München, Hamburg (epd). Einer Studie zufolge haben Medien in Deutschland insgesamt überwiegend sachlich über die Corona-Pandemie berichtet. Allerdings gilt dies für einzelne Medien stärker als für andere, wie es in der Untersuchung "Einseitig, unkritisch, regierungsnah? - Eine empirische Studie zur Qualität der journalistischen Berichterstattung über die Corona-Pandemie" heißt, die im Rahmen einer Medien-Fachkonferenz der Rudolf Augstein Stiftung am Montag in Hamburg vorgestellt wurde. Zugleich hätten Medien häufiger über statistische Informationen als über Einzelfälle berichtet.
Bei den in der Berichterstattung erwähnten Akteuren zeige sich eine starke Konzentration auf Politiker, während von der Infektion Betroffene und auch sogenannte Corona-Skeptiker kaum vorkamen, heißt es weiter. Dabei habe der Höhepunkt der Medienberichterstattung in der ersten Welle gelegen, obwohl das Infektionsgeschehen in den beiden anderen Wellen deutlich dramatischer ausfiel. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie seien in den meisten Medien als angemessen oder sogar als nicht weitreichend genug bewertet worden. "Dass die Maßnahmen zu weit gingen, war in den Medien eher eine Minderheitenposition, die allerdings quantitativ durchaus ins Gewicht fiel." Zudem hätten die Medien überwiegend einen Konsens in der Wissenschaft unterstellt. Die Unsicherheit von wissenschaftlichen Prognosen sei oft nicht vermittelt worden.
Insgesamt falle die Qualität der Medienberichterstattung folglich unterschiedlich aus, schreiben die drei Autoren von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammenfassend. Wie man die Qualität beurteile, sei zudem untrennbar mit der Frage verbunden, welche Rolle man Nachrichtenmedien in Krisen wie dieser Pandemie zuschreibe. Gehöre es auch in einer Pandemie zu den Aufgaben der Medienberichterstattung, Kritiker der Pandemiebekämpfung zu thematisieren, "auch wenn dies möglicherweise die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Maßnahmen mindert?".
Die Studie untersuchte den Angaben zufolge die Qualität der Medienberichterstattung über die Corona-Pandemie in Deutschland zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 30. April 2021 in elf Leitmedien mit unterschiedlichen redaktionellen Linien. Die Bewertungskriterien waren demzufolge Relevanz, Vielfalt, Neutralität, Sachgerechtigkeit, Ausgewogenheit und Kontextualisierung.