München (epd). In fast jeder zweiten Gemeinschaftsunterkunft in Bayern müssen Asylbewerber ohne Wlan-Anschluss auskommen. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der asyl- und ausländerpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Alexandra Hiersemann, hervor, die diese am Freitag veröffentlichte. Eine interne Erhebung habe ergeben, dass es in fast jeder zweiten Gemeinschaftsunterkunft bisher keinen Wlan-Anschluss gebe, beziehungsweise der Stand unbekannt sei.

Allein in Mittelfranken hätten über zwei Drittel der Unterkünfte kein funktionierendes Wlan. Zudem gebe es auch in Anker-Zentren derzeit vier Standorte, an denen noch gar kein Wlan für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stehe. Bei den Anker-Einrichtungen, die bereits Wlan hätten, würden die Anschlussgeschwindigkeiten teilweise bei nur sechs Mbit pro Sekunde liegen. Dies entspreche der niedrigsten Leistung und sei für viele Internet-Aktivitäten nicht ausreichend.

Die Staatsregierung beteuere seit Jahren, dass sie sich der Notwendigkeit des Ausbaus bewusst sei, sagte Hiersemann. Die Umsetzung und der Ausbau von Wlan-Zugängen komme aber zu langsam voran. "Den Betroffenen werden damit Steine in den Weg der Integration gelegt", kritisiert die SPD-Politikerin. Der Zugang zu funktionierendem Wlan sei für Geflüchtete essenziell. Dabei gehe es nicht nur um den Kontakt zu Familie, Freunden oder auch Behörden. "Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kann nur durch eine stabile Internetverbindung die Teilhabe am Schulunterricht oder an Integrationskursen gewährleistet werden", stellte Hiersemann fest.

Sie kritisiert auch, dass für die Betroffenen unterschiedliche Kosten anfallen. Für manche Bewohner sei der Anschluss kostenlos, andere müssten bis zu 600 Euro pro Jahr zahlen. Bei vorhandenem Wlan müssten einige mit Kürzungen ihrer Asylbewerberleistungen rechnen, andere würden die Leistungen in voller Höhe erhalten.

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