München (epd). Vor den wirtschaftlichen Folgen der schlechten Pisa-Leistungen hat der Leiter des Münchner ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, gewarnt. "Die grundlegenden Kompetenzen der Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum", sagte Wößmann laut Mitteilung am Dienstag. Der Abstieg bei den Pisa-Ergebnissen müsse deshalb zu einem Umdenken in der Bildungspolitik führen: "Die Vermittlung der Basiskompetenzen muss höchste Priorität haben."

Die am Dienstag veröffentlichte Pisa-Studie zeige, dass die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der deutschen 15-Jährigen nach dem Einbruch während der Coronazeit (2018-2022) bis 2025 noch einmal deutlich gesunken seien und historische Tiefststände erreicht hätten.

Investitionen in frühkindliche Bildung

Die bayerische Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) verwies darauf, dass die Weichen bereits vor der Schule gestellt würden. "Mit einer qualitativ hochwertigen und verlässlichen frühkindlichen Bildung schaffen wir das Fundament für eine erfolgreiche Bildungsbiografie", sagte Scharf laut Mitteilung. Bayern investiere deshalb bis zum Jahr 2030 knapp drei Milliarden Euro zusätzlich in die Kitas.

Die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag plädierte angesichts der schlechten Pisa-Ergebnisse für längeres gemeinsames Lernen. Bayern habe ein Schulsystem, das viel zu früh aussortiere, statt zu fördern, sagte SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer laut Mitteilung. "Bayern muss endlich gezielt dort investieren, wo die Bildungschancen am schlechtesten sind."

Das Startchancen-Programm von Bund und Ländern müsse von der Staatsregierung besser finanziell ausgestattet werden, sagte Nicole Bäumler, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Mit dem Programm kämen individuelle Förderung, moderne Ausstattung und multiprofessionelle Teams aus Sozialpädagogik, Schulpsychologie und Sprachförderung dort an, wo sie gebraucht würden.

Gezielte Förderung

Moderne Unterrichtsformen und Fördermaßnahmen seien ein Schlüssel für zeitgemäße Bildung, so die bayerische Grünen-Fraktion. "Stupides Auswendiglernen ist nicht mehr zeitgemäß", sagte die bildungspolitische Sprecherin, Gabriele Triebel.

Das ifo Institut rät, Kinder aus benachteiligten Hintergründen durch Nachhilfe- und Mentoringprogramme gezielt zu fördern. Die in der Coronazeit abgesenkten Standards in den Schulen müssten wieder auf das vorherige Anspruchsniveau angehoben werden. Schulen sollten mehr Autonomie beim Erreichen ihrer Ziele erhalten, gleichzeitig könnten jährliche deutschlandweit einheitliche Tests die Transparenz erhöhen. Eltern müssten ihre Kinder zum Lernen motivieren und begeistern.