit (2018-2022) bis 2025 noch einmal deutlich gesunken seien und historische Tiefststände erreicht hätten, hieß es weiter. Der Rückgang der Mathematik- und Leseleistungen seit der letzten Studie von 2022 entspreche langfristig einem durchschnittlichen Verlust im Erwerbseinkommen von 3 bis 4 Prozent. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von 2018 seien es sogar 9 bis 10 Prozent. Auch gesamtwirtschaftlich gingen der deutschen Volkswirtschaft Billionenbeträge verloren.

Gezielte Förderung

Menschen mit geringeren Basiskompetenzen seien weniger produktiv bei ihren wirtschaftlichen Tätigkeiten und übten eher Berufe mit geringerer Wertschöpfung aus, hieß es weiter. Darüber hinaus gehe ein geringeres Bildungsniveau auch mit fehlender Innovationsfähigkeit einher.

Kinder aus benachteiligten Hintergründen sollten durch Nachhilfe- und Mentoringprogramme gezielt gefördert werden, so Wößmann weiter. Die in der Coronazeit abgesenkten Standards in den Schulen müssten wieder auf das vorherige Anspruchsniveau angehoben werden. Schulen sollten mehr Autonomie beim Erreichen ihrer Ziele erhalten, gleichzeitig könnten jährliche deutschlandweit einheitliche Tests die Transparenz erhöhen. Eltern müssten ihre Kinder zum Lernen motivieren und begeistern.